04.09.2020

Wirtschaft erkennbar in konjunkturellem Aufholprozess, doch noch nicht über den Berg

Portraitfoto von Holger Schwannecke im Gespräch auf der Dachterrasse im Haus des Deutschen Handwerks mit Blick über Berlin
Foto: ZDH/Boris Trenkel

Zu der in dieser Woche von der Bundesregierung gegebenen Konjunktureinschätzung, wonach der Einbruch der deutschen Wirtschaft weniger stark als erwartet ausfällt, hat ZDH-Generalsekretär Holger Schwannecke gegenüber Karin Birk von der "Deutschen Handwerkszeitung (DHZ)" gesagt:

"Ohne Zweifel ist es eine gute und erfreuliche Nachricht, dass der Wirtschaftseinbruch durch Corona offenbar nicht so schlimm ausfallen wird wie zunächst befürchtet und dass die deutsche Wirtschaft wieder Tritt zu fassen scheint. Über den Berg sind wir aber längst noch nicht. Solange kein wirksamer Impfstoff gegen Covid-19 gefunden worden ist, wird die "neue Normalität", die weiter mit Einschränkungen einhergeht, deutliche Spuren im Wirtschaftsgeschehen hinterlassen und sich in den Kassen und Büchern vieler Unternehmen und Betriebe spürbar auswirken. Der Aufholprozess hat zwar begonnen, aber noch immer gibt es innerhalb und außerhalb des Handwerks Betriebe, die schwer unter den Folgen der Maßnahmen zur Pandemie-Bekämpfung zu leiden haben. Und viele der Unternehmen, die zwar gut durch die massive erste Lockdown-Phase gekommen sind, müssen nun feststellen, dass dringend benötigte Folgeaufträge fehlen. Es ist also nach wie vor Vorsicht geboten und ein politisches Handeln erforderlich, das sich an den aktuellen Pandemie-Entwicklungen orientiert und das zum Ziel hat, einen erneuten flächendeckenden Lockdown unbedingt zu vermeiden.

Angesichts dessen war und ist die Bundesregierung gut beraten, das Überbrückungsinstrumentarium zu verlängern. Ein wichtiger Punkt für das Handwerk ist dabei die Überbrückungshilfe. Diese muss bei ihrer Verlängerung bis zum Jahresende jedoch deutlich in ihrer Anwendbarkeit flexibilisiert werden, damit sie tatsächlich auch die Unternehmen erreicht, die dringend darauf angewiesen sind. Wir sehen zudem dringenden Bedarf an Unterstützungsmaßnahmen, mit denen das Eigenkapital gestärkt wird. Hier könnten und sollten beispielsweise die Mittelständischen Beteiligungsgesellschaften eine sehr wichtige Rolle einnehmen. Zudem sollte der KfW-Schnellkredit auch für Unternehmen mit bis zu 10 Beschäftigten geöffnet werden.

Alle politischen Maßnahmen nützen jedoch nichts, wenn sich nicht alle an die nötigen Abstands- und Hygieneregeln halten und damit ihren Beitrag leisten, um die Ausbreitung des Virus zu unterbinden und einen erneuten Lockdown zu verhindern. Vordergründig mag es um den Gesundheitsschutz gehen, doch in einer Pandemie ist ein solches Verhalten auch die Voraussetzung dafür, Beschäftigung und wirtschaftliche Aktivitäten zu ermöglichen und zu sichern."

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