01.02.2016

Das Umsatzsteuerkarussell – ein alltägliches Phänomen!

Umsatzsteuerbetrug kostet den europäischen Steuerzahler jährlich mehrere Milliarden Euro. Hier gilt es, mit allen Mitteln diesem kriminellen Handeln ein Ende zu setzen. Dieser beklagenswerte Umstand soll aber nicht Gegenstand dieser Betrachtung sein.

Vielmehr ist gemeint, dass jedem Unternehmer sich sprichwörtlich "alles im Kopfe dreht", wenn er über die zutreffende steuerliche Behandlung seiner Umsätze grübelt. Bereits vermeintlich einfache Sachverhalte verheddern sich schnell im Gestrüpp der Vorschriften, wenn es um die Bestimmung des Leistungsorts (gerade bei Umsätzen über die Grenze hinweg), um die Frage des Steuerschuldners in Fällen des Reverse-Charge-Verfahrens, um den zutreffenden Steuersatz sowie um die notwendigen Angaben auf der Rechnung geht. So wird aus einem vermeintlichen Routinefall rasch ein Fall für den spezialisierten Berater. Die Regelungen des Umsatzsteuergesetzes sind vertrackt – es braucht allein acht (!) Paragraphen für die Bestimmung des Ortes der Leistung. Zusammen mit den Vorschriften der Durchführungsverordnung, des Anwendungserlasses und weiterer einschlägiger Verwaltungsanweisungen ein kaum zu überblickendes Regelwerk. Kein Tag vergeht, an dem wir in der Geschäftsstelle des ZDH nicht mit solchen Fragen konfrontiert werden.

Leider werden diese Punkte in der Hektik des Alltagsgeschäfts jedoch viel zu oft übersehen oder es fallen die neuralgischen Punkte erst auf, wenn es zu spät ist. Denn noch immer genießt die Umsatzsteuer den völlig verfehlten Ruf einer "Buchhaltersteuer". Alles halb so schlimm – 19 Prozent auf Alles (außer Tiernahrung!) und fertig. Das dicke Ende kommt dann erst nach Jahren in der Betriebsprüfung. Schnell können sich Fehler selbst bei kleinen Betrieben zu etlichen Tausend Euro summieren – plus Nachzahlungszinsen gerät man dann schnell ein weiteres Mal ins Rotieren!

Es bedarf einer spürbaren Vereinfachung! Neben einer anwenderfreundlichen Gestaltung des Gesetzes, der Anpassung an die Vorgaben des Europarechts und der Überprüfung des Katalogs der ermäßigten Steuersätze sollte vor allem die praxisgerechte Ausgestaltung aller Bestimmungen auf den Prüfstand.

Derzeit arbeitet das Bundesministerium der Finanzen an einer Neuordnung des umsatzsteuerlichen Reihengeschäfts. Eine Chance, einige der vorgenannten Punkte umzusetzen. Reihengeschäfte liegen vor, wenn mehrere Unternehmer über denselben Gegenstand Umsatzgeschäfte abschließen und die einzelnen Leistungen dadurch erbracht werden, dass der Gegenstand unmittelbar vom ersten Lieferer an den letzten Abnehmer befördert oder versendet wird. Hierbei wird nur eine der Lieferungen als sog. bewegte Lieferung betrachtet, die anderen als unbewegte Lieferungen angesehen. Diese Unterscheidung ist für die Zuordnung der steuerfreien innergemeinschaftlichen Lieferung und für die Bestimmung des Leitungsorts zentral. Bei Reihengeschäften ins EU-Ausland kommt nämlich nur für die bewegte Lieferung eine Steuerbefreiung nach § 4 UStG in Betracht. Die derzeitige Handhabung zur Bestimmung der bewegten Lieferung durch die Finanzverwaltung wurde durch die Rechtsprechung beanstandet und ist in der Praxis in vielen Fällen kaum handhabbar.

Der ZDH wird daher gemeinsam mit anderen Spitzenverbänden der deutschen gewerblichen Wirtschaft einen mit der Praxis abgestimmten Vorschlag im anstehenden Gesetzgebungsverfahren unterbreiten, der in vielen Fällen zu einer deutlichen Vereinfachung führen würde. Auch arbeiten wir an Vorschlägen zur Reform der umsatzsteuerlichen Organschaft. Im Handwerk hat diese im Rahmen der sog. ertragsteuerlichen Betriebsaufspaltung eine hohe Bedeutung und macht häufig Probleme. Auch hier werden wir mit Lösungsvorschlägen aus der Praxis dem Ministerium als Ansprechpartner zur Verfügung stehen.

Erfolgreiche Verbandsarbeit heißt auch, im Interesse der Mitglieder mit Vorschlägen aus der Praxis und für die Praxis uns allen das Leben etwas leichter zu machen. Damit das Karussellfahren auf die nächste Kirmes beschränkt bleibt!

Wir wünschen Ihnen eine erfolgreiche Woche!
Ihr ZDH-Steuerteam