26.10.2017

Ungarn: Bauindustrie mit stärkstem Wachstum in der EU

Nach Angaben der europäischen Statistikbehörde Eurostat hat Ungarns Bauproduktion im 2. Quartal um 28,4 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum zugelegt und damit das mit Abstand stärkste Branchenwachstum in der EU verzeichnet. Grund ist einerseits die bessere Abschöpfung von EU-Mitteln der Förderperiode 2014 bis 2020, die sich vor allem in der Leistung des Tiefbaus niederschlug. Zum anderen greifen die Maßnahmen der Regierung zur Stützung des Wohnungsbaus.

Die Zahl der Baugenehmigungen steigt ständig. Das ungarische Statistikamt zählte im 1. Halbjahr des Jahres fast 20.000 Wohnungsbaugenehmigungen, 40 % mehr als im Vorjahreszeitraum. Auch die Zahl der fertig gestellten Woh-nungen nahm landesweit spürbar um 46 % auf über 5.000 zu.

Die günstige Entwicklung ist auch dem von der Regierung aufgelegten Programm zur Wohnungskaufförderung CSOK geschuldet. Es unterstützt kinderreiche Familien mit einem staatlichen Zuschuss und einem zinsgünstigen Baukredit für den Bau oder Kauf einer Wohnung. Zudem wurde die Mehrwertsteuer für neue Wohnobjekte bis 2019 von 27 % auf 5 % gesenkt

Durch die anziehende Baukonjunktur werden aber auch Probleme der Branche sichtbar, wie zum Beispiel der zunehmende Fachkräftemangel. Angaben der Vereinigung der Bauunternehmen EVOSZ zufolge fehlen in der Bauindustrie bei einer Beschäftigtenzahl von insgesamt 280.000 etwa 12.000 ausgebildete Arbeitskräfte. Die Branche bemüht sich deshalb intensiv darum, Arbeitskräfte aus Nachbarländern außerhalb der EU wie der Ukraine oder Serbien, anzuwerben.

Wachstumshemmend wirken sich die deutlichen Preissteigerungen für Baustoffe sowie bei Transport- und Lohnkosten aus, mit denen die Branchenunternehmen zu kämpfen haben. So sind die Löhne für ungelernte Arbeiter um 15 bis 20 %, für ausgebildete Kräfte in Budapest sogar um 35 % gestiegen.

Die stark anziehende Konjunktur hat nun auch die Baustoffindustrie veranlasst, ihre Kapazitäten auszubauen und zu modernisieren. Ausländische Firmen haben bereits größere Investitionen angekündigt.

Quelle: Dow Jones Ostwirtschaftsreport Nr. 37 vom 12. September 2017