Zentralverband des
Deutschen Handwerks
12.01.2026

Bürokratieentlastungen müssen im Handwerksbetriebsalltag ankommen

Betriebe kämpfen sich nach wie vor durch einen Bürokratiedschungel. Politik muss nun schnell umsetzen, was sie zum Bürokratieabbau angekündigt hat, denn es zählt nur, was im Alltag ankommt, so ZDH-Präsident Jörg Dittrich zu Julian Loevenich von BILD.
Jörg Dittrich

Das Statement ist zuerst in der "BILD" erschienen.

Die Bundesregierung hat erkannt, wie stark Bürokratie Handwerksbetriebe und die Wirtschaft belastet, und sie hat mit dem Entlastungskabinett und der Modernisierungsagenda im Dezember gehandelt. Das ist richtig, doch in den vergangenen Jahren ist ein derartig dichter Bürokratiedschungel gewachsen, dass sein Abbau auch weiter eine der dringendsten Aufgaben bleibt: ganz sicher im Bund, aber mit ebenso großer Dringlichkeit auch in Ländern, Kommunen und auf europäischer Ebene.

Für Betriebe ist am Ende entscheidend, was tatsächlich im Alltag ankommt. Die Abschaffung der Bonpflicht steht jetzt zwar in der Modernisierungsagenda, doch für die Betriebe zählt das letztlich erst, wenn sie wirklich weg ist. Sie brauchen sofort spürbare Entlastungen. Dazu gehören beispielsweise ein Stop the Clock bei neuen Pflichten, weniger Berichtspflichten, Ende des Sonntagbackverbots und die tatsächliche Abschaffung der Bonpflicht.

Die Flut an Nachweisen frisst Zeit, Geld und Nerven. Kaum etwas muss nicht belegt werden, oft nur, damit es irgendwo abgeheftet wird. Betriebe müssen oft schriftlich erklären, dass sie keine Fehler gemacht haben. Das ist so, als müsste man beim Aussteigen aus dem Auto jedes Mal unterschreiben, dass man nicht zu schnell gefahren ist. Oft müssen Betriebe auch Dinge schriftlich nachweisen, die längst digital oder automatisch erfasst werden. Die Formular- und Papierflut schreckt junge Meisterinnen und Meister ab, sich selbstständig zu machen.

Bürokratie bremst Wachstum, Nachfolge und Selbstständigkeit, Bürokratieabbau hingegen ist die günstigste Konjunkturmaßnahme. Die Modernisierungsagenda muss nun konsequent umgesetzt und weiterentwickelt werden, damit Betriebe nicht länger so viel Kraft aufbringen müssen, um sich durch einen schier undurchdringlichen Bürokratiedschungel zu kämpfen, sondern ihre eigentliche handwerkliche Arbeit machen können.