26.10.2017

Niederlande: Kulturelle Unterschiede werden unterschätzt

Während sich deutsche Geschäftsleute auf die Besonderheiten bei Verhandlungen in China, Indien oder Osteuropa vorbereiten, werden die kulturellen Unterschiede zum Nachbarn Niederlande oft unterschätzt.

Die Hierarchien im Königreich sind flacher als in Deutschland. Generell wird wenig Wert auf Statussymbole und akademische Titel gelegt. In Präsen-tationen sollten daher vollmundige Aussagen vermieden werden und Vorträge kurz und prägnant sein. Konstruktive Kritik wird Komplimenten vorgezogen. Ehrlichkeit und Direktheit werden geschätzt, Versprechen sind unbedingt einzuhalten. Bei Verhandlungen wird ein Nachgeben von beiden Seiten erwartet.

Niederländer gelten als flexibel und tolerant. Sie schätzen die Deutschen als effizient und verlässlich und empfinden die Zusammenarbeit generell als problemlos. Im Gespräch oder in E-Mails wechseln sie recht schnell vom „Sie“ zum „Du“. Das Duzen ist jedoch kein Zeichen von Freundschaft, sondern lediglich die übliche Ansprache zwischen Kollegen und Geschäftspartnern. Dennoch sollten die niederländischen Geschäftspartner sicherheitshalber mit „Sie“ angesprochen und deren Reaktion abgewartet werden.

Entscheidungen, die in Deutschland getroffen werden, gelten in der Regel als bindend. Niederländer hingegen sind pragmatisch und gehen davon aus, dass sich im Verlauf der Projekte noch Veränderungen ergeben. Weil zu Beginn nicht alles detailliert festgelegt wird, können sie oft besser mit Unsicherheiten umgehen als ihre deutschen Nachbarn.

Die Geschäftskleidung ist branchenabhängig, aber generell legerer als in Deutschland. Während in Deutschland bei Erstkontakten die Geschäftsführer miteinander verhandeln, erscheinen in den Niederlanden häufig die Experten. Deren Vorgesetzte führen bei Interesse die Folgeverhandlungen. Viele Niederländer sind mit der deutschen Sprache vertraut. Eine Besprechung sollte jedoch nicht auf Deutsch begonnen werden, wenn nicht sicher ist, ob alle Anwesenden die Sprache verstehen.

Quelle: Nachrichten für Außenhandel Nr. 156 vom 15. August 2017