Neu abgeschlossene Ausbildungsverträge 2009 - Erhebung des Bundesinstituts für Berufsbildung

Im Folgenden erhalten Sie Informationen zu den Ergebnissen der Erhebung des Bundesinstitutes für Berufsbildung zu den neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen.

Neu abgeschlossene Ausbildungsverträge vor dem Hintergrund der Wirtschaftskrise und der demografischen Entwicklung rückläufig

Nach der am 17. Dezember 2009 durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung bekanntgegebenen Ausbildungsbilanz auf der Basis der Erhebung der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge des Bundesinstitutes für Berufsbildung (BIBB) wurden bis zum 30. September 2009 bundesweit 566.004 neue Ausbildungsverträge abgeschlossen, 50.338 bzw. 8,2 Prozent weniger als im Vorjahr. Im Westen sank die Zahl um 35.598 bzw. -7,1 Prozent auf nunmehr 476.006, im Osten um 14.740 bzw. -13,0 Prozent auf 98.998.

Dennoch schätzt das Bundesministerium für Bildung und Forschung ein, dass das Ergebnis angesichts der schwierigen Wirtschaftslage beachtlich ist und die Ausbildungschancen für Jugendliche weiterhin gut sind.

Veränderungen in den Wirtschaftsbereichen

Zuständige Stelle

Veränderung absolut

Veränderung in Prozent

Industrie und Handel

Minus 35.790

Minus 9,7 Prozent

Handwerk

Minus 12.790

Minus 7,5 Prozent

Öffentlicher Dienst

Plus 496

Plus 3,7 Prozent

Landwirtschaft

Minus 682

Minus 4,4 Prozent

Freie Berufe

Minus 1.272

Minus 2,9 Prozent

Hauswirtschaft

Minus 274

Minus 6,4 Prozent

Seeschifffahrt

Minus 26

Minus 8,5 Prozent

Insgesamt

Minus 50.338

Minus 8,2 Prozent

Angaben Neuverträge ohne Anschlussverträge

Bundesweit über alle Wirtschaftsbereiche haben die alten Bundesländer einen Rückgang an Neuverträgen von 7,1 Prozent und die neuen Bundesländer von Minus 13,0 Prozent. Als Ursachen für den starken Rückgang der Ausbildungsvertragszahlen im Berichtsjahr 2009 sind im Wesentlichen die Finanz- und Wirtschaftskrise sowie der starke demografische Einbruch zu nennen. Die ökonomische Krise führte zu einem bundesweit um 52.590 geringeres Ausbildungsplatzangebot. Gleichzeitig sanken aber auch die Zahlen der Schulabgänger aus allgemeinbildenden bzw. teilqualifizierenden beruflichen Schulen sowie die Zahl bei der Bundesagentur für Arbeit registrierten "Altbewerber" (Ausbildungsstellenbewerber aus früheren Schulentlassjahrgängen) deutlich. Der demografische Rückgang war besonders in Ostdeutschland hoch. Die Zahl der nichtstudienberechtigten Schulabsolventen allgemeinbildender Schulen als Hauptklientel der dualen Ausbildung hat sich seit 2001 fast halbiert. Zudem sank zusätzlich die Zahl der studienberechtigten Absolventen um 17,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf nur noch 54.030.

Im Westen stieg die Zahl der studienberechtigten Absolventen aus den allgemeinbildenden Schulen zwar noch einmal an, doch wurde dieser Anstieg durch den Rückgang bei den nichtstudienberechtigten Abgängern und Absolventen deutlich übertroffen. Zusätzlich fand eine Entlastung des Ausbildungsmarktes im Westen durch eine geringere Zahl an bei den Arbeitsagenturen und ARGEn registrierten Altbewerbern statt. Die Gründe für die unerwartet niedrige Zahl an Altbewerbern sind derzeit nicht genau auszumachen. Neben der Änderung des statistischen Verfahrens bei der Bundesagentur für Arbeit, kann auch das tendenziell geänderte Bewerbungs- und Suchverhalten auf Seiten der Jugendlichen aufgrund einer besseren Ausbildungsmarktlage dazu geführt haben.

