Zentralverband des
Deutschen Handwerks
30.06.2020

Afrika-Subsahara: Positive langfristige Wirtschaftsprognose

Drei von vier, in Afrika aktiven, deutschen Unternehmen sehen sich in ihrer Geschäftstätigkeit durch die Corona-Krise stark eingeschränkt. Viele engagieren sich dennoch weiterhin.

Drei von vier deutschen Unternehmen, die in Afrika aktiv sind, sehen sich in ihrer Geschäftstätigkeit durch die Corona-Krise stark eingeschränkt. Ein Viertel ist mit Problemen konfrontiert, die zu geringeren Einschränkungen führen. In einer Umfrage unter den Mitgliedern des Afrika-Vereins der deutschen Wirtschaft (AV) nennen die Unternehmen fehlende Reisemöglichkeiten und die aktuell mangelnde Präsenz vor Ort (51 %) sowie wirtschaftliche und finanzielle Schwierigkeiten afrikanischer Partner (36 %) als Haupthindernisse. Eine Reduzierung ihres Afrikaengagements zur Senkung von Kosten ist jedoch nur für 13 % der Firmen ein vorrangiges Thema.

Positiv sieht der AV, dass die Bundesregierung die Firmen über die DEG mit Liquidität unterstützt. Außerdem stellt er ein grundsätzlich unverändertes Interesse vieler Unternehmen an der Weiterführung ihres Engagements auf dem Kontinent fest. Sowohl Technologie- als auch Chemie-Konzerne haben ihre Produktion umgestellt und produzieren aktuell Produkte für den Gesundheitsbereich zur Bekämpfung der Pandemiefolgen. Deutsche Unternehmen aus dem Energiesektor kooperieren mit Akteuren aus dem Gesundheitsbereich und arbeiten gemeinsam an Test-Lösungen für Afrika im Kampf gegen Covid-19.

Südlich der Sahara sind Südafrika und Nigeria bislang am stärksten von der Pandemie betroffen. Nach einem durchschnittlichen Wirtschaftswachstum von 2,4 % im Jahr 2019 sorgt die aktuelle Krise für einen Rückschlag in Subsahara-Afrika. Neben der Pandemie sorgt der stark gefallene Ölpreis besonders in Nigeria und Angola für Einnahmeausfälle; 40 % der afrikanischen Exporte entfallen auf die Erdölindustrie. Nach Schätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) wird das Bruttoinlandsprodukt der vom Erdölexport abhängigen Länder in Subsahara 2020 mindestens um 2,8 % sinken. Die von Ölimporten abhängigen Länder Afrikas profitieren hingegen von den gefallenen Rohölpreisen.

Als weitere wichtige Einnahmequelle ist der Tourismus nicht nur in Südafrika vorerst praktisch zum Erliegen gekommen. Nach Schätzungen der Weltbank könnten die Folgen der Pandemie und der Ölpreisverfall in diesem Jahr zu Mindereinnahmen zwischen 35 und 75 Mrd. EUR in der Region führen. Dabei sind die einzelnen Länder, Regionen und Branchen unterschiedlich stark betroffen. Einzelne Lieferketten sind unterbrochen, viele Unternehmen leiden unter rückläufiger Nachfrage aus Absatzländern in Europa, Amerika und Asien. Aber milliardenschwere Hilfsprogramme der Regierungen sowie internationaler Geldgeber sind auf den Weg gebracht. So sorgt die Pandemie insgesamt für eine gefährliche Mischung von Problemen, aber für das Jahr 2021 prognostizieren Weltbank und IWF eine Erholung der Wirtschaft Afrikas.

Quellen: Nachrichten für Außenhandel vom 19. und 27. Mai 2020;
                www.afrikaverein.de, Pressemitteilung vom 25. Mai 2020

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