Kaufmännische Karriere im Handwerk

Mit der Entwicklung der neuen bundeseinheitlichen Fortbildungsprüfungsordnung zum/zur Geprüften Kaufmännischen Fachwirt/in nach der Handwerksordnung hat das Handwerk ein in sich konsistentes kaufmännisches Laufbahnkonzept mit bundesweit einheitlichen Standards geschaffen. Die neue Fortbildung richtet sich insbesondere an Absolventen einer kaufmännischen Ausbildung. Damit wird vor allem den jährlich rund 11.000 Absolventen im Handwerk zum/zur Kaufmann/frau für Büromanagement, zum/zur Automobilkaufmann/frau oder zum/zur Fachverkäufer/in ein attraktiver erster Karriereschritt angeboten.

Kaufmännische Fachwirte übernehmen beispielsweise als "rechte Hand" des Meisters bzw. der Meisterin die kaufmännische Leitung eines Unternehmens oder werden für die Leitung einer Filiale eingesetzt. Dafür werden die Fortbildungsteilnehmer dazu befähigt, kaufmännisch-administrative Bereiche von Handwerksbetrieben eigenständig zu führen, Prozesse zu gestalten und zu kontrollieren sowie in diesem Zusammenhang Mitarbeiter zu führen. Um diese Kompetenzen aufzubauen, werden im Rahmen der Fortbildung folgende Themen schwerpunktmäßig behandelt:

  • Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen analysieren und fördern.
  • Marketing nach strategischen Vorgaben gestalten.
  • Betriebliches Rechnungswesen, Controlling sowie Finanzierung und Investitionen gestalten.
  • Personalwesen gestalten und Personal führen.
  • Prozesse betriebswirtschaftlich analysieren und optimieren.

Weiterhin müssen die berufs- und arbeitspädagogischen Qualifikationen (Teil 4 der Meisterprüfung, Ausbildereignung) nachgewiesen werden, um den Fortbildungsabschluss zu erwerben.

Die Fortbildung wurde passfähig zum zweiten möglichen Karriereschritt, dem/der Geprüfte/n Betriebswirt/in nach der Handwerksordnung, gestaltet. Betriebswirte sind auf die vielfältigen und herausfordernden Aufgaben der Unternehmensführung vorbereitet, erschließen sich neue Märkte und planen die langfristige Entwicklung eines Unternehmens.

Der Karriereweg von der kaufmännischen Ausbildung über den Kaufmännischen Fachwirt bis hin zum Betriebswirt ergänzt damit die möglichen kaufmännischen Karrierewege für Absolventen einer gewerblich-technischen Ausbildung. Sowohl gewerblich-technisch ausgebildete als auch kaufmännisch ausgebildete Fachkräfte erhalten damit chancenreiche Entwicklungsmöglichkeiten in der beruflichen Bildung im Handwerk. Die kaufmännischen Fortbildungen orientieren sich eng an den Anforderungen der Unternehmenspraxis und stellen damit eine attraktive Alternative zur akademischen Bildung dar.

Die neue bundeseinheitliche Fortbildungsprüfungsordnung zum/zur Geprüften Kaufmännischen Fachwirt/in nach der Handwerksordnung ist auf der Stufe 6 des Deutschen Qualifikationsrahmens verortet und damit einem Bachelor-Abschluss gleichwertig. Die Prüfungsverordnung ist am 7. März 2016 im Bundesgesetzblatt erschienen und wird am 1. April 2016 in Kraft treten.

Grafik "Kaufmännische Karrierewege im Handwerk":

Mehr als meisterlich: Geprüfter Betriebswirt/Geprüfte Betriebswirtin nach der Handwerksordnung auf Meisterplusebene

Die Verordnung über die Prüfung zum anerkannten Fortbildungsabschluss „Geprüfter Betriebswirt nach der Handwerksordnung und Geprüfte Betriebswirtin nach der Handwerksordnung“ ist am 1. April 2011 in Kraft getreten. Die bisherigen Kammerregelungen nach § 42a HwO werden somit durch die bundeseinheitliche Rechtsverordnung nach § 42 HwO ersetzt.

Die fachlich-technischen Anforderungen in den über 130 Berufen des Handwerks sind sehr verschieden. Dennoch besteht bei der Ausübung aller dieser Gewerke die Notwendigkeit betriebswirtschaftlich-strategisch zu denken. Das Ziel der neuen bundesweiten Verordnung (BGBl. I, 2011, Nr. 13, S. 511 ff) liegt daher insbesondere in der Vertiefung des betriebswirtschaftlich‐strategischen Verständnisses der Unternehmensführung. Dadurch sollen die Absolventen befähigt werden, Unternehmen unter Berücksichtigung ökonomischer, ökologischer und sozialer Entwicklungen nachhaltig und erfolgreich zu führen. Der/die geprüfte Betriebswirt/in nach der Handwerksordnung stellt damit den höchsten Baustein einer kaufmännischen Karriere im Handwerk dar, denn diese Aufstiegsfortbildung ist oberhalb der Meisterebene angesiedelt.

Der Rahmenlehrplan zeichnet sich durch Praxisnähe und Kompetenzorientierung aus. Beides fördert die berufliche Handlungsfähigkeit sowie die unternehmerische Eigenverantwortung und Selbstständigkeit der Lernenden. Zudem dient der Rahmenlehrplan der Anwendung bundesweit vergleichbarer Standards bei der Fortbildung zum/zur "Geprüften Betriebswirt und Geprüfte Betriebswirtin nach der HwO".