27.06.2016

Italien: Schwache Zahlungsmoral

Die Kreditaufnahme in Italien ist im Prinzip unproblematisch, hat sich aber durch die Finanzkreise zugespitzt. Lieferfinanzierungen von Banken zur Überbrückung von extremen Zahlungszielen sind nur noch unter erschwerten Bedingungen zu erhalten, insbesondere wenn es sich beim Kunden um eine Institution der öffentlichen Hand handelt. Die Risiken bei Zahlungsausfällen sind in Italien erheblich. Gesetz und Rechtsprechung sind eher schuldnerfreundlich und Prozesse dauern oft Jahre.

Durch die Einführung des Europäischen Mahnbescheids hat sich die Situation leicht verbessert, aber in der Regel trägt der Gläubiger auch bei Erwirken eines Zahlungsbefehls die hohen Vollstreckungskosten. Daher ist die Vereinbarung eines Schiedsgerichts bei Vertragsabschluss empfehlenswert.

Italienische Unternehmen gewähren 55 % ihrer Kunden Zahlungsziele, bei 45 % bestehen sie auf Vorkasse; 39 % der Auslandskunden werden Zahlungsziele eingeräumt. Das durchschnittliche Zahlungsziel im Geschäft mit privaten Unternehmen in Italien liegt bei 51 Tagen; 17 % gewähren ihren Kunden Fristen zwischen 61 und 90 Tagen, 6 % über 90 Tage.

Eine Anfang des Jahres von Cribis D&B durchgeführte Erhebung über die Zahlungsmoral in Italien kommt zu dem Ergebnis, dass 46 % der Unternehmen korrekt zahlen, 48 % überschreiten das vereinbarte Zahlungsziel um bis zu 60 Tage und knapp 7 % überziehen um mehr als 60 Tage. 46 % der KMU respektieren die vereinbarte Zahlungsfrist, nur 9 % der Großunternehmen begleichen ihre Rechnungen rechtzeitig. Es gibt regionale Unterschiede: in Nord- und Mittelitalien zahlen 5 % der Unternehmen mit mehr als 60 Tagen Verspätung, im Süden sind es 10 %

Im europäischen Vergleich steht Italien hinter Spanien und vor Griechenland an vorletzter Stelle. Dementsprechend liegen Italien und Griechenland auch bei Forderungslaufzeiten von 72 Tagen im europäischen Vergleich ganz hinten. In Deutschland liegt das durchschnittliche Zahlungsziel bei 22 Tagen.

Quelle: Nachrichten für den Außenhandel Nr. 76 vom 20. April 2016