Arbeitsmarktpolitische Initiativen zur Fachkräftesicherung

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Aktuelle Entwicklungen

Der deutsche Arbeitsmarkt befindet sich aktuell in einer bemerkenswert guten Verfassung. Auf der einen Seite ist die Arbeitslosigkeit seit Jahren rückläufig und befindet sich mit unter 2,5 Millionen Arbeitslosen [Stand Mai 2019] auf einem niedrigen Niveau. Auf der anderen Seite erreicht die Zahl der Erwerbstätigen mit über 45 Millionen und der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten mit rund 33 Millionen [Stand Mai 2019] neue Rekordwerte. Diese Entwicklungen führen dazu, dass in immer mehr Branchen und Regionen schon jetzt qualifizierte Fachkräfte fehlen. Dies gilt auch für das Handwerk: Die Zahl der offenen Stellen im Handwerk wird auf ca. 250.000 geschätzt. Schon jetzt stellt die Fachkräftesicherung eine enorme Herausforderung für die deutsche Wirtschaft und insbesondere für die kleinen Betriebe des Handwerks dar. Das wird sich aber absehbar weiter verschärfen, spätestens wenn ab 2025 mit dem Eintritt der geburtenstarken Jahrgänge in die Rente über drei Millionen Arbeitskräfte weniger zur Verfügung stehen werden.

Fachkräftesicherung durch Qualifizierung

Der durch die Digitalisierung der Arbeitswelt stark beschleunigte Strukturwandel in der Wirtschaft und im Handwerk macht es mehr denn je erforderlich, die Qualifikationen der Beschäftigten ständig auf dem neuesten Stand zu halten. Die Qualifizierung der Beschäftigten erhöht die Wettbewerbsfähigkeit gleich in doppelter Hinsicht: Die Beschäftigten steigern ihr Humankapital und eröffnen sich dadurch berufliche Aufstiegsperspektiven. Die Unternehmen verbessern ihre Position im Wettbewerb und binden langfristig ihre Mitarbeiter.

Zur Förderung der Weiterbildung von Beschäftigten hat die Bundesregierung das am 1.1.2019 in Kraft getretene Qualifizierungschancengesetz vorgelegt. Die Bewertung der darin vorgeschlagenen Maßnahmen zum Ausbau der Weiterbildungsförderung entnehmen Sie bitte der ZDH-Stellungnahme.

 

Aktivierung von Arbeitslosen

Darüber hinaus muss die Aktivierung von Erwerbspersonen für den Arbeitsmarkt intensiviert werden. So sind weitere Maßnahmen zu ergreifen, um die Arbeitslosigkeit insbesondere von Langzeitarbeitslosen abzubauen. Die arbeitsmarktpolitischen Erfahrungen der vergangenen Jahre haben dabei gezeigt, dass Maßnahmen öffentlich geförderter Beschäftigung wie insbesondere 1-Euro-Jobs eher nicht geeignet sind, Langzeitarbeitslose wieder an den ersten Arbeitsmarkt heranzuführen. Im Gegenteil wirken sie sich oftmals negativ auf die Beschäftigungschancen Langzeitarbeitsloser aus. Zudem führen solche Maßnahmen nicht selten zu Wettbewerbsverzerrungen zu Lasten von Handwerksbetrieben, weil Maßnahmeteilnehmer häufig handwerkliche Tätigkeiten ausführen. Stattdessen braucht es eine individuelle Betreuung, Beratung und gezielte Vermittlung von Langzeitarbeitslosen. Überlegungen, einen dauerhaften „sozialen Arbeitsmarkt“ einzuführen, erteilt das Handwerk eine Absage.

Mit dem zum 1.1.2019 in Kraft getretenen Teilhabechancengesetz hat die Bundesregierung die Förderung der Beschäftigung von Langzeitarbeitslosen deutlich ausgeweitet. Wie der ZDH diese Maßnahmen beurteilt, können Sie der Stellungnahme des ZDH zu diesem Gesetz entnehmen.

Arbeitsmarktintegration von Migranten und Flüchtlingen

Weiterhin müssen die Maßnahmen zur Integration von Menschen mit einem Migrationshintergrund in den deutschen Arbeitsmarkt intensiviert werden. Mit einem überproportional hohen Anteil von jungen Migranten in der Ausbildung leistet das Handwerk hierzu schon jetzt einen erheblichen Beitrag. Bund, Länder und Kommunen sind aufgefordert, insbesondere durch eine intensivierte Förderung von Deutschkenntnissen und einer verbesserten schulischen Ausbildung von jungen Migranten, deren Chancen für die Aufnahme einer Ausbildung und Beschäftigung weiter zu verbessern.

Diese Handlungserfordernisse gelten im besonderen Maße auch für die Qualifizierung und Beschäftigung geflüchteter Menschen. Seit Beginn der Flüchtlingswelle 2015 engagiert sich die gesamte Handwerksorganisation mit zahlreichen Projekten für die Qualifizierung, Ausbildung und Beschäftigung von Flüchtlingen. Einen Überblick über die verschiedenen Aktivitäten des Handwerks für geflüchtete Menschen findet sich auf folgender Rubrik der ZDH-Internetseite.

Beschäftigung ausländischer Fachkräfte

Parallel zu den oben beschriebenen Maßnahmen, die darauf zielen, das inländische Erwerbspersonenpotential auszuschöpfen und parallel zur Heranführung von Flüchtlingen an den deutschen Arbeitsmarkt ist es angesichts der demografischen Entwicklung dennoch unabdingbar, zukünftig zusätzlich verstärkt qualifizierte ausländische Fachkräfte für den deutschen Arbeitsmarkt zu gewinnen. Tatsächlich bewirkt die gute Arbeitsmarktentwicklung in Deutschland schon jetzt, dass die Zahl ausländischer Erwerbstätiger, vor allem aus EU-Mitgliedstaaten, deutlich angestiegen ist.

Welche Handlungserfordernisse bestehen, um die gerade für das Handwerk besonders interessante Gruppe von beruflich qualifizierten Drittstaatsangehörigen für eine Beschäftigung in Deutschland zu gewinnen, wird in einem vom ZDH-Präsidium Mitte 2017 verabschiedeten Positionspapier des Handwerks zur Einwanderungspolitik beschrieben.

In der Stellungnahme des ZDH zu dem Ende 2018 von der Bundesregierung verabschiedeten Fachkräfteeinwanderungsgesetz werden die dort aufgeführten Regelungen zur Erleichterung der Einwanderung ausländischer Fachkräfte auf ihre Mittelstandstauglichkeit geprüft.

Ihr Ansprechpartner

Jan Dannenbring
Abteilungsleiter
Arbeitsmarkt und Tarifpolitik
Tel: +49 30 20619-182
Fax: +49 30 2061959-182
dannenbring(at)zdh.de

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