Handwerk: Kapitalmarktunion muss Finanzierungsbedarf des Mittelstandes berücksichtigen

Die Europäische Kommission hat am 17. Februar 2015 das Grünbuch zur Schaffung einer Kapitalmarktunion vorgelegt und damit den Konsultationsprozess für eines der zentralen Projekte der Juncker-Kommission eingeleitet. Neue Finanzierungsquellen für Unternehmen, alternative Geldanlage für Sparer und Investoren, Beseitigung der Fragmentierung der Finanzmärkte - diese Ziele will die EU-Kommission bis 2019 mit Hilfe einer Kapitalmarktunion erreichen. Kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) soll der Zugang zum Kapitalmarkt erleichtert werden. Zur geplanten Kapitalmarktunion erklärt Holger Schwannecke, Generalsekretär des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH):

"Das Handwerk unterstützt das Ziel der Kommission,  die Finan-zierungsbedingungen vor allem für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) zu verbessern. Nach wie vor gilt aber, dass für KMU der klassische Bankkredit das wichtigste Instrument der Fremdfinanzierung ist. Rund ein Drittel des gesamten Finanzierungsvolumens für Investitionen im Mittelstand wird in Deutschland derzeit über Kredite gedeckt.

Die Kapitalmarktunion darf daher nicht zu einer einseitigen För-derung einer Kapitalmarktorientierung führen. Dies würde hohe Kosten verursachen und am Bedarf der meisten KMU vorbei ge-hen. Kapitalmarktfinanzierung ist für fast alle kleinen und mittleren Unternehmen zu teuer und mit zu hohen Auflagen verbunden. Aus Sicht des Handwerks ist daher darauf zu achten, dass unterschiedliche Finanzierungsformen gleichberechtigt nebenei-nander bestehen bleiben.

Überdies darf eine Kapitalmarktunion keinesfalls neue Anforde-rungen für den Mittelstand im Bereich der Rechnungslegung nach sich ziehen. Insbesondere lehnen wir eine obligatorische Einführung der internationalen Rechnungslegungsstandards (IFRS) für diese Unternehmen ab. Hierdurch wären für den Mittelstand erhebliche und zum überwiegenden Teil unzumutbare Belastungen zu befürchten. Die auf kurzfristige Ertragsoptimierung abstellenden Bewertungsgrundsätze innerhalb des IFRS wären zudem nicht vereinbar mit dem in der deutschen Rechnungslegung verankerten – und bewährten - Vorsichtsgrundsatz."