12.01.2018

"In anderen Ländern müssen die Lehrlinge selbst für ihre Ausbildung aufkommen"

In seinem Statement für das Handelsblatt erklärt ZDH-Präsident Hans Peter Wollseifer, wofür Ausbildungsvergütungen gedacht sind und warum die Höhe von Gewerk zu Gewerk variiert.

„Es ist welt- und europaweit keineswegs selbstverständlich, dass Azubis bereits während ihrer Ausbildung und der Berufsschulbesuche Geld erhalten. Außer in Deutschland zahlen nur noch Handwerksbetriebe in Österreich, der Schweiz und Luxemburg ihren Azubis eine Vergütung. In anderen Ländern müssen die Lehrlinge selbst für ihre Ausbildung aufkommen. In Deutschland wird die Ausbildungsvergütung als eine Unterstützung zum Lebensunterhalt verstanden. Es ist kein Arbeitsentgelt, da Azubis schließlich noch lernen und keine vollwertigen Arbeitskräfte sind. In den ersten beiden Jahren der Ausbildung zahlen Betriebe in der Regel drauf, und dennoch ist die Ausbildungsleistung im Handwerk nach wie vor ungebrochen hoch. Die Betriebe nehmen richtigerweise Geld in die Hand, um jungen Menschen etwas beizubringen und ihnen den Weg in eine handwerkliche Zukunft mit Perspektive und vielfältigen Karrieremöglichkeiten zu ebnen.

Ich kann mich im Übrigen nicht erinnern, jemals Klagen über fehlende oder zu geringe Studien-Vergütungen für Studenten gehört zu haben, doch ständig wird das Bild vom armen Lehrling gezeichnet. Das verkennt, wie engagiert unsere Betriebe in der beruflichen Bildung unterwegs sind.

Die Ausbildungsvergütungen werden im Allgemeinen in den einzelnen Branchen von den Tarifpartnern ausgehandelt, das ist auch richtig so. Insgesamt haben die Ausbildungsvergütungen im Handwerk in den letzten Jahren deutlich zugelegt, können jedoch je nach Gewerk oder Region variieren. In einigen Branchen sind die Ausbildungsvergütungen zuletzt überproportional gestiegen. So verwies etwa der Verband Deutscher Zahntechniker-Innungen in einer Pressemitteilung darauf, dass sich die Ausbildungsvergütungen zwischen September 2011 und September 2017 in Westdeutschland um mehr als 40 Prozent und in Ostdeutschland sogar um fast 60 Prozent erhöht haben.

Das Bild über die Höhe der Ausbildungsvergütungen ist in der Öffentlichkeit häufig dadurch verzerrt, dass immer wieder einzelne Gewerke herausgegriffen und die dortigen Ausbildungsvergütungen pauschal auf das ganze Handwerk übertragen werden. Dabei erhalten Azubis in manchen Berufen im dritten Ausbildungsjahr bis zu 1400 Euro.“