Verlässlichkeit im Heizungskeller ist jetzt entscheidend
Foto: ZDH/Henning Schacht
Mit dem Gebäudemodernisierungsgesetz wird die Wärmewende im Gebäudesektor neu ausgerichtet. Es ist der richtige Ansatz, Bürokratie zu reduzieren, mehr Technologieoffenheit zu schaffen und den Rechtsrahmen zu vereinfachen. Entscheidend ist nun, hieraus schnell praxistaugliche und verlässliche Regelungen umzusetzen, die Investitionssicherheit für Betriebe und Eigentümer schaffen.
Zentral bleibt dabei eine verlässliche Förderkulisse. Nur wenn Förderung stabil, verständlich und frühzeitig kommuniziert wird, können Betriebe Investitionen, Kapazitäten und Beratung sicher planen.
Positiv ist die stärkere Berücksichtigung unterschiedlicher Heiztechnologien. Gleichzeitig braucht es klare und langfristige energie- und klimapolitische Leitplanken. Ein verbindlicher und nachvollziehbarer Pfad zur Klimaneutralität und Wirtschaftlichkeit im Gebäudesektor ist weiterhin nicht ausreichend konkretisiert. Das erschwert die langfristige Planung von Investitionen erheblich. Hinzu kommen geopolitische Unsicherheiten auf den Energiemärkten, die die Verfügbarkeit und Preisentwicklung von Brennstoffen zusätzlich beeinflussen. Umso wichtiger ist ein verlässlicher Rahmen, der Versorgungssicherheit stärkt und Kostenrisiken begrenzt.
Kritisch bewertet das Handwerk die geplante Ausgestaltung der Grüngas- und Grünölquote („Bio-Treppe“). Ob ausreichend klimafreundliche Brennstoffe tatsächlich verfügbar und bezahlbar sein werden, ist ungewiss. Diese Unsicherheit erschwert Wirtschaftlichkeitsberechnungen und belastet die Beratungspraxis. Die Verantwortung für Marktverfügbarkeit und Preisentwicklung darf nicht auf das Handwerk verlagert werden.
Positiv zu bewerten sind die Ansätze in der kommunalen Wärmeplanung. Entscheidend bleibt jedoch, dass Wahlfreiheit erhalten bleibt und keine faktischen Anschluss- oder Benutzungszwänge bei Fernwärme entstehen. Nur so lassen sich verlässliche Investitionsentscheidungen ermöglichen. Auch die geplante 1:1-Umsetzung der europäischen Gebäuderichtlinie kann zur Verbesserung der Planungssicherheit beitragen. Zusätzliche nationale Verschärfungen würden hingegen die wirtschaftliche Umsetzbarkeit der Wärmewende unnötig erschweren. Klimaschutz, soziale Verträglichkeit und wirtschaftliche Realisierbarkeit müssen konsequent zusammengeführt werden. Für eine erfolgreiche Wärmewende ist zudem ein ganzheitlicher Ansatz notwendig. Neben dem Heizungstausch müssen auch energetische Sanierungen der Gebäudehülle stärker berücksichtigt werden. Die Rolle der Fachunternehmen und der Gebäudeenergieberatung des Handwerks gilt es dabei zu stärken. Nur das Zusammenspiel aller Maßnahmen ermöglicht eine langfristig klimaneutrale und bezahlbare Transformation des Gebäudesektors.
Das Handwerk steht bereit, die Wärmewende umzusetzen. Dafür braucht es verlässliche Bedingungen, weniger Bürokratie und ein konsistentes Zielbild, das Klimaneutralität, Investitionssicherheit und Praxistauglichkeit zusammenführt.