27.06.2016

Liechtenstein: Exot unter den Industriestaaten

Das Fürstentum Liechtenstein ist mit seiner Lage zwischen Österreich und der Schweiz ein hervorragender Wirtschaftsstandort und zählt zu den industrialisiertesten Ländern der Welt, obwohl es in Deutschland eher mit Banken und Kapitalanlagen in Verbindung gebracht wird. Der 2014 von der EU geforderte automatische Informationsaustausch und der damit verbundene Wegfall des Bankgeheimnisses haben dem Standort nicht geschadet. Die Importe legten zu, zwei Drittel der Gesamteinfuhren entfallen auf Maschinen, Fahrzeuge und Vorerzeugnisse. Deutsche Firmen sind gut im Geschäft. Nach der Schweiz ist Deutschland das wichtigste Lieferland. Im Jahr 2015 wurden Vorprodukte im Wert von 250 Mio. EUR, Maschinen für knapp 130 Mio. EUR und Fahrzeuge für 50 Mio. EUR aus Deutschland importiert. Liechtensteinstein ist auf Zulieferer aus dem Ausland angewiesen, da bestimmte Produkte und Dienstleistungen vor Ort nicht erhältlich sind.

Liechtenstein bietet aufgrund der Zollunion mit der Schweiz und dem barrierefreien Zugang zur EU sowie der effizienten öffentlichen Verwaltung attraktive Standortvorteile. So können Produkte aus Liechtenstein über die Freihandelsabkommen mit der Schweiz zollfrei nach China exportiert werden. Weitere Pluspunkte sind die mit 12,5 % niedrige Unternehmensbesteuerung, liberale Arbeitsgesetze sowie politische Stabilität und Rechtssicherheit. Die hohen Grundstückspreise sind problematisch für Unternehmensgründer, die aber von überschaubaren Verwaltungsabläufen profitieren.

Mit nur 37.000 Einwohnern und expandierenden Unternehmen braucht Liechtenstein Arbeitskräfte aus der Schweiz und Österreich, die als Grenzgänger zur Arbeit pendeln.

Quelle: markets international Nr. 3 vom Juni 2016