31.05.2021

„Handwerk zentral für Wiedererstarken von Europas Wirtschaft“

EU-Flagge vor blauem Himmel
Foto: unsplash/Christian Lue

„Unsere deutsch-französische Handwerks-Erklärung enthält die zentralen Erwartungen und Vorschläge dazu, wie dem Handwerk der nötige Spielraum verschafft wird, damit es seine ganzen Potenziale auch ausspielen kann und so zum Erfolgsfaktor künftiger europäischer Prosperität wird“, so ZDH-Präsident Hans Peter Wollseifer gegenüber Frank Specht vom Handelsblatt.

„Nur mit dem Handwerk wird ein Wiedererstarken der Wirtschaft in Europa gelingen. Die Handwerkerschaft in beiden Ländern ist eine der tragenden Säulen der wirtschaftlichen Entwicklung und gemeinsam wichtiger Motor eines erfolgreichen Nach-Corona-Starts in Europa. Das deutsche und französische Handwerk ist sich einig, dass es diese zentrale Rolle jedoch nur erfolgreich übernehmen kann, wenn Politik für den richtigen Rahmen in den wichtigen Bereichen sorgt: bei der beruflichen Ausbildung und damit Fachkräftesicherung, bei der Digitalisierung, der Bürokratieentlastung und in ihrer Klimapolitik. Unsere deutsch-französische Handwerks-Erklärung enthält die zentralen Erwartungen und Vorschläge dazu, wie dem Handwerk der nötige Spielraum verschafft wird, damit es seine ganzen Potenziale auch ausspielen kann und so zum Erfolgsfaktor künftiger europäischer Prosperität wird.

Berufliche Ausbildung ist der Schlüssel für Zukunftsgestaltung

Die deutsch-französische Handwerks-Erklärung pocht auf eine noch stärkere Wertschätzung und Förderung der beruflichen Ausbildung, weil diese unabdingbar notwendig ist, um den künftigen Bedarf an beruflich qualifizierten Fachkräften zu decken. Nur wenn wir ausreichend junge Menschen beruflich ausbilden, stehen uns diese künftig auch als Fachkräfte zur Verfügung. Berufliche Ausbildung ist der Schlüssel für die Zukunftsgestaltung, denn nur mit den Handwerkerinnen und Handwerkern in Deutschland und Frankreich werden wir die Zukunftsaufgaben, die gerade auch der Green Deal beschreibt, umsetzen können. Deshalb ist ein großer Schwerpunkt der deutsch-französischen Handwerks-Erklärung das Thema der beruflichen Ausbildung, die europaweit gestärkt und noch besser verankert werden muss. Wir setzen uns dafür ein, dass gemeinsame Qualitätsstandards für die berufliche Aus- und Weiterbildung entwickelt sowie Exzellenz und Innovation in der beruflichen Bildung im deutschen und französischen Handwerk gefördert wird.

Kraft und Können zum Wohle einer guten wirtschaftlichen Entwicklung

Die deutsch-französische Handwerks-Erklärung ist als Signal zu verstehen, dass wir im Handwerk in Deutschland und Frankreich entschlossen sind, all unsere Kraft und unser Können zum Wohle einer guten wirtschaftlichen Entwicklung in unseren Ländern und damit auch in Europa einzusetzen. Gerade beim grenzüberschreitenden Arbeiten sind für die Handwerksbetriebe klare Regeln und pragmatische Verfahren wichtig. Anzeige-, Melde- und Nachweispflichten müssen auf ein notwendiges Maß reduziert und vereinfacht werden sowie transparent und nachvollziehbar sein. Entsende-Formalien etwa müssen für die Betriebe schnell und unbürokratisch bewältigt werden können. Die Corona-Pandemie hat gezeigt, dass ein gemeinsames europäisches Vorgehen notwendig ist, um Grenzschließungen zu vermeiden. Die Grundfreiheiten des europäischen Binnenmarkts, insbesondere die Freiheiten des Personen- und Dienstleistungsverkehrs, müssen gewährleistet sein, auch in Krisenzeiten.

Datenstrategie der EU passfähig ausgestalten

Der Zugang zu Daten wird für viele Geschäftsmodelle im Handwerk – z.B. in den Bereichen Kfz, Landmaschinen oder Gebäudeinfrastruktur/Smart-Home wie auch bei der Nutzung von Plattformen insgesamt – immer wichtiger. Auf deutscher wie europäischer Ebene erfordert dies einen Rechtsrahmen, der den Betrieben einen fairen Datennutzungszugang gewährleistet. Neben der bereits umgesetzten, zielführenden GWB Novelle in Deutschland muss nun insbesondere die Datenstrategie der EU hierfür passfähig ausgestaltet werden. Dies betrifft den „Digital Service Act“ im Plattformbereich und die Gewährleistung offener und standardisierter Schnittstellen, die Handwerksbetrieben für ihre Dienstleistungsangebote auch die Nutzung von Daten „smarter Geräte“ durch Privatpersonen grundsätzlich ermöglichen.

Stärkere internationale Abstimmung für den Erfolg einer erfolgreichen Klimapolitik unerlässlich

Erderwärmung deutlich zu begrenzen, dieses Ziel der deutschen und europäischen Klimapolitik findet im Handwerk breite Zustimmung. Die bisherige Klimapolitik beruht jedoch auf einem markt- und praxisfernen Instrumentarium, das in den Betrieben zu steigenden Energie- und Bürokratiekosten führt. Notwendig ist daher ein substanzieller Kurswechsel, der auf wettbewerblichen Ansätzen, Anbietervielfalt und dezentralen Lösungen beruht. Nur in einem solchen Marktrahmen kann das breit verteilte Wissen von Handwerksbetrieben und ihren Kunden vor Ort gebündelt und in sinnvolle, passfähige, effektive und insbesondere auch wirtschaftlich effiziente Maßnahmen einfließen. Versorgungssicherheit, Bezahlbarkeit und Nachhaltigkeit müssen gleichgewichtige Ziele der Energiepolitik darstellen. Stärkere internationale Abstimmung ist für den Erfolg einer tatsächlich erfolgreichen Klimapolitik einschließlich des Europäischen „Green Deals“ unerlässlich.“

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