Handwerk - immaterielles Kulturerbe

Im Dezember 2016 wurden 34 neue Ausdrucksformen des Immateriellen Kulturerbes in das Bundesweite Verzeichnis der Deutschen UNESCO Kommission aufgenommen.

34 Kulturformen neu ins deutsche Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen

Fast ein Viertel der neu aufgenommenen Kulturformen betreffen handwerkliche Techniken und handwerkliches Können:

  • Flechthandwerk
  • Mal-, Fass- und Vergoldetechniken der Kirchenmalerei
  • Spitzenklöppeln im Oberpfälzer Wald
  • Porzellanmalerei
  • Zubereitung und Anwendung von traditionellem Kalkmörtel
  • Hessischer Kratzputz
  • Blaudruck
  • Töpfertradition Westerwälder Steinzeug in und um Höhr-Grenzhausen (Kannenbäckerland) sowie Breitscheid

Mit dem Blaudruck wird seitens der Bundesrepublik Deutschland 2017 eine Ausdrucksform aus dem Bereich des Handwerks für die internationale Repräsentative Liste der UNESCO nominiert.

Seit 2003 unterstützt die UNESCO den Schutz, die Dokumentation und den Erhalt von Kulturformen, die von Generation zu Generation weitergegeben werden. Mehr als 400 Bräuche, Darstellungskünste, Handwerkstechniken und Naturwissen aus aller Welt stehen derzeit auf den drei UNESCO-Listen, darunter die Genossenschaftsidee- und praxis aus Deutschland, die arabische Kaffeekultur und der Tanz zur königlichen Trommel in Burundi. Bis heute sind 171 Staaten der UNESCO-Konvention zum immateriellen Kulturerbe beigetreten. Deutschland ist seit 2013 Vertragsstaat.

Nach der UNESCO Konvention zur Erhaltung des immateriellen Kulturerbes sind unter immateriellem Kulturerbe "Bräuche, Darstellungen, Ausdrucksformen, Wissen und Fertigkeiten - sowie die dazu gehörigen Instrumente, Objekte, Artefakte und kulturellen Räume - zu verstehen, die Gemeinschaften, Gruppen und gegebenenfalls Einzelpersonen als Bestandteil ihres Kulturerbes ansehen. Dieses immaterielle Kulturerbe, das von einer Generation an die nächste weitergegeben wird, wird von den Gemeinschaften und Gruppen in Auseinandersetzung mit ihrer Umwelt, in ihrer Interaktion mit der Natur und mit ihrer Geschichte fortwährend neu gestaltet und vermittelt ihnen ein Gefühl von Identität und Kontinuität, wodurch die Achtung vor der kulturellen Vielfalt und der menschlichen Kreativität gefördert wird. Das immaterielle Kulturerbe wird unter anderem in folgenden Bereichen zum Ausdruck gebracht:
a) mündlich überlieferte Traditionen und Ausdrucksformen, einschließlich der Sprache als Träger des immateriellen Kulturerbes;
b) darstellende Künste;
c) gesellschaftliche Bräuche, Rituale und Feste;
d) Wissen und Bräuche in Bezug auf die Natur und das Universum;
e) traditionelle Handwerkstechniken."

Die UNESCO-IKE Konvention von 2003 stellt eine wesentliche Erweiterung des allgemeinen Kulturerbe- und Kulturbegriffs dar, als sie auf die "tief reichenden wechselseitigen Abhängigkeit zwischen dem immateriellen Kulturerbe und dem materiellen Kultur- und Naturerbe" hinweist und damit das Wissen und Können breiter gesellschaftliche Schichten als grundlegende Voraussetzung für das Entstehen und den Erhalt von Kulturgütern anerkennt.

Übereinkommen zur Erhaltung des immateriellen Kulturerbes

Bundesweites Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes

Register Gute Praxisbeispiele der Erhaltung immateriellen Kulturerbes in Deutschland

Die Konvention sieht vor, dass jedes Beitrittsland ein nationales Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes erstellt. In Deutschland existiert dieses seit 2014 mit derzeit 68 Kulturformen und vier Einträgen im Register Guter Praxisbeispiele mit von erfolgreichen und innovativen Programmen, Projekten und Tätigkeiten zur Erhaltung immateriellen Kulturerbes, die den Grundsätzen und Zielen des Übereinkommens in besonderer Weise entsprechen:

Unter den handwerklichen Beiträgen finden Sie u.a. (Jahr der Aufnahme):
•Deutsche Brotkultur (2014)
• Handwerksgesellenwanderschaft Walz (2014)
• Orgelbau und Orgelmusik (2014)
• Vogtländischer Musikinstrumentenbau in Markneukirchen und Umgebung (2014)
• Reetdachdecker-Handwerk (2014)
• Manuelle Fertigung von mundgeblasenem Hohl- und Flachglas (2015)
• Blaudruck (2016)
• Flechthandwerk (2016)
• Mal-, Fass- und Vergoldetechniken der Kirchenmalerei (2016)
• Hessischer (2016)
• Porzellanmalerei (2016)
• Zubereitung und Anwendung von traditionellem Kalkmörtel (2016)
• Spitzenklöppeln im Oberpfälzer Wald (2016)
• Töpfertradition Westerwälder Steinzeug in und um Höhr-Grenzhausen, Kannenbäckerland, sowie Breitscheid (2016)
• Manufakturelle Schmuckgestaltung (Gute Praxisbeispiel 2015)
• Bewahrung und Förderung von Kultur, Vielfalt und Qualität regionaler Spezialitäten in Oberfranken (Gute Praxisbeispiel 2015)