Verhältnis von Ausbildungsplatzangebot und -nachfrage hat sich wesentlich verbessert

Das Ausbildungsplatzangebot wird über die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge zuzüglich der noch offenen Lehrstellen definiert, die Ausbildungsplatznachfrage der Jugendlichen über die Zahl der neuen Lehrverträge zuzüglich der bei der Bundesagentur für Arbeit gemeldeten Lehrstellenbewerber, die bis zum 30.09. nicht vermittelt werden konnten. Das Angebot betrug 2009 583.135 (2008: 635.758). Die Nachfrage lag bei 575.600 (2008: 630.850). Daraus ergibt sich eine Angebots-Nachfrage-Relation von 101,3. Diese fällt damit erneut günstiger aus als im Vorjahr (2008: 100,8, 2007: 97,8).

Im Ergebnis hat sich die Versorgungslage in Ostdeutschland weiter verbessert, während sie im Westen Deutschlands etwas ungünstiger als 2008 ausfiel. Somit konnten insgesamt die negativen Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise auf den Ausbildungsmarkt durch die demografische Entwicklung kompensiert werden.

Entwicklung des Ausbildungsmarktes im Handwerk

Im Handwerk wurden 157.279 neue Ausbildungsverträge und 1.889 Anschlussverträge abgeschlossen. Das entspricht einem Rückgang von Minus 7,5 Prozent (- 12.790) gegenüber dem Vorjahr. In Westdeutschland sank die Zahl um 8.942 bzw. -6,3 Prozent, in Ostdeutschland um 3.848 bzw. -13,9 Prozent. Die Entwicklung auf dem Ausbildungsmarkt 2009 wird von zwei Aspekten beeinflusst: Zum einen ist die Wirtschaftskrise nicht spurlos am Ausbildungsmarkt vorbei gegangen. Allerdings sind die Auswirkungen weit weniger gravierend als zu befürchten war. Zum anderen ist der deutliche Bewerberrückgang spürbar, der zum einen zur Entspannung der Ausbildungssituation beigetragen hat, zum andern aber auch dazu führte, dass viele Betriebe Ausbildung nicht realisieren konnten, weil sie keine (geeigneten) Bewerber fanden. Das führte auch zu einer geringeren Zahl an neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen.

Außerbetriebliche Ausbildungsverträge

In diesem Jahr erfolgt erstmalig eine Darstellung der Ergebnisse nach betrieblichen und außerbetrieblichen Ausbildungsverträgen. Dazu ist das neue Merkmal "Finanzierungsform" bereits im Jahr 2008 eingeführt worden. Ein Vergleich zum Vorjahr ist nur eingeschränkt möglich. Im Handwerk haben nicht alle Handwerkskammern Angaben sowohl im Jahr 2008 als auch im Jahr 2009 bereitgestellt. Werden die Ergebnisse nur derjenigen Handwerkskammern berücksichtigt, die in beiden Jahren Daten lieferten, ist ein Zuwachs an außerbetrieblichen Ausbildungsstellen von 3,4 Prozent statt 9,8 Prozent zu verzeichnen. Die Entwicklung ist in Ost- und Westdeutschland unterschiedlich. In Ostdeutschland ist der Anteil der außerbetrieblichen Ausbildungsplätze um 14,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr gesunken. Die Entwicklung in Westdeutschland kann derzeit nicht genau bewertet werden, zum einen aufgrund fehlender Angaben einiger Handwerkskammern als auch aus der Umstellung auf das neue Merkmal "Finanzierungsform", das noch nicht vollständig im Jahr 2008 ermittelt wurde. Es ist davon auszugehen, dass der Zuwachs an außerbetrieblichen Stellen weit unter dem derzeit ausgewiesenen Ergebnis liegt.

