Zentralverband des
Deutschen Handwerks
30.06.2020

Dramatischer Nachfragerückgang für exportorientierte Unternehmen

Die gestörten Güterströme und Lieferketten als Folge der Pandemie werden zu schweren wirtschaftlichen Schäden führen. Fast ein Viertel der exportorientierten Unternehmen ist betroffen.

Die Corona-Krise hinterlässt im Außenhandel beispiellose Spuren. Der Bundesverband Groß- und Außenhandel, Dienstleistungen (BGA) geht von einem zweistelligen prozentualen Rückgang in den kommenden Monaten aus. Die Folgen des Lockdowns von 50 Prozent der Weltwirtschaftsleistung, das Schließen von Grenzen besonders auch im europäischen Binnenmarkt, die weltweite Verhängung von Handels- und Reisebeschränkungen sowie massive Störungen in der See- und Luftfracht beginnen gerade erst, sich in der Statistik niederzuschlagen. So sanken die deutschen Exporte im April gegenüber dem Vorjahresmonat um über 31 Prozent, die Importe um gut 21 Prozent. Der Exporteinbruch war der größte Rückgang im monatlichen Jahresvergleich seit Beginn der statistischen Aufzeichnungen vor 70 Jahren.

Die Störungen oder gar Unterbrechungen der Güterströme und Lieferketten werden zu schweren wirtschaftlichen Schäden führen. Fast ein Viertel der exportorientierten Unternehmen litt im zweiten Quartal unter fehlenden Waren und Dienstleistungen in der Wertschöpfungskette sowie unter logistischen Engpässen. Als Reaktion sucht bereits fast ein Fünftel der Industriebetriebe und Großhändler aktiv nach neuen Lieferanten - überwiegend in Deutschland und anderen Ländern der EU. Daher ist mit einer stärkeren Regionalisierung und Europäisierung von Lieferketten zu rechnen.

Laut einer Analyse des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW) kündigt sich ein weiterer besorgniserregenderer Schock für den Welthandel durch einen starken Rückgang der globalen Nachfrage an. Das zeigt sich beispielhaft an Südkorea, das im April einen Rückgang der Warenexporte um minus 24 Prozent verzeichnete, obwohl das Land nur eine sehr geringe Anzahl von Neuinfektionen und im ersten Quartal 2020 nur eine minimale Exportreduktion aufwies. Das bedeutet, dass die Rückgänge dort auf eine stark gesunkene internationale Nachfrage zurückzuführen sind.

Quellen: Nachrichten für Außenhandel Nr. 98 vom 22. Mai 2020;
                Pressemitteilung BGA vom 8. Mai 2020;
                Pressemittelung DIHK vom 20. Mai 2020;
                Pressemitteilung Statistisches Bundesamt vom 9. Juni 2020

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