Beteiligungsfinanzierung

War Leasing in den 90iger Jahren eine Finanzierungsform mit einem zweifelhaften Image / Ruf, so lässt sich dies heutzutage von der Beteiligungsfinanzierung sagen; zu Unrecht!
 
Beteiligungsfinanzierungen erhalten durch die sich verändernden Rahmen­bedingungen der Unternehmensfinanzierung zwangsläufig auch eine höhere Bedeutung für die Handwerksunternehmen. Je restriktiver bzw. teurer die Kreditfi­nanzierung durch die Geschäftsbanken wird, um so interessanter und wichti­ger wird auch die Beteiligungs­finanzierung.
Maßgebliche Ursache für die bisher geringe Nutzung der Beteiligungsfinanzie­rung im Handwerk sind:

  • eine vielfach zu beobachtende Skepsis der Betriebsinhaber gegenüber der Hereinnahme von Partnern, die damit potenziell auch unternehmerische
    Mitspracherechte einfordern könnten
  • die von Beteiligungsgesellschaften, zumindest denjenigen, die im Ven­ture-Capital-Bereich tätig sind, erwarteten Beteiligungsrenditen, die von Handwerksbetrieben eher selten darstellbar sind
  • die Rechtsform der Handwerksunternehmen, die zum überwiegenden Teil als Personengesellschaften organisiert sind. Dies erschwert die Konstruktion von Beteiligungsformen, die auch von Beteiligungsfonds genutzt werden können. Zudem ist bei Personengesellschaften die Exit-Option, also die Möglichkeit einer vorzeitigen Veräußerung der Beteiligung, für den Beteiligungsgeber erschwert, da eine Bewertung der Beteiligung sowie die Fungibilität derselben unter Umständen nicht möglich oder gegeben ist
  • die Höhe der für Handwerksbetriebe in der Regel in Rede stehenden Beteiligung, die für private Venture-Capital-Gesellschaften zumeist zu klein ist (schon alleine wegen des Verhältnisses zwischen Beteiligungsertrag und Verwal­tungsaufwand)
    Erschwerend kommt hinzu, dass Beteiligungen zumeist an konkrete Investitionsprojekte gebunden sind; zur allgemeinen Verbesserung der Finanzierungsstruktur, also des bereits vorhandenen Vermögens können sie daher nicht eingesetzt wer­den.
    Doch Beteiligungsfinanzierungen bieten auch eine Reihe von Vorteilen für ein Unternehmen:
  • durch Hereinnahme einer Beteiligung kann die Eigenkapitalbasis des Unternehmens langfristig gestärkt werden, trotz Investition verbessert sich die Finanzierungsstruktur und damit auch die Bonität des Unternehmens und eröffnet somit bessere Finanzierungsmöglichkeiten für zukünftig erforderliches Kapital
  • bei der Finanzierung durch eine Beteiligung werden keine Sicherheiten gebunden; diese bleiben dem Unternehmen also weiterhin zur freien Verfügung und können zur Besicherung von Krediten genutzt werden
  • im Rahmen einer stillen Beteiligung besteht seitens der Beteiligungsgesellschaft auch keinerlei Einfluss auf die Geschäftsführung des Unternehmens.

Mittelständische Beteiligungsgesellschaften (MBG) sind eine für viele Mittelständler nutzbare Alternative zu den Venture-Capital-Gesellschaften in Sachen Unter­nehmensbeteiligungen. Die Beteiligungsgesellschaften stellen als typisch stiller Gesellschafter Kapital ab 50.000,- € bis zu maximal 1 Mio. € zur Verfügung. Die Laufzeit für die Beteiligungen beträgt in der Regel 15 Jahre; die Rückzahlung des Kapitals erfolgt dann zum Nominalwert. Voraussetzung für den Erhalt einer Beteiligungsfinanzierung über die MBG ist neben einer stabilen Hausbankverbindung und einem funktionierenden Rechnungswesen die sogenannte Eigenkapitalparität. Das heißt, dass Beteiligungskapital nur bis zu maximal der Höhe ausgereicht wird, in der bereits Eigenkapital vorhanden ist.

Die Gesellschaften sind in erster Linie nicht renditeorientiert und werden ähnlich den Bürgschaftsinstituten öffentlich gefördert. Zudem sind sie nicht einzig auf die Beteiligung selbst hin orientiert, sondern flankieren ihr Beteiligungsangebot mit umfassender Beratung des potenziellen Beteiligungsnehmers, z.B. durch Bereitstellung einer Controlling-Software oder durch Spezialisten für Fragen zur Ertrags- und Kostenplanung.

Kosten für den Unternehmer entstehen durch das Beteiligungsentgelt, das sich in eine feste und eine erfolgsabhängige Komponente gliedert und um die 12% p.a. beträgt, sowie eine Gebühr in Höhe von 1% der Beteiligungssumme und einem Haftungsfondsbeitrag in gleicher Höhe.

Finanzierungsbeispiel für eine stille Beteiligung finden Sie hier.

Nützliche Links zu diesem Thema:
Mittelständische Beteiligungsgesellschaft Baden-Württemberg (MBG)