08.09.2017

China: Stundenlöhne haben sich verdreifacht

In China aktive deutsche Unternehmen sorgen sich in erster Linie weiterhin um steigende Lohnkosten. Das hat der Geschäftsklimaindex 2016 der Deutschen Handelskammer in China (AHK) ergeben. Die Stundenlöhne chinesischer Arbeiter verdreifachten sich inflationsbereinigt zwischen 2005 und 2016 von 1,20 auf 3,60 USD. Damit nähert sich China bereits einzelnen europäischen Ländern wie Portugal (4,50 USD) an.

Über den Anstieg der Mindestlöhne versucht die Politik, die Kluft zwischen Arm und Reich nicht zu groß werden zu lassen. 2016 wurden die Mindestlöhne in neun Provinzen um 10,7 % angehoben. Angestrebt werden 40 % der jeweiligen Durchschnittsgehälter.

Das nachlassende Wirtschaftswachstum und eine geringe Inflationsrate trugen zuletzt jedoch zu einer Verlangsamung der Lohnentwicklung bei. Im vergangenen Jahr wuchs das Bruttoinlandsprodukt „nur“ noch um 6,7 %, für 2017 werden 6,5 % erwartet.

Neben hohen Fluktuationsraten bleibt der Mangel an qualifizierten Arbeitskräften ein weiteres Problem für die Arbeitgeber. Das chinesische Bildungssystem arbeitet am Bedarf der Firmen vorbei. Während der Trend zur Hochschulausbildung anhält, gilt eine Facharbeiterausbildung als nicht attraktiv. Ausbildungsgänge haben oft eine geringe Praxisnähe. Das deutsche duale System wird zwar überall bewundert, kommt aber nur in deutschen Unternehmen zur Anwendung.

Die Personalsuche unterscheidet sich von der in Deutschland gängigen Praxis. Auf Analysefähigkeit und Problemlösungskompetenz wird wenig Wert gelegt. Oft gibt es Zweifel an der Echtheit der Qualifikationsnachweise. Die Arbeitgeber laden deshalb wesentlich mehr Kandidaten zu Vorstellungsgesprächen ein als in Deutschland und testen diese intensiver. Besonders für Stellen im mittleren oder oberen Management werden oft professionelle Personalvermittler eingeschaltet und auch zunehmend Onlineplattformen und Social-Media-Kanäle genutzt.

Quelle: Nachrichten für Außenhandel, Nr. 112 vom 13. Juni 2017