02.11.2017

Familie und Handwerk

Wertschätzung und Anerkennung gebührt auch denjenigen, die berufliche und familiäre Pflichten miteinander vereinen. Sie finden ihren Ausdruck in  familienfreundlichen Arbeitsbedingungen, die die Erwerbsbeteiligung von Erziehungsverantwortlichen stärken und sie für die Fachkräftesicherung erschließen. 

Wo steht das Handwerk?
Das Handwerk ist seit jeher familienorientiert: Über drei Viertel aller Betriebe sind Familienbe­triebe, die von einem Ehepaar geleitet und in denen oft auch die eigenen Kinder ausgebildet und beschäftigt werden. Die kleinen und mittleren Betriebe des Handwerks sind häufig familienfreundliche Arbeitgeber, ohne dies besonders herauszustellen. Sie unterhalten zwar keine speziellen Einrichtungen wie die Mittagskantine für ihre Beschäftigten oder einen Betriebskindergarten für deren Kinder, wie es in manchen großen Unternehmen der Fall ist. Ihr Vorteil liegt jedoch darin, dass sie aufgrund der geringen Betriebsgröße individuell auf die einzelnen Bedürfnisse der Beschäftigten eingehen können.

Oftmals leben in den zahlreichen Familienbetrieben des Handwerks die Betriebsinhaber mit ihren mitarbeitenden Ehegatten und Kindern die Vereinbarkeit von Familie und Arbeitswelt vor. Sie wissen um die Sorgen und Nöte junger Familien und sind besonders kreativ bei der Suche nach Lösungen für die unterschiedlichen Problemsituationen von Müttern und Vätern.

Was ist zu tun?

Ausbau der Kinderbetreuungsangebote

Es ist ein grundsätzlich richtiger Weg, für Kinder unter 3 Jahren die professionelle Betreuung in Krippen und von Tagesmüttern auszubauen. Nur wenn ein ausreichendes Angebot von Kinderbetreuungsmöglichkeiten zur Verfügung steht, sind eine echte Wahlfreiheit der Eltern und eine Vereinbarkeit von Familie und Beruf möglich. 

Dazu gehört auch, dass die Öffnungszeiten von Krippen und Kindergärten stärker auf den Bedarf der Eltern eingestellt werden. Notwendig sind Ganztagsbetreuungsangebote – sowohl im Kindergarten wie in der Schule – , Betreuungsmöglichkeiten an Samstagen sowie während der Schulferienzeiten.

Weitere Flexibilisierungen im Arbeitsleben

Kleine und mittlere Unternehmen sind bislang die Vorreiter bei der freiwilligen Flexibilisierung der Arbeitszeit, ohne dass es hierfür gesetzlicher Vorgaben wie eines Rechtsanspruchs auf Teilzeitarbeit bedurfte. So beträgt die Teilzeitquote in kleinen Unternehmen in Westdeutschland laut IAB 30 %, in großen Betrieben dagegen nur 7 %.

Wo es möglich ist, sollten die Betriebe auf freiwilliger Basis – keinesfalls durch gesetzliche Vorgaben - Arbeitszeiten und Arbeitsformen flexibilisieren und damit familienfreundlicher gestalten (z.B. durch Teilzeit, Gleitzeit, Arbeitszeitkonten, Job-Sharing oder Telearbeit).  

Der ZDH wirbt für mehr Familienfreundlichkeit und weist immer wieder darauf hin, dass sich familienfreundliche Maßnahmen unter dem Strich für die Betriebe rechnen. Die Motivation und Leistungsbereitschaft der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wird erhöht, Fehlzeiten sinken und das Unternehmen kann leichter qualifiziertes Personal gewinnen und langfristig an den Betrieb binden. Damit steigt die Wettbewerbsfähigkeit der Handwerksbetriebe. 

 

 

Absehbare Lücken in der Infrastruktur bieten für das Handwerk zahlreiche Chancen...