Zentralverband des
Deutschen Handwerks
19.03.2021

Unternehmen sehen Notwendigkeit einer Supply-Chain-Resilienz

Über drei Viertel der Unternehmen weltweit wollen künftig stärker in die Nachhaltigkeit ihrer Lieferketten investieren.

Die Corona-Pandemie hat die Lieferketten von mehr als 80 % der Unternehmen weltweit negativ beeinflusst. Bei einem Großteil wächst das Bewusstsein, dass Lieferketten flexibler und agiler sein müssen, um schnell auf potenzielle Störungen reagieren zu können. Über drei Viertel der Unternehmen wollen daher in den kommenden drei Jahren stärker in die Nachhaltigkeit ihrer Lieferketten investieren.

Zu diesem Ergebnis kommt die aktuelle Studie des Capgemini Research Institute „Fast forward Rethinking Supply Chain Resilience for a post-COVID-19 World“. 1000 Supply-Chain-Führungskräfte aus den Branchen Einzelhandel, Konsumgüter, diskrete Fertigung und Life Sciences aus China, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Indien, Italien, den Niederlanden, Norwegen, Schweden, Spanien und den USA wurden dazu befragt. 66 % planen, ihre Lieferkettenstrategie erheblich zu ändern, um sich an die neue Normalität anzupassen. Lediglich 14 % der Befragten erwarten die Rückkehr zu einem „Weiter wie bisher“.

Die Mehrheit der Unternehmen hatte im vergangenen Jahr mit Problemen in allen Bereichen ihrer Betriebsabläufe zu kämpfen. Darunter waren Engpässe bei kritischen Teilen und Materialien (74 %), verzögerte Lieferungen und längere Vorlaufzeiten (74 %), Schwierigkeiten bei der Anpassung der Produktionskapazität als Reaktion auf die schwankende Nachfrage (69 %) sowie Planungsunsicherheiten infolge einer schwankenden Kundennachfrage (68 %). Aus dem Bereich Life Science berichten nur 30 % der Befragten von negativen Auswirkungen der Krise auf ihre Geschäftstätigkeit, im Einzelhandel, Konsumgüterindustrie und diskreter Fertigung hingegen über 80 % der Unternehmen. Im Zuge der Krise bevorzugen 68 % der Verbraucher lokal hergestellte Produkte, bei 79 % beeinflussen Nachhaltigkeits-überlegungen die Kaufpräferenzen.

Die Capgemini-Studie zeigt auch, dass nur wenige Unternehmen auf potenzielle Störungen vorbereitet sind. 55 % der weltweit befragten und 51 % der deutschen Unternehmen haben im Jahr der Corona-Pandemie zwischen drei und sechs Monaten gebraucht, um sich von Lieferkettenunter-brechungen zu erholen. Weitere 13 % beziehungsweise 17 % rechnen mit sechs bzw. bis zu zwölf Monaten.

Die Benennung der Bereiche, in denen die wichtigsten und dringendsten Verbesserungen erforderlich sind, ist Voraussetzung für den Aufbau einer widerstandsfähigen Lieferkette. Ein wesentlicher Anteil der Unternehmen beschäftigt sich bereits mit den notwendigen Maßnahmen zum Aufbau von Kompetenzen und Fähigkeiten. Der Aufbau von Resilienz über die gesamte Produktpalette hinweg ist teuer, zeitaufwändig und selten praktikabel. Daher sollten Unternehmen die Bereiche identifizieren, in denen der Aufbau von Resilienz entscheidend ist und sich ein belastbares Ziel setzen, das für den gesamten Produktlebenszyklus gültig ist.

Unternehmen investieren weltweit zunehmend in Technologien, die Lieferketten autonomer und intelligenter machen. Dazu gehören Automatisierung, Robotik, Internet und künstliche Intelligenz. Investitionen in bestimmte Technologien, die für den Aufbau langfristiger Resilienz entscheidend sind, etwa Control Tower für umfassendere Transparenz oder digitale Zwillinge für die Notfallplanung, werden sich voraussichtlich langsamer beschleunigen als andere. Diese Lücken müssten sich laut der Studie schließen.

Die komplette Studie und eine Infografik können auf der Internetseite von Capgemini heruntergeladen werden.

Quellen: Märkte der Welt Nr. 2 vom 14. Januar 2021;
                 www.presseportal.de; Pressemitteilung vom 9. Dezember 2020;
                 www.capgemini.com

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