21.12.2020

Corona-Hilfen müssen schnell bei Betrieben ankommen

Portraitfoto von Hans Peter Wollseifer im Büro im Haus des Deutschen Handwerks in Berlin
Foto: ZDH/Boris Trenkel

Über die konjunkturelle Lage im Handwerk und die Notwendigkeit, das Tempo bei der Auszahlung von Corona-Hilfen zu erhöhen, hat ZDH-Präsident Hans Peter Wollseifer mit Andreas Hoenig von der dpa gesprochen.

Der Lockdown jetzt ist eine harte Bewährungsprobe für viele unserer Betriebe. Das ist für viele ein heftiger Schlag. In manchem Betrieb stellt sich wirklich die Frage nach der Zukunft. Viele Betriebe sind schon beim ersten Lockdown ans Eingemachte gegangen und haben ihre Eigenkapitaldecke fast aufgebraucht. Erspartes ist jetzt nahezu vollständig aufgezehrt. Und jetzt kommt der nächste Lockdown. Das wird manchen Betrieb endgültig überfordern. Deswegen war und bleibt es wichtig, weitere Hilfen auf den Weg zu bringen.

Das Tempo ist ernüchternd

Wir brauchen Hilfen, die vor allen Dingen schnell und zielgenau bei den Betrieben ankommen, die sie brauchen. Die bisherigen Erfahrungen mit den Novemberhilfen sind allerdings ernüchternd, was das Tempo anbetrifft, mit dem die Verfahren laufen. Das dauert alles viel zu lang, bis die Abschlagszahlungen dann tatsächlich bei den Betrieben ankommen. Die Durststrecke lässt sich so nicht überbrücken, sondern wird immer länger. Und damit nimmt auch der Druck auf die Betriebe zu. Und es gibt sehr viele betroffene Bereiche im Handwerk, zum Beispiel die Dienstleister und Zulieferer der Hotellerie und Gastronomie, also etwa Wäschereien, Gebäudereiniger, aber auch Bäcker, Konditoren, Metzger und Bierbrauer. Dazu kommen Messebauer oder die Veranstaltungstechnik oder Friseure und Kosmetiker. Den Betrieben muss so lange geholfen werden, wie der Lockdown andauert. Dabei halte ich den Weg bei der Überbrückungshilfe III über die Erstattung der Fixkosten für den richtigen Weg. Eine schnelle Liquiditätshilfe wäre außerdem eine Ausweitung des steuerlichen Verlustrücktrags. Das wäre sehr wichtig.

Wir rechnen mit einem Umsatzminus

Unsere Betriebe haben in diesem Jahr wirklich eine wilde Achterbahnfahrt hinter sich. Wir haben mit einem tollen ersten Quartal begonnen. Im zweiten Quartal kam dann der Einbruch nach dem harten Lockdown. Im dritten Quartal haben sich die Betriebe wieder gefangen, und wir hatten die Hoffnung, dass sich das Minus für dieses Jahr im Rahmen hält. Aber jetzt rechnen wir mit einem Umsatzminus in diesem Jahr von rund 4 Prozent für das deutsche Handwerk. Das ist das erste Minus seit 2013, nach wirklich guten Jahren.

Das Handwerk ist digitaler als die Verwaltung

Die Lage ist sehr unterschiedlich – vom Totalausfall bis zu relativ gut laufenden Betrieben, wenn wir etwa den Bau und Ausbau nehmen, Elektroniker, Elektriker, Sanitär, Heizung, Klima, Gebäudetechnik, das läuft vielfach gut – noch. Denn die Aufträge aus dem Wirtschafts- und öffentlichen Bau lassen stark nach. Grund dafür sind vermutlich die klammen Finanzen gerade im öffentlichen Bereich, aber eben auch die unzureichende digitale Arbeitsfähigkeit von Verwaltungen. Viele Betriebe bemängeln, dass in den Kommunalverwaltungen manches noch nicht digital ausgestattet ist. Das Handwerk ist mittlerweile auf einem sehr digitalen Weg, aber die Verwaltungen nicht, das muss sich schnellstens ändern. Die digitale Bauakte fordern wir seit Jahren. In sehr vielen Kfz-Zulassungsstellen kann man die Autos nicht digital anmelden. All das müsste passieren. Bei den Kfz-Betrieben haben wir große Einbrüche auch deshalb, weil die Zulassungsstellen nicht ausreichend besetzt sind und die Zulassungen Wochen auf sich warten lassen. Dann stehen die Autos auf dem Hof und können nicht abgeholt werden.

Coronavirus

Nahaufnahme von Viren grafisch dargestellt.
Foto: AdobeStock/Feydzhet Shabanov