Zentralverband des
Deutschen Handwerks

Demografie im Handwerk

Der demografische Wandel stellt das Handwerk vor grundlegende Herausforderungen, bietet aber auch neue Marktchancen.
Team einer Backstube präsentiert sich gut gelaunt vor der Kamera.

Aktuelle Entwicklungen

Deutschland schrumpft und überaltert: Die Bevölkerungszahl sinkt, während das Durchschnittsalter steigt. Der Altenquotient – das Verhältnis von Menschen im Rentenalter zu Personen im erwerbsfähigen Alter – ist seit 1991 fast durchgängig gestiegen und lag 2024 bei 39. Das bedeutet: Auf 100 Personen im erwerbsfähigen Alter kamen 39 Personen ab 65 Jahren. Nach der mittleren Vorausberechnung der DRV Bund wird dieser Wert bis 2040 auf 43,4 steigen. Gleichzeitig wächst die Lebenserwartung: 2022 lag sie bei 78,5 Jahren für Männer und 83,2 Jahren für Frauen. 

Diese Entwicklung stellt die Betriebe und die Politik vor großen Herausforderungen: 

Stärkung der betrieblichen Gesundheitsförderung

Angesichts von alternden Belegschaften tragen Maßnahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung in den Handwerksbetrieben wesentlich dazu bei, Beschäftigte langfristig gesundheitlich fit und leistungsfähig zu halten. Arbeitgeber profitieren von einer Reduzierung der krankheitsbedingten Fehlzeiten und höherer Produktivität – Arbeitnehmer von mehr Gesundheit und Motivation.

Zugleich sind auch die Beschäftigten gefordert: Ein gesundheitsbewusstes Verhalten liegt nicht zuletzt im eigenen Interesse und trägt maßgeblich dazu bei, die Erwerbsfähigkeit bis ins höhere Alter zu erhalten.

Familienpolitische Leistungen neu justieren

Deutschland gibt jährlich mehr als 200 Mrd. Euro für rund 160 ehe- und familienpolitische Maßnahmen aus – mit mäßigem Erfolg. Der ZDH fordert ein Umsteuern: weg von staatlichen Subventionierungen, hin zu einer besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Denn eine höhere Erwerbsbeteiligung von Frauen ist auch für das Handwerk ein wichtiges Ziel, um dem demografisch bedingten Arbeitskräftemangel zu begegnen.

Konkret bedeutet das: Das Angebot öffentlicher Kinderbetreuung muss bedarfsgerecht ausgebaut, das Arbeitszeitgesetz familienfreundlicher gestaltet und negative Erwerbsanreize für Zweitverdienende beseitigt werden. Auch die beitragsfreie Mitversicherung von Ehepartnern gehört auf den Prüfstand, denn sie setzt falsche Anreize und hält vor allem Frauen vom Arbeitsmarkt fern.

Soziale Sicherungssysteme zukunftsfest machen

Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels, von steigenden Pflege- und Gesundheitskosten sowie immer größeren Fachkräftelücken auf dem Arbeitsmarkt tickt in den umlagefinanzierten Sozialsystemen eine Zeitbombe. Für das personalintensive Handwerk ist eine dauerhafte Begrenzung des Gesamtsozialversicherungsbeitrags auf maximal 40 % unabdingbar, um die Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe zu sichern.

Chancen des demografischen Wandels für das Handwerk

Der demografische Wandel birgt nicht nur Herausforderungen, sondern auch Marktchancen. Zum Beispiel fragt eine älter werdende Gesellschaft handwerkliche Leistungen stärker nach: Altersgerechtes Wohnen, barrierefreier Umbau und auf Senioren zugeschnittene Dienstleistungen mit hoher Serviceorientierung gewinnen an Bedeutung. Besonders die Gesundheitshandwerke profitieren von diesem Trend. 

Ein älterer und ein jüngerer Tischler bauen Küchenschränke ein.

Betriebsnachfolge

Die demografische Entwicklung fordert die deutsche Wirtschaft, nicht nur in Bezug auf den sich verschärfenden Fachkräftemangel, sondern auch bei der Suche nach Betriebsnachfolgern für zahlreiche Unternehmen. 

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