21.01.2015

Einkommensteuer - BMF-Schreiben zur steuerlichen Behandlung von Reisekosten bei der Gewinnermittlung

Unter Berücksichtigung der Reform des steuerlichen Reisekostenrechts zum 1. Januar 2014 hat das Bundesministerium für Finanzen (BMF) am 23. Dezember 2014 zur ertragsteuerlichen Beurteilung von Aufwendungen für Fahrten zwischen Wohnung und Betriebsstätte und von Reisekosten und die Anwendung bei der Gewinnermittlung Stellung genommen.

Das BMF-Schreiben enthält Aussagen zu folgenden Punkten:

A)     Aufwendungen für Wege zwischen Wohnung und Betriebsstätte

  • Begriffsbestimmung Betriebsstätte

Unter Betriebsstätte ist die von der Wohnung getrennte dauerhafte Tätigkeitsstätte des Steuerpflichtigen zu verstehen, d.h. eine ortsfeste betriebliche Einrichtung des Steuerpflichtigen, des Auftraggebers oder eines vom Auftraggeber bestimmten Dritten an der oder von der aus die steuerlich relevante Tätigkeit dauerhaft ausgeübt wird. Dauerhaftigkeit liegt vor, wenn die steuerlich erhebliche Tätigkeit an einer Tätigkeitsstätte unbefristet, für eine Dauer  von voraussichtlich mehr als 48 Monaten oder für die gesamte Dauer der betrieblichen Tätigkeit ausgeübt werden soll. Ein häusliches Arbeitszimmer ist keine Betriebsstätte in diesem Sinne.

  • Erste Betriebsstätte

Übt der Steuerpflichtige seine Tätigkeit an mehreren Betriebsstätten aus, ist die erste Betriebsstätte anhand quantitativer Merkmale zu bestimmen. So ist erste Betriebsstätte die Tätigkeitsstätte, an der Steuerpflichtige dazu dauerhaft typischerweise arbeitstäglich oder je Woche an zwei vollen Arbeitstagen oder mindestens zu einem Drittel seiner regelmäßigen Arbeitszeit tätig werden will.

  • Wechselnde Betriebsstätten

Eine Tätigkeitsstätte muss nicht Betriebsstätte sein. Wird der Steuerpflichtige typischerweise nur an ständig wechselnden Tätigkeitsstätten, die keine Betriebsstätten sind, oder an einer nicht ortsfesten betrieblichen Einrichtung (Fahrzeug, Flugzeug, Schiff) betrieblich tätig, sind die Aufwendungen für die Fahrten zwischen Wohnung und Tätigkeitsstätte grundsätzlich unbeschränkt abziehbar.

B)      Reisekosten

Reisekosten sind Fahrtkosten, Mehraufwendungen für Verpflegung, Übernachtungskosten und Reisenebenkosten. Die steuerliche Berücksichtigung der Fahrtkosten bleibt unverändert.

  • Verpflegungsmehraufwendungen

Mehraufwendungen für Verpflegung sind nur dann als Betriebsausgaben abziehbar, wenn der Steuerpflichtige vorübergehend von seiner Wohnung und dem Mittelpunkt seiner dauerhaft angelegten betrieblichen Tätigkeit entfernt betrieblich tätig wird. Mittelpunkt ist die erste Tätigkeitsstätte. Die Höhe der Verpflegungspauschale richtet sich nach den auch für Arbeitnehmer geltenden Grundsätzen:

  • bei einer Abwesenheit von mehr als 8 Stunden werden 12 Euro angesetzt,
  • bei mehrtägigen Reisen werden für den An- und Abreisetag jeweils 12 Euro und für den Zwischentag mit einer 24-stündigen Abwesenheit 24 Euro angesetzt.
  • Dreimonatsfrist

Der Abzug der Verpflegungsmehraufwendungen ist auf die ersten drei Monate einer längerfristigen beruflichen Tätigkeit an derselben Tätigkeitsstätte beschränkt.

  • Kürzungsbeträge bei Gesamtpreis für Unterkunft und Verpflegung

Wird durch Zahlungsbelege nur ein Gesamtpreis für Unterkunft und Verpflegung oder neben der Beherbergungsleistung nur ein Sammelposten für Nebenleistungen einschließlich Verpflegung nachgewiesen und lässt sich der Preis für die Verpflegung deshalb nicht feststellen, so ist dieser Gesamtpreis zur Ermittlung der Übernachtungs- oder Reisenebenkosten zu kürzen. Als Kürzungsbeträge sind dabei:

  • für Frühstück 20 %,
  • für Mittag- und Abendessen jeweils 40 %

der für den Unterkunftsort maßgebenden Verpflegungspauschale bei einer Auswärtstätigkeit mit einer Abwesenheitsdauer von 24 Stunden anzusetzen. Die Verpflegungspauschale ist nicht zu kürzen, wenn von dritter Seite Mahlzeiten unentgeltlich oder verbilligt zur Verfügung gestellt werden oder wenn der Steuerpflichtige anlässlich einer betrieblich veranlassten Reise Bewirtungsaufwendungen trägt.

Luisa Luft