Zentralverband des
Deutschen Handwerks
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Deutschen Handwerks
07.10.2021

Umsatzsteuer – Ort der Besteuerung von Veranstaltungsleistungen

Das BMF hat neue Grundsätze für den Ort der Besteuerung von Veranstaltungsleistungen veröffentlicht.

Mit Erlass vom 9.6.2021 (BMF-Schreiben, Anlage 1) hat das Bundesfinanzministerium (BMF) die neueren Rechtsprechungsgrundsätze des Europäischen Gerichtshofs (EuGH-Urteil vom 13.3.2019 - Rs. C-647/17 „Srf konsulterna“) im Hinblick auf Veranstaltungsleistungen übernommen. Hieraus ergeben sich Änderungen beim Ort der Besteuerung, wenn die Leistung an einen Unternehmer oder eine gleichgestellte juristische Person erbracht werden.

Danach sind Einrittsberechtigungen für Veranstaltungen, die an einen unternehmerischen Kunden verkauft werden, künftig am Veranstaltungsort (§ 3a Abs. 3 Nr. 5 UStG) zu versteuern und nicht mehr wie bisher am Empfängerort (§ 3a Abs. 2 UStG). Hinweis: Wird die Einrittsberechtigung dagegen an Privatkunden verkauft, ist der Ort der Besteuerung wie bisher dort, wo der Unternehmer die Leistung tatsächlich erbringt (§ 3a Abs. 3 Nr. 3 Buchst. a UStG).

Eine Veranstaltung im Sinne des § 3a Abs. 3 Nr. 5 UStG (unternehmerischer Kunde) erfordert die physische Anwesenheit des Leistungsempfängers; die Vorschrift gilt daher nicht in Fällen der Online-Teilnahme des Leistungsempfängers. Daraus lässt sich ableiten, dass bei Online-Seminaren für unternehmerische Kunden der Ort der Besteuerung nach § 3a Abs. 2 UStG (Empfängerortprinzip) zu bestimmen ist. Steuerschuldner ist hier der Leistungsempfänger (§ 13b Abs. 2 i. V. m. Abs. 5 S. 1 UStG).

Zu den Eintrittberechtigungen gehört u.a. das Recht auf Zugang zu Seminaren, Messen und Kongressen. Auch sogen. „Inhouse-Seminare“, bei denen regelmäßig nur ein geschlossener Teilnehmerkreis Zugang hat und bei denen bisher der Ort der Besteuerung nach § 3a Abs. 2 UStG am Ansässigkeitsort des Leistungsempfängers angenommen wurde, sollen nach der neuen Verwaltungsauffassung künftig unter die Vorschrift des § 3a Abs. 3 Nr. 5 UStG (Veranstaltungsort) fallen. Dies kann bei grenzüberschreitenden Umsätzen zu Problemen und Abweichungen von der bisherigen Besteuerungspraxis führen. Hierzu folgende Beispiele:

Beispiel 1:

Ein Unternehmer (A) mit Sitz in Deutschland beauftragt einen Unternehmer (B) mit Sitz in Österreich, ein Seminar für seine Mitarbeiter in Österreich durchzuführen.

Beispiel 2:

Ein Unternehmer (A) mit Sitz in Deutschland beauftragt einen Unternehmer (C), ebenfalls mit Sitz in Deutschland, ein Seminar für seine Mitarbeiter anlässlich einer Tagung in Österreich durchzuführen.

Lösung:

In beiden Beispielsfällen bestimmte sich der Ort der Besteuerung bisher nach § 3a Abs. 2 UStG (Empfängerort): Die Leistung war in Deutschland (Sitzort des A) zu versteuern. Nach der neuen Verwaltungsauffassung wird die Leistung künftig nach § 3a Abs. 3 Nr. 5 UStG in Österreich (Veranstaltungsort) zu versteuern sein.

Beispiel 3:

Ein Unternehmer (A) mit Sitz in Deutschland erbringt eine Schulungsleistung an von ihm hergestellten Maschinen für die Mitarbeiter seines österreichischen Kunden (B) in Deutschland.

Lösung:

Bisher bestimmte sich der Leistungsort nach dem Empfängerortprinzip (§ 3a Abs. 2 UStG): Die Leistung war in Österreich (Sitzort des B) zu versteuern. B war Steuerschuldner (analog § 13b Abs. 5 S. 1 UStG). Nach der neuen deutschen Verwaltungsauffassung wird die Leistung künftig nach § 3a Abs. 3 Nr. 5 UStG in Deutschland (Veranstaltungsort) zu versteuern sein. Hier könnte es zu einer Doppelbesteuerung kommen, wenn Österreich den Ort der Besteuerung weiterhin in Österreich annimmt (vgl. Praxishinweis).

Um den Unternehmen die Umstellung zu erleichtern und aus Gründen des Vertrauensschutzes, gewährt die deutsche Finanzverwaltung für die Anwendung der neuen Grundsätze auf Veranstaltungen, die nicht für die Öffentlichkeit allgemein zugänglich sind (z. B. „Inhouse-Seminare“), eine Übergangsfrist bis zum 31.12.2021, wenn die Beteiligten übereinstimmend zur Leistungsortbestimmung Abschnitt 3a.6 Abs. 13 Satz 3 Nr. 3 und Beispiel 2 des Umsatzsteuer-Anwendungserlasses in der bis zum 8. Juni 2021 geltenden Fassung anwenden (BMF-Schreiben vom 19.8.2021, Anlage 2).

Praxishinweis:

Die neue deutsche Verwaltungsauffassung könnte im Verhältnis zur österreichischen Rechtsauffassung ein Problem darstellen, weil die österreichische Finanzverwaltung offenbar weiterhin von einer Besteuerung von Inhouse-Seminaren am Sitzort des unternehmerischen Leistungsempfängers ausgeht (vgl. österreichische Umsatzsteuerrichtlinien 641f).

Zum Herunterladen

  • Anlage 1 - BMF USt Ort Seminare
  • Anlage 2 - BMF USt Überhangfrist Inhouse-Schulungen

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