Vom Geschäftshaus zum Haus des Handwerks

Haus des Handwerks in Berlin, ZDH 2016

Das Haus des Handwerks geht ursprünglich auf einen Entwurf von Georg A. Rathenau und Friedrich August Hartmann zurück. 1908 wurde ein grosses, fünfgeschossiges Geschäftshaus mit Ladenzone und repräsentativer Sandsteinfassade fertig gestellt. Als Sitz der Konfektionsfirma Orgler und Fiedelmann beherbergte das Haus weitere Betriebe der Bekleidungsbranche. 
  
Dieses Geschäftshaus aus dem Jahre 1908, in dem von 1920 an die Deutsch-Südamerikanische Bank residierte, weshalb im Keller ein großer Tresorraum vorhanden ist, wurde im Zweiten Weltkrieg von Bombentreffern schwer beschädigt und brannte völlig aus.

Nach schweren Kriegsschäden wurde es 1950 gemäß den Entwürfen von Erich H.J. Kuhnert und Hans Gericke verändert und in der ehemaligen DDR Domizil der mittelständisch orientierten Nationaldemokratischen Partei (NDPD). Dabei wurden ausgewählt gute Materialien verwendet und viele Ausstattungsstücke eigens entworfen und gefertigt. Der damalige Aufbauminister Lothar Bolz sorgte persönlich dafür, dass das Gebäude zu einer Visitenkarte der damaligen spätstalinistischen DDR-Architektur wurde. Dabei flossen deutlich die Stilelemente der fünfziger Jahre in die Gestaltung und vor allem in die Innenausstattung mit ein. Die repräsentative Westfassade mit der turmartigen Überhöhung geht auf damalige Planungen zurück, die Friedrichstraße zum breiten Boulevard auszubauen.

Nach dem Wiederaufbau wurde das Gebäude als Parteizentrale der Nationaldemokratischen Partei Deutschlands genutzt. Besonderheit des Hauses: der DDR-Bauherr überschritt die im Bereich Friedrichstraße/ Mohrenstraße vorgeschriebene Beschränkung auf 7 Stockwerke um zwei Stockwerke. Von der Terrasse des neunten Stockwerkes bietet sich ein eindrucksvoller Rundblick auf den Gendarmenmarkt und das gesamte Berlin. Dank der exponierten Lage des Gebäudes in unmittelbarer Nachbarschaft zum Gendarmenmarkt und seiner handwerklich gediegenen Ausstattung - hölzerne Wandvertäfelungen, Intarsien, geschmückte Türen, Natur- und Kunststein, erhaltenes Mobiliar in Sitzungsräumen - fand der ZDH eine angemessene Repräsentanz in Berlin.

Vor allem der behutsame Umbau durch das Architektenbüro Steinebach und Weber durch einen konservierenden Umgang mit Bauwerk und Ausstattung und die weitgehend unveränderte Übernahme der vorhandenen Einrichtung, zu der auch der 1958 fertiggestellte Bildfries von Waldemar Grzimek in der Eingangshalle gehört, machen das "Haus des Handwerks" zu einem gelungenen Beispiel für gute Zusammenarbeit von Handwerk und Denkmalpflege.

Keramikfries des Bildhauers Waldemar Grzimek

Keramikfries des Bildhauers Waldemar Grzimek (Detail)
© ZDH 2003

Fester Bestandteil des Hauses des Handwerks ist ein Keramikfries des Bildhauers Waldemar Grzimek, das dieser 1957 für das Haus in der Berliner Mohrenstrasse 20/21 entworfen hat.

Ausgeführt wurde er in der Werkstatt von Hedwig Bollhagen unter der Assistenz der Keramikerin Heidi Manthey. Der Fries befindet sich weithin sichtbar im Foyer des Gebäudes und stellt Szenen aus der Arbeits- und Freizeitwelt dar.