Zentralverband des
Deutschen Handwerks

Das BerufsAbitur - Erfahrungen aus der Praxis

Seit dem Schuljahr 2017/2018 gibt es das BerufsAbitur. Im Handelsblatt bekräftigt ZDH-Präsident Wollseifer, warum wir diesen Bildungsweg brauchen. Erste Erfahrungen schildern eine Lehrerin, eine Schülerin und ein Handwerksunternehmer.
  • Drei junge Menschen betrachten ein Messgerät an das verschiedenfarbige Kabel angeschlossen sind. Hinter ihn steht ein Ausbilder, der den Apparat erklärt.

Das Handwerk will frühzeitig leistungsstarke junge Menschen an Karriereoptionen im Handwerk und an das Unternehmertum heranführen, sagt Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer gegenüber dem Handelsblatt. Seit dem Schuljahr 2017/2018 gibt es das BerufsAbitur. Leistungsstarke Jugendliche haben damit die Möglichkeit, in nur vier Jahren sowohl den Gesellenbrief als auch das Abitur zu erwerben. Das Konzept für diesen doppelt qualifizierenden Bildungsgang wurde im Rahmen der Handwerksinitiative „Höhere Berufsbildung“ vom Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) gemeinsam mit der Kultusministerkonferenz (KMK) erarbeitet, um leistungsstarke Jugendliche für das Handwerk zu gewinnen.

In Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Hamburg, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Sachsen und wird das BerufsAbitur in unterschiedlichen Varianten umgesetzt.

Hier berichten sowohl Auszubildende, die das BerufsAbitur durchlaufen, als auch andere Beteiligte aus Ausbildungsbetrieb und Berufsschule über ihre Erfahrungen mit dem BerufsAbitur.

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  • Karin Dröge, Klassenlehrerin an der berufllichen Schule für Fahrzeugtechnik in Hamburg, im Hintergrund der Hamburger Hafen

    Karin Dröge, Klassenlehrerin an der berufllichen Schule für Fahrzeugtechnik in Hamburg

„Klar, die Schüler in meiner Klasse haben schon einen langen Tag hinter sich, wenn sie zum Zusatzunterricht für die Fachhochschulreife in die Schule kommen. Manche arbeiten als Bäcker und sind bereits um vier Uhr aufgestanden. Doch auch wenn die Schüler mitunter mal müde sind, die Stimmung ist sehr gut. Sie wollen in die Schule kommen und für ihre Fachhochschulreife lernen. Das ist ständig spürbar, disziplinarische Probleme gibt es überhaupt nicht. Für dieses Engagement bewundere ich die Klasse und gehe natürlich im Unterricht darauf ein. Ich wechsele häufig die Methode oder nutze Aktivierungsspiele, um Ermüdung vorzubeugen. Ein Höhepunkt ist die gemeinsame fünftägige Fahrt des Bildungsgangs, wo sich alle nochmals intensiv auf die Prüfungen vorbereiten. Da entsteht ein gutes Gemeinschaftsgefühl.“

  • Martin Böhm, Elektrotechniker-Meister und Handwerksunternehmer aus Troisdorf, sitzend vor einem geöffneten Schaltkasten

    Martin Böhm, Elektrotechniker-Meister und Handwerksunternehmer aus Troisdorf

„Die Suche nach geeigneten Bewerbern ist in den letzten Jahren immer schwieriger geworden. Leistungsorientierte junge Leute mit mittlerem Bildungsabschluss tendieren zum weitergehenden Schulbesuch. Ich biete Ausbildungsstellen für das BerufsAbitur an. Das spricht auch Bewerber an, die später Leistungsträger sind und das Zeug zur Führungskraft haben. So investiere ich in die Zukunft meines Betriebes.“

  • Andreas Grell, Referatsleiter "Bildungsgangentwicklung" am Hamburger Institut für Berufliche Bildung, im Hintergrund ein Blick über die Dächer von Hamburg

    Andreas Grell, Referatsleiter "Bildungsgangentwicklung" am Hamburger Institut für Berufliche Bildung

„In erster Linie bietet das BerufsAbitur Lernen mit Berufsbezug. Das hat für die Schüler, die sich nicht auf einen bestimmten Bildungsweg – akademisch oder beruflich – festlegen wollen, große Vorteile. In Hamburg kann man in nur drei Jahren  die Doppelqualifizierung einer dualen Ausbildung in Verbindung mit der Fachhochschulreife erreichen. Zur allgemeinen Hochschulreife fehlt dann nur noch ein Jahr. Das macht sie für künftige Arbeitgeber zu attraktiven Fachkräften, die im Anschluss anspruchsvolle Aufgaben beispielsweise in einem Handwerksbetrieb übernehmen können. Wer dann doch weiter in Richtung Studium gehen will, kann im Anschluss die allgemeine Hochschulreife über den Besuch des zweiten Jahres der Berufsoberschule erlangen.“

  • Hermann Kunkel, Schulleiter, Staatliche Berufsschule Berchtesgadener Land

    Hermann Kunkel, Schulleiter, Staatliche Berufsschule Berchtesgadener Land

„Ich bin ein großer Fan des BerufsAbiturs bzw. der Berufsschule-Plus. Wir eröffnen dadurch jungen Menschen einen beruflichen Bildungsweg, der sie zu einer ganz besonderen Berufsreife führt. Zu Beginn des Modellversuchs war ich zunächst etwas skeptisch, da ich befürchtete, einige Schüler könnten überfordert sein. Das hat sich aber nicht bewahrheitet. Im Gegenteil. Diese Auszubildenden, in der Regel Realschüler oder ehemalige Gymnasiasten, sind leistungsstark und hoch motiviert. Sie nehmen das BerufsAbitur als eine persönliche Chance wahr. Von betrieblicher Seite berichten die Ausbilder, dass die Teilnehmer des neuen Bildungsgangs auch im Betrieb als Leistungsträger wahrgenommen werden. Den Absolventen werden innerbetrieblich gute Aufstiegs- und Weiterbildungsmöglichkeiten geboten.“

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