19.08.2010

Infrastruktur

Viele ländliche und periphere Regionen, die schon in der Vergangenheit von Abwanderung  und Bevölkerungsrückgang betroffen waren, werden in der Zukunft vor enorme Probleme gestellt. So erwartet die Wissenschaft aufgrund des in Ostdeutschland früher einsetzenden demografischen Wandels zunächst für die dortigen peripheren Regionen entlang der Grenzen zu Mittel- und Osteuropa, aber auch für einige zwischen den Ballungsräumen gelegenen Gebiete nochmals erhebliche Bevölkerungsrückgänge.[1] Viele Regionen in den  alten Ländern werden von der Entwicklung erst später, aber ebenfalls betroffen sein. 

 

In vielen Fällen wird durch die  geringe Anzahl der Bürger in einzelnen Regionen die Aufrechterhaltung bestehende öffentliche Infrastrukturangebote erschwert. Während die Basisinfrastrukturen wie Trinkwasser, Straßenanbindungen und Telekommunikation in jedem Fall gesichert werden können und müssen, wird die Aufrechterhaltung  vieler technische Ver- und Entsorgungsstrukturen sehr erschwert und weitere eigentlich selbstverständliche Angebote des Staates (z.B. Bibliotheken; öffentlicher Nahverkehr) in Frage gestellt. Diese absehbaren Lücken in der Infrastruktur bieten für das Handwerk, das besonders in strukturschwachen ländlichen Regionen ein wichtiger stabilisierender Wirtschaftsfaktor ist, auch Chancen durch die Übernahme dezentraler Versorgungsstrukturen: 

 

Energieversorgung:

 

Mit Hilfe technischer Innovationen wie Blockheizkraftwerken und in Zukunft Brennstoffzellen kann die netzunabhängige Energieversorgung in Einzel- und Gemeinschaftslösungen erfolgen und ein hohes Maß an Autarkie der Haushalte in dünn besiedelten Regionen erreicht werden. Darüber hinaus kann die verstärkte Nutzung erneuerbarer Energien zu einem hohen Grad an Energieabdeckung beitragen. Dabei geht es nicht nur um die Errichtung entsprechender Anlagen des Handwerks, sondern auch um den Betrieb. Marktpotenziale können sich aber auch im Bereich der dezentralen Wasserversorgung, Abwasserentsorgung, alternativer Wärmeangebote und dezentraler Stromerzeugung ergeben. 

 

Übernahme von Dienstleistungsangeboten:

 

Für Handwerksbetriebe ergeben sich zusätzliche Marktpotenziale in dünn besiedelten Regionen auch durch die Übernahme dezentraler Dienstleistungsfunktionen, bspw. im Bereich von Post-, Bank- und Versicherungsdienstleistungen. Für die Lebensmittelgewerke kann sich auch Catering zu einem noch stärkeren Marktfeld entwickeln.

 

Aufrechterhaltung und Bau von Infrastruktur:

 

Langfristige Wartungs- und Betriebsverträge z.B. im Bereich von Straßen, Gebäuden und Beleuchtung können Kommunen und Kreise davon befreien, eigene personalintensive und kostenträchtige Strukturen vorhalten zu müssen und Marktpotenziale für die Privatwirtschaft ergeben. Allerdings ist dazu zum einen die stärkere Bereitschaft von Kommunen erforderlich, Aufgaben in die Privatwirtschaft zu verlagern, zum anderen sind Modelle von Public Private Partnership zu entwickeln, die auch für kleine und mittlere Unternehmen geeignet sind.

 


[1] IWH / TU Dresden / Ifo Dresden (2006), S. 15f.