ZDH-Konjunkturbericht 1/2026
Konjunkturbericht zum Herunterladen
- Nach dem Hoffnungsschimmer im Herbst 2025 tritt die Konjunktur im Handwerk weiterhin nur auf der Stelle. Der Beginn des Iran-Kriegs hat zu explodierenden Energiepreisen an den Rohstoffmärkten und angespannten Lieferketten geführt. Hinter der Verfügbarkeit vieler Erzeugnisse und Materialien steht zumindest in den nächsten Monaten ein großes Fragezeichen, die globale Nachfrage hat einen deutlichen Dämpfer erhalten. Der zuletzt immerhin zaghafte Konjunkturoptimismus für die von Standortschwächen und Strukturwandelherausforderungen betroffene deutsche Wirtschaft ist damit bereits wieder verflogen. Auch im Handwerk ist die erhoffte Konjunkturwende abermals vertagt.
- Ihre aktuelle Geschäftslage beurteilen die Handwerksbetriebe spürbar schlechter als vor einem Jahr: Der Geschäftslageindikator geht um 7 Zähler auf 13 Punkte zurück. Auch die Erwartungen trüben sich ein (Geschäftserwartungsindikator: minus 5 Zähler auf 2 Punkte). Der Geschäftsklimaindikator für das Handwerk, der Lage und Erwartungen bündelt, fällt um 6 Zähler auf 107 Punkte zurück – die ohnehin geringe Aufwärtsentwicklung der beiden Vorjahre ist damit bereits wieder aufgebraucht.
- Weiter und wieder stärker rückläufig sind die Umsätze im Gesamthandwerk. Der Umsatzindikator, der Saldo aus Positiv- und Negativmeldungen zur Umsatzentwicklung sinkt nochmals um 2 Zähler auf minus 25 Punkte. Zumindest erwarten die Betriebe für das Frühjahr keine weiteren Umsatzrückgänge.
- Die Beschäftigung im Handwerk sinkt wie vor einem Jahr spürbar. Der Beschäftigungsindikator liegt wie im 1. Quartal 2025 bei minus 9 Punkten. Die im Winter ohnehin schwächere Nachfrage nach Beschäftigten im Handwerk wird weiter durch die anhaltende Konjunkturflaute verstärkt. Hinzu kommt eine demografische Entwicklung, die dazu führt, dass für viele offenen Stelle keine entsprechend qualifizierten Arbeitskräfte verfügbar sind.
- Die Auftragspolster im Gesamthandwerk gehen erneut und stärker zurück. Der Auftragsbestandsindikator liegt bei minus 19 Punkten (I/2025: minus 18 Punkte). Zugleich sinkt die Auslastung der betrieblichen Kapazitäten um 2 Prozentpunkte (75 Prozent). Die durchschnittlichen Auftragsreichweiten liegen bei 8,9 Wochen.
- Auch die Investitionen bleiben erwartbar schwach ausgeprägt. Der Investitionsindikator zeigt weiterhin einen deutlichen Rückgang an. Investitionen beschränken sich oft auf das unbedingt Notwendige (Investitionsindikator: minus 1 Zähler auf minus 12 Punkte).
- Der Energiepreisschock nach dem Beginn des Iran-Kriegs trifft die meisten Betriebe bisher vor allem beim Betanken ihrer Fahrzeuge. Die Energiekosten für Produktion und Heizung werden erst mit Verzögerung bei den meisten Betrieben ankommen, da Versorgerverträge mit fixen Entgelten und Laufzeiten im Handwerk die Regel sind. Die Absatzpreisdynamik liegt derzeit (noch) in etwa auf dem Niveau des Vorjahres.
- Prognose 2026: Der Iran-Krieg entfaltet bereits aktuell erhebliche Bremswirkungen für die globale Konjunktur, die sich bei einem Andauern weiter verstärken dürften. Lieferketten drohen zu reißen, starke Energiepreisanstiege bremsen die globale Nachfrage dauerhaft. Die exportierende deutsche Industrie fällt als Taktgeber für die Konjunktur damit weiter aus. Zudem droht der private Konsum durch den wieder stärkeren Preisauftrieb abgewürgt zu werden. Aktuell schränken die höheren Energiekosten die verfügbaren realen Einkommen der Verbraucher bereits ein. Mittelfristig wird sich auch bei anderen Gütern und Dienstleistungen der Preisauftrieb verstärken, weil die Preise für Material und Vorleistungen anziehen und der Lohndruck wieder stärker wird. Diese Entwicklungen bremsen sowohl den Export als auch die Binnenwirtschaft und werden auch am Handwerk nicht spurlos vorbeigehen.
Ob das ursprünglich für 2026 prognostizierte leichte Umsatzplus im Handwerk erreicht werden kann, ist unter den derzeitigen Unsicherheiten nicht seriös prognostizierbar. Entscheidend werden die Länge des Iran-Konflikts und das Ausmaß der aus ihm resultierenden weltwirtschaftlichen Verwerfungen sein.
Die notwendigen und immer wieder verschobenen Reformvorhaben der Bundesregierung gewinnen damit noch einmal an Dringlichkeit. Denn selbst ohne den Iran-Krieg wäre das Wachstum 2026 vor allem durch den schuldenfinanzierten Impuls aus den Sondervermögen getragen worden. Um einen echten Aufschwung zu ermöglichen, bleiben weniger Bürokratie, eine Absenkung der Steuer- und Abgabenlast, verlässliche Energiekosten, die zukunftsfähige Umgestaltung der Sozialsysteme und weitere Anreize für die Ausweitung des Arbeitsvolumen und zum Heben der stillen Reserve am Arbeitsmarkt zentrale Reformfelder.