F-Gase-Problematik

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In 2017 sind die Preise für die marktgängigsten Kältemittel stark angestiegen und es kam zu zeitweisen Versorgungsengpässen. Dies hatte negative Folgen für Servicebetriebe des Kälteanlagenbauerhandwerks und für Anlagenbetreiber.

Die Entwicklungen in den letzten Monaten waren in ihrer Rasanz und in ihrem Ausmaß so nicht absehbar und haben daher viele Unternehmen überrascht. Die Versorgungsengpässe betrafen dabei nicht nur Kältemittel mit einem hohen Treibhauspotential (z.B. R404A bzw. R507), die auf Grund ihrer Klimaschädlichkeit peu à peu vom Markt genommen werden sollen, sondern auch andere Kältemittel (z.B. R134a).

Nachfolgend soll deshalb ausführlicher über die Gründe informiert werden, die zur beschriebenen Situation führten.


Was sind F-Gase?

Als F-Gase werden synthetisch erzeugte fluorierte Kohlenwasserstoffe bezeichnet. Diese F-Gase werden als Kältemittel eingesetzt und befinden sich z.B. in Kälte- und Klimaanlagen, Klimageräten, Kühltischen, Gewerbekühlschränken, Gärunterbrechern, Schockfrostern, Kühltheken, etc.

Die überwiegend verwendeten F-Gase sind weder toxisch noch brennbar, was die Sicherheitsanforderungen z.B. im Vergleich zu natürlichen Kältemitteln verringert und ihre Handhabung damit vereinfacht. Zudem verfügen sie über eine hohe thermische und chemische Stabilität mit entsprechend positiven Auswirkungen auf die Langlebigkeit und Wartungsfreundlichkeit der Anlagen, in denen sie zum Einsatz kommen.


Warum werden F-Gase von der EU-Kommission reguliert?

Trotz der genannten positiven Eigenschaften tragen sie in starkem Maße zur Steigerung des Treibhauseffektes bei, wenn sie aus dem Kältekreislauf entweichen und in die Umwelt gelangen. Die EU-Kommission hat sich jedoch zum Ziel gesetzt, die Emissionen von Treibhausgasen in den kommenden Jahren deutlich zu senken und so die Umwelt zu schützen.

Deshalb wurden in der seit 2015 geltenden F-Gase-Verordnung die Vorschriften für den Umgang mit F-Gasen verschärft. Und diese Verschärfungen betreffen auch Anlagenbetreiber, also die Nutzer von Kälte- und Klimaanlagen.


Auf welche Kältemittel beziehen sich die Vorschriften der F-Gase-Verordnung?

Die F-Gase-Verordnung bezieht sich insbesondere auf synthetische Kältemittel, wie z.B. R134a, R404A, R407C, R410A usw. Auf natürliche Kältemittel wie CO2, Propan, Butan und Ammoniak findet die F-Gase-Verordnung dagegen keine Anwendung.


Wie wird der Treibhauseffekt von Kältemitteln angegeben und was bedeutet das?

Bis zum Inkrafttreten der „neuen“ F-Gase-Verordnung im Jahr 2015 wurde lediglich angegeben, wieviel kg eines Kältemittels sich in einer Anlage befinden. Doch die Schädlichkeit für die Erdatmosphäre ist bei den eingesetzten synthetischen Kältemitteln durchaus sehr unterschiedlich. Deshalb wird seit 2015 ein sogenannter GWP-Wert (Global Warming Potential) genutzt, um eine Vergleichbarkeit zwischen den Kältemitteln herzustellen.

Der GWP-Wert vergleicht die Klimaschädlichkeit des genutzten Kältemittels mit dem Treibhausgas CO2. Wenn für das weit verbreitete Kältemittel R404A ein GWP-Wert von 3.922 ausgewiesen wird bedeutet das, dass 1 kg R404A für die Atmosphäre so schädlich ist, wie 3.922 kg CO2. Oder anders ausgedrückt: 1 kg entwichenes R404A ist um das 3.922-fache schädlicher für die Umwelt als 1 kg entwichenes CO2.

Nachfolgend aufgeführt sind die aktuell gängigsten synthetischen Kältemittel mit den jeweiligen GWP-Werten:

Kältemittel

GWP-Wert

R32

675

R134a

1.430

R404A

3.922

R407C

1.744

R410A

2.088

 

Die Vorschriften in der F-Gase-Verordnung, z.B. hinsichtlich vorgesehener Dichtheitskontrollen oder Aufzeichnungspflichten werden immer in „kg bzw. t CO2-Äquivalenten“ angegeben. Ob diese Betreiberpflichten für den einzelnen Betrieb zutreffen, kann anhand einer einfachen Rechnung ermittelt werden. Denn das CO2-Äquivalent ergibt sich durch Multiplikation der Füllmenge der Anlage mit dem jeweiligen GWP-Wert des eingesetzten Kältemittels.

Beispiel:

In einer Kühlanlage sind 10 kg des Kältemittels R404A enthalten. Das CO2-Äquivalent dieser Anlage beträgt also 39,2 t.

10 kg x 3.922 = 39.220 kg bzw. 39,2 t CO2-Äquivalent

Wenn nun in der F-Gase-Verordnung die Rede davon ist, dass Anlagen mit mehr als 5 t CO2-Äquivalent Dichtheitskontrollen und Aufzeichnungspflichten unterliegen, wird die Rechnung einfach umgestellt:

Beispiel:

Das vorgeschriebene CO2-Äquivalent wird durch den GWP-Wert des eingesetzten Kältemittels dividiert. Im Ergebnis wird die Füllmenge der Anlage ermittelt bei deren Überschreiten die entsprechenden Vorschriften für den Anlagenbetreiber relevant werden.

5.000 kg / 3.922 = 1,27 kg

Zum Herunterladen

Verordnung (EU) Nr. 517/2014 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 16. April 2014
(PDF)
über fluorierte Treibhausgase und zur Aufhebung der Verordnung (EG) Nr. 842/2006


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