Zentralverband des
Deutschen Handwerks
08.09.2021

"Fit für 55-Paket": Nachhaltigkeitswende braucht starkes Handwerk

Mit dem "Fit für 55-Paket" soll in den Ländern der EU bis 2050 Klimaneutralität erreicht werden.

Im Rahmen des Green Deal hat die EU-Kommission am 14. Juli ihr „Fit für 55-Paket“ vorgelegt. Es soll dazu beitragen, dass in den Ländern der Europäischen Union bis 2050 Klimaneutralität erreicht wird, Emissionen sollen bis 2030 um mindestens 55 % reduziert werden. Das Paket umfasst zwölf klima- und energiepolitische Vorhaben, darunter die Überarbeitung der Richtlinien zur Energieeffizienz und zu erneuerbaren Energien sowie die Ausweitung des Emissionshandels auf den Mobilitäts- und Gebäudesektor.

Auf viele Handwerksbetriebe als Gestalter der Nachhaltigkeitswende kommen mit dem „Fit für 55-Paket“ in der jetzigen Ausgestaltung zusätzliche Herausforderungen und Kosten zu. Zur Umsetzung der energetischen Gebäudesanierung brauchen sie angemessene Rahmenbedingungen wie marktbasierte Instrumente, Abbau bürokratischer Lasten, Planungssicherheit und die Wahrung der Balance des energiepolitischen Dreiecks aus Versorgungssicherheit, Bezahlbarkeit und Ökologie. Aus Handwerkssicht sind die Vorschläge der Europäischen Kommission vor diesem Hintergrund nachzubessern, zum Beispiel hinsichtlich der für die Fachkräftesicherung notwendigen Bildungsangebote. Hier sollte weniger auf Zertifizierung gesetzt werden und stattdessen die duale Ausbildung weiter gestärkt werden. Bei der betrieblichen Einführung von Energieaudits müssen die besonderen Bedürfnisse der Handwerksbetriebe berücksichtigt und KMU-taugliche Instrumente zur Steigerung der Energieeffizienz gefördert werden. Im Rahmen der Gesetzgebungsverfahren sollten zudem die Wirkungen von Vorschriften auf Handwerksbetriebe belastbar untersucht und berücksichtigt werden. Die zur Jahresmitte veröffentlichten Folgenabschätzungen bedeuten für viele Handwerksbetriebe ein Mehr an Unsicherheit.

Im September beginnen die Verhandlungen über die Vorschläge der 27 Mitgliedstaaten für die Umsetzung von "Fit for 55". In Brüssel wird mit mehreren Jahren gerechnet, obwohl in der Klimakrise eines fehlt: Zeit. Zunächst müssen die EU-Länder eine gemeinsame Position für jeden Einzelvorschlag finden, in Steuerfragen ist sogar Einstimmigkeit nötig. Dann muss eine Einigung mit den EU-Abgeordneten erzielt werden, deren Klima-Ehrgeiz höher ist. Erst wenn Parlament und Kommission zustimmen, treten die Regeln in Kraft.

Quellen: www.sueddeutsche.de, Pressemitteilung vom 14. Juli 2021;
                  www.zdh.de, Pressemitteilung vom 14. Juli 2021;
                  www.consilium.europa.eu

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