Entwicklung nach Berufen

Die Entwicklung der zehn stärksten Ausbildungsberufe ist im Jahr 2009 mit Ausnahme des Anlagenmechanikers für Sanitär, Heizung und Klima, der an das Vorjahresergebnis anschließen konnte, rückläufig. Dagegen konnten in den Gesundheitshandwerken in den Ausbildungsberufen Augenoptiker (+3,2 Prozent), Hörgeräteakustiker (+12,8 Prozent), Orthopädiemechaniker und Bandagist (+18 Prozent), Orthopädieschuhmacher (+5,8 Prozent) und Zahntechniker (+1,6 Prozent) mehr neue Verträge als im Jahr 2008 abgeschlossen werden. Die neu geordneten Ausbildungsberufe Bestattungsfachkraft (+2,8 Prozent), Fachkraft für Holz- und Bautenschutzarbeiten/Holz- und Bautenschützer (+22 Prozent) und Rollladen- und Sonnenschutzmechatroniker (+1,1 Prozent) finden Zuspruch. Des Weiteren entwickelte sich die Zahl der Neuverträge bei den Ausbildungsberufen Goldschmied (+1,5 Prozent), Klempner (+ 5,4 Prozent), Parkettleger (+6,6 Prozent), Schornsteinfeger (+69,8 Prozent), Stuckateur (+2,3 Prozent) und Zweiradmechaniker (+3,3 Prozent) positiv.

Handwerksberufe erfreuen sich bei den jungen Frauen zunehmender Beliebtheit. So ist der Frauenanteil von 26,7 Prozent im Jahr 2008 auf 27,2 Prozent im Jahr 2009 gestiegen. Das übertrifft alle bisherigen Werte. Insgesamt ist auch der Rückgang der Neuverträge bei den jungen Frauen (-6,0 Prozent) moderater verlaufen als bei den jungen Männern (-8,1 Prozent).

Insgesamt ist eine sich möglicherweise veränderte Entwicklung festzustellen: In einigen typischen Männerberufen ist ein zaghafter Anstieg des Frauenanteils zu konstatieren. Gleichzeitig verändert sich die Entwicklung der Neuverträge von Jungen und Mädchen innerhalb der Berufe. So hat sich in diesem Jahr der Frauenanteil bei den Bäckern um 1,3 Prozentpunkte auf 22,3 Prozent, Bootsbauern um 4,4 Prozentpunkte auf 10,7 Prozent, Fliesen-, Platten- und Mosaiklegern um 0,9 Prozentpunkte auf 2,0 Prozent, Feinwerkmechaniker um 0,6 Prozentpunkte auf 4,0 Prozent, Karosserie- und Fahrzeugbaumechaniker um 0,7 Prozentpunkte auf 1,9 Prozent, Mechatroniker für Kältetechnik um 1,8 Prozentpunkte auf 3,0 Prozent und von Parkettlegern um 1,8 Prozentpunkte auf 2,8 Prozent erhöht. Dabei haben die Ausbildungsberufe Bäcker, Bootsbauer, Fliesen-, Platten- und Mosaikleger, Karosserie- und Fahrzeugbaumechaniker sowie Mechatroniker für Kältetechnik insgesamt eine rückläufige Entwicklung zu verzeichnen. Die Anzahl der Neuverträge der weiblichen Auszubildenden hat in diesen Berufen jedoch zugenommen.

Im Weiteren werden männertypische Ausbildungsberufe aufgeführt, in denen sich der Frauenanteil, wenn auch mit kleinen Veränderungen, allmählich erhöht:

Ausbildungsberuf

Frauenanteil

2007

[%und (absolut)]

Frauenanteil

2008

[%und (absolut)]

Frauenanteil

2009

[%und (absolut)]

Veränderung

2009/2008

Bauten- und Objektbeschichterin

9,9 % (178)

11,5 %(191)

12,3 % (206)

0,8

Fahrzeuglackiererin

7,1 % (220)

8,3 % (239)

8,8 % (223)

0,5

Malerin und Lackiererin

12,6 % (1.318)

13,1 % (1.290)

13,4 % (1.254)

0,2

Maurerin

0,8 % (35)

0,6 % (22)

0,8 % (28)

0,2

Metallbauerin

1,1 % (115)

1,2 % (118)

1,4 % (107)

0,1

Stuckateurin

2,0 % (16)

3,1 % (21)

3,7 % (26)

0,6

Tischlerin

8,4 % (845)

9,1 % (849)

9,3 % (796)

0,2

Zweiradmechanikerin

4,4 % (27)

6,0 % (36)

8,4 % (52)

2,4