14.10.2016

Bulgarien: Lohnkosten und Produktivität am niedrigsten in der EU

Bulgarien ist mit den niedrigsten Arbeitskosten in der EU ein interessanter Produktionsstandort. Steigendes Wirtschaftswachstum begünstigt die Entstehung von Arbeitsplätzen und den Rückgang der Arbeitslosigkeit. Trotzdem bedeuten die hohe Langzeitarbeitslosigkeit, eine niedrige Erwerbsbeteiligung und Fehlqualifizierungen beträchtliche strukturelle Herausforderungen für den Arbeitsmarkt und die Bildungspolitik. Auswanderung und eine schrumpfende Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter stellen ein Risiko für das langfristige Wachstumspotenzial der Wirtschaft dar, tragen aber gleichzeitig zu einem Rückgang der Arbeitslosigkeit und zum Fachkräftemangel bei.

Die Beschäftigungsquote der Bevölkerung zwischen 20 und 65 Jahren belief sich im vierten Quartal 2015 auf 68 %. Das EU-Förderprogramm "Entwicklung der Humanressourcen" stellt bis 2020 insgesamt 559 Mio. EUR zur Verbesserung des Zugangs zu Beschäftigung und der Qualität der Arbeitsplätze bereit. 

Insbesondere deutsche Unternehmen lösen das Fachkräfteproblem mit eigener innerbetrieblicher Ausbildung. Auch die Deutsch-Bulgarische Industrie- und Handelskammer (AHK) versucht Elemente aus dem deutschen dualen Berufsbildungssystem im Land zu fördern. 99,8 % der Schüler lernen mindestens eine Fremdsprache, 17 % zwei oder mehrere. Bulgarische Fachkräfte sprechen meist Englisch. Die guten Sprachkenntnisse der Bevölkerung und das geringe Lohnniveau machen den Balkanstaat zu einem attraktiven Outsourcing-Standort. Laut Eurostat lag Bulgarien mit 3,80 EUR Lohn- und Lohnnebenkosten pro Stunde im Jahr 2014 an letzter Stelle in der EU, der durchschnittliche Bruttomonatslohn betrug im selben Jahr 440 EUR (2015: 475 EUR).

Quelle: Nachrichten für den Außenhandel Nr. 107 vom 7. Juni 2016