22.09.2020

"Handwerksbetriebe setzen in Krisenzeit und in der Zukunft mehrheitlich auf ihre Hausbanken"

Portraitfoto von Hans Peter Wollseifer vor einer Strukturleinwand im Haus des Deutschen Handwerks in Berlin
Foto: ZDH/Boris Trenkel

ZDH-Präsident Hans Peter Wollseifer äußert sich in einem Standpunkt gegenüber Christoph Becker von der Sparkassen Zeitung zu der gerade in der gegenwärtigen Pandemiezeit bestehenden Bewährungsprobe für die Beziehung zwischen dem Handwerk und den Sparkassen in deren Funktion als Hausbank:

"Vertrauensvoll, stabil und häufig über einen langen Zeitraum beständig: So lässt sich kurz zusammengefasst die Beziehung der Mehrzahl unserer Handwerksbetriebe zu ihren Hausbanken beschreiben. Es ist eine Beziehung, die gerade in der aktuellen Krisensituation einer Bewährungsprobe ausgesetzt ist. Inzwischen kann erfreulicherweise festgestellt werden, dass sich diese Beziehung ganz überwiegend als tragfähig erwiesen hat. Das lässt auch für die Zukunft weiter ein enges und gutes Miteinander erwarten.

Wie nun stellt sich die Lage derzeit dar? Oft ist die Rede davon, dass es nicht DEN klassischen Handwerksbetrieb gibt. Einmal mehr bestätigt wird das durch die jüngste Handwerksumfrage zu den Einflüssen der Corona-Pandemie auf die wirtschaftliche Situation der Betriebe und ihre Finanzierungsmöglichkeiten. Während einige von gravierenden bis hin zu existenzbedrohenden Umsatzeinbußen sprechen, gibt es eine bemerkenswert hohe Anzahl an Betrieben (ca. 45 Prozent), die keine coronabedingten Auswirkungen spüren. Und vereinzelt konnten Betriebe sogar ihre Umsätze steigern. Ein einheitliches Betroffenheitsbild vom Handwerk gibt es somit nicht.

Ganz unabhängig vom Grad ihrer Betroffenheit eint die Betriebe jedoch ihr Wille, sich am Markt zu halten. Den Kopf in den Sand zu stecken, das zeigt die Umfrage einmal mehr, ist nicht die Sache von Handwerkerinnen und Handwerkern. Auf die Pandemie reagieren sie ganz überwiegend anpackend und immer mit dem Ziel, ihren Betrieb und ihre Mitarbeiter zu halten. Dafür werden Produktionen angepasst, Geschäftsmodelle weiterentwickelt oder ganz neu aufgesetzt. Diese Flexibilität und dieser Mix aus Aktivitäten macht das Handwerk nach wie vor – gerade auch in der Krise – zu einem Stabilitätsanker. Umso mehr, als zahlreiche Handwerke das Land während der Pandemiemonate am Laufen gehalten haben: etwa im Bereich Reinigung und Desinfektion, in der Lebensmittelversorgung oder bei technischen Wartungen.

Ergänzend zu ihren eigenen Bemühungen, nutzen die Betriebe auch die Unterstützungsmaßnahmen des Bundes und der Länder oder beantragen Darlehen bei der Hausbank. Und auch hier eint die Betriebe im Handwerk - über alle Vielfalt und Unterschiedlichkeit hinweg -, wie die Zusammenarbeit mit „ihrer“ Hausbank abläuft. Gemäß einer Untersuchung der KfW  verfügen 53 Prozent der Handwerksbetriebe über nur ein primäres Kreditinstitut. Und diese Geschäftsbeziehung ist äußerst beständig. Knapp 60 Prozent der Handwerksbetriebe pflegen ihre Hausbankbeziehung 20 Jahre und länger. Dabei streben insbesondere Handwerksbetriebe nach einem persönlichen Kontakt in „ihrer“ Hausbank, wie die Sonderauswertung des KfW-Mittelstandspanels ebenfalls belegt.  Vergegenwärtigt man sich zusätzlich, dass ca. 70 Prozent des Kreditbestands im Handwerk von Sparkassen herausgelegt werden, zeigt sich zum einen die Verbundenheit des Handwerks zum Sparkassensektor, zum anderen aber auch die Verantwortung, die Sparkassen gegenüber den Handwerksbetrieben haben und wahrnehmen.

Die Ergebnisse der jüngsten Handwerksumfrage lassen den Rückschluss zu, dass Handwerksbetriebe vor Corona eine gute betriebswirtschaftliche Basis geschaffen und eine vertrauensvolle Beziehung zu ihren Hausbanken gepflegt haben, die sich jetzt auszahlt. Sie zeigt aber auch, dass die Sparkassen zu Recht auf die Leistungsfähigkeit und Zukunftsperspektive der Handwerksbetriebe vertrauen. Denn seitdem der Lockdown beendet wurde, vermelden lediglich 9 Prozent der antwortenden Handwerksbetriebe Schwierigkeiten bei der Kreditaufnahme außerhalb der Covid-19-Fördermaßnahmen. In Anbetracht der Krisensituation sicherlich ein sehr gutes Ergebnis.

Und dennoch können wir uns nicht einfach nur zurücklehnen. So gibt es erste Anzeichen von drohenden künftigen Schwierigkeiten je nach Ausprägung der weiteren Corona-Situation. Bereits für den zurückliegenden Zeitraum vermelden 42 Prozent der Betriebe, dass sich ihr Eigenkapital seit Beginn der Pandemie reduziert hat. Für die Betriebe besteht also die dringende Notwendigkeit, Eigenkapital zukünftig wieder aufzustocken. Da Eigenkapital im Handwerk überwiegend aus Gewinnen gebildet wird, müssen die Rahmenbedingungen für erfolgreiches Wirtschaften optimiert werden; bei der Durchsetzung entsprechender politischer Maßnahmen zählen wir auch auf die Unterstützung des Sparkassensektors."

Coronavirus

Nahaufnahme von Viren grafisch dargestellt.
Foto: AdobeStock/Feydzhet Shabanov