19.08.2010

Sicherung des Bedarfes an Fachkräften

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Aktuelle Entwicklungen

Der deutsche Arbeitsmarkt ist weiterhin in bemerkenswert guter Verfassung. Auf der einen Seite bewegt sich die Arbeitslosigkeit mit aktuell unter 3 Millionen Arbeitslosen auf niedrigem Niveau. Auf der anderen Seite nimmt die Zahl der Erwerbstätigen kontinuierlich zu und beläuft sich mittlerweile auf über 41 Millionen. Gleichzeitig fehlen in immer mehr Branchen und Regionen schon jetzt qualifizierte Fachkräfte. Diese Entwicklung spürt auch das Handwerk immer stärker. Laut einer Umfrage des ZDH geben rund 40 Prozent aller Handwerksbetriebe an, Probleme bei der Besetzung offener Stellen zu haben. Angesichts des demographischen Wandels, der dazu führen wird, dass bis 2025 dem Arbeitsmarkt über 6 Millionen Arbeitskräfte weniger zur Verfügung stehen werden, wird die Fachkräftesicherung zu einer zentralen Herausforderung für alle Unternehmen, insbesondere aber für die kleinen Betriebe des Handwerks.

Was ist zu tun?

  • Ausschöpfung des inländischen Erwerbspersonenpotenzials

Zukünftig muss es noch besser gelingen, möglichst viele Personen für den Arbeitsmarkt zu qualifizieren. Erste Voraussetzung hierfür ist eine solide schulische Ausbildung, in der frühzeitig wirtschaftsrelevantes Wissen vermittelt und die Berufsorientierung bzw. Berufsberatung der Schüler deutlich intensiviert wird. Im zunehmenden "Wettbewerb um die besten Talente" ist das Handwerk aufgerufen, frühzeitig Schüler und Jugendliche auf die Berufsmöglichkeiten und Karrierechancen im Handwerk hinzuweisen. Zu den zahlreichen Initiativen des Handwerks in diesem Bereich wird verwiesen auf die Rubrik Fachkräftesicherung unter http://www.zdh.de/themen/bildung/fachkraeftesicherung.html.

Auf der anderen Seite gilt es, Ältere länger im Erwerbsleben zu halten. Insbesondere dem Abbau von Frühverrentungsanreizen und der Erhöhung des Renteneintrittsalters auf perspektivisch 67 Jahren ist es zu verdanken, dass die Erwerbstätigenquote Älterer deutlich gestiegen ist. Dieser erfreuliche Trend muss fortgesetzt werden. Jüngste rentenpolitische Entscheidungen der Bundesregierung, wie die Einführung einer abschlagsfreien Rente mit 63 Jahren nach 45 Beitragsjahren, gehen dagegen in die falsche Richtung.

Darüber hinaus muss die Aktivierung von Erwerbspersonen für den Arbeitsmarkt intensiviert werden. So sind weitere Maßnahmen zum Abbau der Arbeitslosigkeit insbesondere mit Blick auf Langzeitarbeitslose zu ergreifen. Die arbeitsmarktpolitischen Erfahrungen der vergangenen Jahre haben dabei gezeigt, dass Maßnahmen öffentlich geförderter Beschäftigung, wie insbesondere Ein-Euro-Jobs, nicht geeignet sind, Langzeitarbeitslose wieder an den ersten Arbeitsmarkt heranzuführen. Im Gegenteil wirken sie sich negativ auf die Integrationschancen Langzeitarbeitsloser aus und führen durch die häufige Ausführung handwerklicher Tätigkeiten von Maßnahmeteilnehmer oft zu Wettbewerbsverzerrungen zulasten von Handwerksbetrieben. Das Handwerk fordert deshalb die Bundesregierung auf, die begonnene Abkehr von öffentlich geförderten Beschäftigungsmaßnahmen und den von der Bundesagentur für Arbeit erfolgreich eingeschlagenen Weg hin zu einer verstärkten individuellen Betreuung, Beratung und Vermittlung von Langzeitarbeitslosen, konsequent fortzusetzen.

Gleiches gilt für Maßnahmen zur verstärkten Integration von Menschen mit Migrationshintergrund in den deutschen Arbeitsmarkt. Mit einem überproportional hohen Anteil von jungen Migranten in der Ausbildung leistet das Handwerk hierzu schon jetzt einen erheblichen Beitrag. Bund, Länder und Kommunen sind aufgefordert, insbesondere durch eine intensivierte Förderung von Deutschkenntnissen und einer verbesserten schulischen Ausbildung von jungen Migranten deren Chancen für eine Aufnahme einer Ausbildung und Beschäftigung weiter zu verbessern.

  • Schaffung einer Willkommenskultur für Zuwanderer

Parallel zu den oben beschriebenen Maßnahmen zur Ausschöpfung des inländischen Erwerbspersonenpotenzials ist es angesichts der demographischen Entwicklung unabdingbar, dass zukünftig verstärkt ausländische Fachkräfte für den deutschen Arbeitsmarkt gewonnen werden. Tatsächlich bewirkt die gute Arbeitsmarktentwicklung in Deutschlang schon jetzt, dass die Zahl ausländischer Erwerbstätiger, vor allem aus den südeuropäischen EU-Mitgliedsstaaten, deutlich angestiegen ist. Zu dieser Entwicklung tragen auch die Aktivitäten des Handwerks bei. In den vergangenen Jahren haben zahlreiche Handwerksorganisationen Projekte insbesondere zur Gewinnung südeuropäischer Jugendlicher für eine Ausbildung im Handwerk gestartet. Dieses Engagement des Handwerks bedarf aber einer Flankierung durch langfristig angelegte staatliche Unterstützungsleistungen. Insoweit begrüßt das Handwerk den jüngsten Beschluss der Bundesregierung zur Neukonzipierung und Sicherung der finanziellen Ausstattung des entsprechenden Förderprogramms MobiPro-EU.