30.11.2015

Einkommensteuer - Steuerermäßigung bei Handwerkerleistung, FG München

Mit Urteil vom 23. Februar 2015 (7 K 1242713) hat das Finanzgericht München Arbeitskosten eines Schreiners in dessen Werkstatt im Zusammenhang mit dem Austausch einer Haustür als Handwerkerleistung im Sinne des § 35a EStG anerkannt.

Sachverhalt
Der Kläger hatte im Jahr 2012 20 Prozent der in der Rechnung einer Schreinerei vom 24. April 2012 ausgewiesenen Arbeitskosten von 2.200,44 Euro (also einen Betrag in Höhe von 467 Euro) für die Herstellung, Lieferung und Montage einer Haustür als Handwerkerleistung im Sinne des § 35a EStG geltend gemacht. Das Finanzamt hatte die im Jahr 2012 geltend gemachten Handwerkerleistungen im Zusammenhang mit der Rechnung der Schreinerei berücksichtigt. Im Klageverfahren beantragte das Finanzamt u. a. die Rückgängigmachung der anerkannten Steuerermäßigung nach 35 a EStG, da in dem angefochtenen Einkommensteuerbescheid für das Jahr 2012 versehentlich die Arbeitskosten laut Rechnung der Schreiner vom 24. April 2012 als Handwerkerleistung anerkannt worden seien, obgleich die Fertigung der Haustür wegen der dazu notwendigen Maschinen mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit in der Schreinerwerkstatt und nicht im Haushalt des Steuerpflichtigen erfolgt seien und die Steuerermäßigung hinsichtlich der Lohnkosten daher nicht hätte gewährt werden dürfen.

Entscheidungsgründe
Das FG München gab der Klage aus anderen Gründen statt. Die hilfsweise beantragte Rückgängigmachung der anerkannten Steuerermäßigung lehnte es hingegen ab. Nach den vom BFH aufgestellten Grundsätzen handele es sich bei den geltend gemachten Arbeitskosten um Handwerkerleistungen im Sinne des § 35a Abs. 4 EStG. Der Austausch der renovierungsbedürftigen Haustür des Klägers stelle eine begünstigte Renovierungsmaßnahme in diesem Sinne dar. Es handele sich dabei um Leistungen, die in unmittelbarem Zusammenhang zum Haushalt durchgeführt werden und der zu eigenen Wohnzwecken genutzten Wohnung des Klägers dienen.

Praxistip
Mit diesem Urteil werden erstmalig auch solche Handwerkerleistungen, die im Handwerksbetrieb selbst durchgeführt werden, begünstigt. Folgt man dieser Rechtsprechung müssten zukünftig auch die Kosten von im Handwerksbetrieb vorgenommenen Reparaturen von Haushaltsgeräten (z.B. Waschmaschine, Spülmaschine) steuerlich absetzbar sein. Ebenso müsste dann auch für die Anfertigung von Küchen und Möbeln sowie die Aufarbeitung von Fenstern im Handwerksbetrieb die Steuerermäßigung für Handwerkerleistungen gelten. Inwieweit dies einer höchstrichterlichen Rechtsprechung standhält, bleibt jedoch abzuwarten. Weiterhin nicht absetzbar dürften die Arbeiten z. B. der Zweirad- und Automechaniker sein, da hier m.E. der unmittelbar Zusammenhang zum Haushalt des Steuerpflichtigen fehlt.

Luisa Luft