07.09.2017

Rumänien: Umfassende Informationspflicht des Arbeitgebers

Trotz eines für dieses Jahr erwarteten realen Lohnanstiegs von rund 10 % bietet Rumänien weiterhin attraktive Arbeitskosten für Investoren. Abwanderung und die Überalterung der Gesellschaft sowie Schwächen im Bildungssystem verknappen allerdings das Angebot an Fachkräften.

Laut Arbeitsgesetzbuch muss der individuelle Arbeitsvertrag schriftlich und in ru-mänischer Sprache abgeschlossen werden. Bei zweisprachigen Fassungen hat die rumänische Version immer Vorrang. Im Gegensatz zu früher brauchen die Papiere nicht mehr in gedruckter Fassung bei der zuständigen Arbeitskammer ITM registriert und abgestempelt werden. Sie werden innerhalb der gesetzlichen Fristen in das elektronische Arbeitnehmerregister REVISAL eingetragen und von dort anschließend an die zuständige ITM übermittelt.

Der Arbeitgeber hat eine umfassende Informationspflicht. Über ein sogenanntes Anstellungsangebot muss er dem Arbeitnehmer unter anderem die Berufsbezeichnung und deren rumänische Klassifizierung, tätigkeitsspezifische Risiken, Vertragsdauer, Kündigungsfristen, verschiedene Lohnbestandteile, wöchentliche Arbeitsstunden, Arbeits- und Probezeit mitteilen. Dazu gehören ebenfalls Leistungskriterien zur Bewertung seiner Tätigkeit, die sich auch im individuellen Arbeitsvertrag wiederfinden. Befristete Arbeitsverträge dürfen nur unter bestimmten Voraussetzungen wie beispielsweise Saisonarbeit, Vertretung, erhöhte Auftragslage abgeschlossen werden.

Für die Beschäftigung ausländischer Arbeitnehmer gibt es in Rumänien unter-schiedliche Regelungen. Bürger aus dem Europäischen Wirtschaftsraum EWR, der Schweiz und Arbeitnehmer von Unternehmen mit Sitz im EWR brauchen keine gesonderte Arbeitserlaubnis. Im EWR oder der Schweiz ansässige Unternehmen können auch Mitarbeiter, die nicht Staatsbürger des Wirtschaftsraumes sind, ohne Arbeitserlaubnis nach Rumänien entsenden. Voraussetzung ist jedoch eine Aufenthaltserlaubnis im entsendenden Staat. Alle anderen ausländischen Arbeitnehmer benötigen eine Arbeitserlaubnis, die von der Einwanderungsbehörde ausgestellt wird.

Quelle: Märkte der Welt Nr. 22 vom 1. Juni 2017