26.10.2017

Indien: Reformen in der Wirtschaftspolitik

Indiens Wirtschaft ist die mit Abstand am schnellsten wachsende unter den 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländern und wird nach Ansicht von Wirtschaftsforschern auch langfristig dynamischer als andere große Zukunftsmärkte wachsen. Das Bruttoinlandsprodukt stieg im Finanzjahr 2016/17 um 7,1 %, im Vorjahr sogar um 8 %.

Aufgrund der noch immer stark verwurzelten Bürokratie mit widersprüchlichen Auflagen und vielen Lizenzanforderungen rangiert der Standort beim internationalen Ranking des Geschäftsumfeldes „Ease of Doing Business“ jedoch nur auf Position 130 von 190 Staaten. Mit der Kampagne „Made in India“ will Premierminister Modi bis Ende 2020 auf Platz 30 aufsteigen. Die Kampagne ermutigt vor allem Unternehmen aus dem verarbeitenden Gewerbe zu mehr Investitionen, um dessen Anteil an der Wirtschaftsleistung bis 2022 von derzeit 17 % auf 25 % zu erhöhen.

Die Lücke zwischen einerseits steil ansteigenden Arbeitsanforderungen der Unternehmen und den geringen praktischen Qualifikationen vieler Erwerbstätigen sowie komplexen Arbeitsmarktvorschriften auf der anderen Seite will die Regie-rung mit der Initiative „Skill India“ schließen, über die in den nächsten fünf Jahren 400 Mio. Menschen ausgebildet werden sollen.

Wegen der niedrigen Arbeitskosten sind alle Sektoren nach wie vor durch einen hohen Arbeitseinsatz geprägt. Viele Betriebe haben Probleme, den Umstieg auf fortschrittliche Produktionsprozesse zu bewältigen. In größeren Unternehmen ziehen jedoch zunehmend moderne Maschinen, Automatisierung und Digitalisierung ein. Von dem Trend der fortschreitenden Industrialisierung profitieren deutsche Anbieter von Ausrüstungen und Vorprodukten, aber indische Anbieter holen langsam auf und punkten vor allem mit ihrem günstigen Preis-/Leistungsverhältnis.

Während der Staat die Ausgaben für die Infrastruktur erhöht, hinken private Investitionen hinterher. Klassische Branchen wie Bergbau, fossile Energie, Bau, Eisen und Stahl arbeiten vielerorts mit veralteten Techniken. Frisches Kapital hingegen fließt in innovative Start-ups, E-Commerce, moderne stationäre Handelsformen, erneuerbare Energien sowie Forschung und Entwicklung.

Quelle: Nachrichten für Außenhandel Nr. 165 vom 28. August 2017