Soll für Neuwagen ein digitaler Tachograph angeschafft werden?

Beim Erwerb von Neuwagen stellt sich für Handwerksunternehmen regelmäßig die Frage, ob ein digitaler Tachograph mit erworben oder sogar ein bereits eingebauter Tachograph ausgebaut werden soll, weil das Unternehmen sich auf die Ausnahmen gemäß § 1 (2) oder § 18 FPersV (z.B. Handwerkerregelung) berufen kann.  

Diese Entscheidung kann erhebliche finanzielle und arbeitsorganisatorische Folgen haben. Hierbei sind auch verschiedene technische und rechtliche Aspekte zu berücksichtigen und die Beratung der Werkstätten des Kraftfahrzeughandwerks und der lokalen Handwerks­organisationen zu nutzen.  

Bei Fahrzeugen über 3,5 Tonnen (mit Einsatz im Bereich der Ausnahmeregelungen):  

Vorteil bei Verzicht auf Einbau: Der Verzicht auf einen Einbau erspart zunächst Kosten von einigen Hundert Euro. Außerdem können keine Wartungspflichten für einen (nicht ge­nutzten) Tachographen anfallen. Bei Kontrollbeamten können zudem keine Irritationen entstehen, wenn ein Tachograph eingebaut ist, aber nicht benutzt wird.  

Vorteil eines Einbaus (bzw. des Kaufs eines Fahrzeugs mit Tachograph): Sollte während der Nutzungsdauer des Fahrzeugs – entgegen ursprünglicher Absichten – doch zur Auftragserbringung die Grenze von 50 km überschritten werden, wird die Nachrüstung mit einem Tacho­graphen notwendig, was technisch aufwendig und erheblich teurer ist als der Erwerb bei der Neuanschaffung (ggf. mehr als doppelt so teuer).  

Weiterer Vorteil eines Einbaus: Bei größeren Fuhrparks ist der digitale Tachograph auch in Verbindung mit anderen Systemen zur Optimierung des Fuhrparkmanagements nutzbar.  

Weiterer Vorteil eines Einbaus: Mit eingebautem Tachograph erhöht sich der Wiederverkaufswert des Fahrzeugs, da ein Großteil der (nichthandwerklichen) Nutzergruppen auf Tachographen angewiesen ist.    

Bei Fahrzeugen unter 3,5 Tonnen (im Bereich der Ausnahmeregelungen):  

Vorteil bei Verzicht auf Einbau: Wenn ein digitaler Tachograph eingebaut ist, muss dieser auch bei Fahrzeugen unter 3,5 Tonnen als Nachweisgerät genutzt werden, wenn das Fahrzeug nicht mehr unter die Ausnahmebestimmungen fällt (z.B. bei Einsatz eines hauptberuflichen Fahrers). Die Möglichkeit der Nutzung von Tageskontrollblättern entfällt dann.  

Vorteil eines Einbaus: Im Bedarfsfall können auch Beförderungen durchgeführt werden, bei denen die Ausnahmeregeln nicht greifen (Wenn bei einem Fahrzeug unter 3,5 Tonnen ein Anhänger genutzt und die 50 Kilometergrenze überschritten wird, ent­steht selbst bei einer einmalige Fahrt die Pflicht zur Nutzung eines Tachographens!).

Dr. Carsten Benke

Referatsleiter
benke(at)zdh.de
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Zuständigkeiten:
Öffentliches Auftragswesen, Regional- und Strukturpolitik, Infrastrukturpolitik ( Verkehr, Telekommunikation), Stadtentwicklung, Ländlicher Raum, Bau- und Wohnungswesen, Elektromobilität

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