29.06.2020

„Für eine Entwarnung ist es noch zu früh“

Portraitfoto von Hans Peter Wollseifer im Gespräch in seinem Büro im Haus des Deutschen Handwerks
Foto: ZDH/Boris Trenkel

Aktuelle Umfrageergebnisse zeigen, dass die Umsatzausfälle der Betriebe im Handwerk durch Corona weiterhin hoch bleiben. ZDH-Präsident Hans Peter Wollseifer sprach mit der Deutschen Presse-Agentur darüber, was jetzt getan werden muss:

„Nach dem Ende des Lockdowns haben die pandemiebedingten Beeinträchtigungen des Geschäftsbetriebs im deutschen Handwerk weiter nachgelassen und Tendenzen für eine Aufwärtsbewegung sind erkennbar, doch für eine Entwarnung ist es dennoch zu früh. Die Umsatzausfälle der Betriebe bleiben insgesamt hoch, weil die Konsum- und Kaufzurückhaltung der Verbraucher auch bei Produkten und Dienstleistungen im Handwerk spürbar ist.

Sorge bereitet mit Blick auf die kommenden Monate, dass die Aufträge – besonders in den Bau- und Ausbaugewerken – nicht im notwendigen Maße reinkommen. Schaffen wir hier keine Trendumkehr, dann steht vor allem den Baugewerken die Konjunkturdelle oder gar der Konjunktureinbruch erst noch bevor. Besonders die öffentliche Hand als wichtigster Auftraggeber muss es jetzt wahrlich in die Hand nehmen und ihrer Vorbildfunktion bei der Auftragsvergabe gerecht werden.

Schon jetzt Vorkehrungen treffen


Eine ganz zentrale Stellschraube dafür, dass Handwerksbetriebe wieder voll umfänglich arbeiten können, ist die uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit der öffentlichen Verwaltungen. Bund, Länder und Kommunen müssen jetzt schnellstmöglich dafür sorgen, dass ihre Verwaltungen wieder vollständig zur Normalität und Funktionsfähigkeit zurückkehren. Es muss unbedingt verhindert werden, dass sich Planungs- und Genehmigungsverfahren verzögern und nicht abgewickelt werden und daraus eine Auftragsdelle für das bisher konjunkturstabilisierende Baugewerbe folgt. Wichtig ist zudem, schon jetzt Vorkehrungen zu treffen, sollte es zu einer zweiten Corona-Welle kommen. Es ist an der Zeit, die Digitalisierung von Verwaltungsabläufen zu beschleunigen und die Möglichkeiten der Verwaltungsmitarbeiter zur Arbeit im Homeoffice einschließlich der rechtssicheren Abwicklung von Verwaltungsakten auszubauen. Die Kommunen – gerade die kleinen und mittleren – müssen hierbei massiv unterstützt werden.

Viele unserer Betriebe haben weiter mit pandemiebedingten Einschränkungen zu kämpfen, die Produktion wie Vertrieb ihrer Produkte und Dienstleistungen stark erschweren: Noch immer sind Mitarbeiter gar nicht oder nur eingeschränkt verfügbar; die Hygiene- und Abstandsvorgaben beeinträchtigen Betriebsabläufe und sind zudem ein zusätzlicher Kostenfaktor. Und die Störungen in den Lieferketten scheinen sogar noch einmal zugenommen zu haben. Wenn es nicht gelingt, die Lieferketten wieder zum Laufen zu bringen, werden viele Handwerksbetriebe Aufträge nicht ausführen können, was die Schwächephase verlängern würde. Insgesamt bleibt das geschäftliche Umfeld für unsere Betriebe eine Herausforderung.“

Auswirkungen von Corona - Umfrageergebnisse 25. KW zum Download

ZDH-Umfrage zu den Auswirkungen von Corona

Zu den Ergebnissen der letzten Umfrage.

Coronavirus

Nahaufnahme von Viren grafisch dargestellt.
Foto: AdobeStock/Feydzhet Shabanov