Wandergesellen

Die Wanderschaft im Handwerk geht bis in das 12. Jahrhundert zurück. "Walz", "Stör" oder "Tippelei" bedeutete damals, dass junge Handwerker nach Abschluss ihrer Ausbildung mindestens drei Jahre lang auf Wanderschaft gehen mussten, um später auch den väterlichen Betrieb übernehmen zu können.

Heute gibt es in Deutschland vier große "Schächte", sprich Vereinigungen von Handwerkern, die auf Wanderschaft sind bzw. waren: die "Rechtschaffenen", die "Rolandsbrüder", die "Freiheitsbrüder" und die "Freien Vogtländer". Jeder Schacht hat seine individuellen Regeln. Bei den Rolandsbrüdern beispielsweise darf man drei Jahre lang nicht näher als 60 Kilometer an seinen Heimatort kommen - außer zu besonderen Ereignissen wie Krankheit oder Tod von engen Familienangehörigen.

Auf ihrer Wanderschaft lernen junge Handwerker fremde Kulturen, aber auch Arbeitstechniken und -praktiken kennen. Die Walz kann somit als praxisnahe Lebensschule betrachtet werden.

Die Walz ist kein Tourismus. So dürfen beispielsweise kein richtiger Gewinn und keine Ersparnisse aus dem Arbeitslohn erzielt werden. Auch dürfen nur die notwendigsten Sachen mitgeführt werden. Allerdings sind Wandergesellen durch die in Deutschland üblichen Sozialversicherungen geschützt.

Egal wohin der Wandergeselle "tippelt" – er ist ständig direkt in Kontakt mit der Bevölkerung vor Ort und lernt die fremde Lebensweise hautnah kennen. Das Ergebnis: man erwirbt interkulturelle Kompetenzen, die auch im Arbeitsleben eine immer größere Bedeutung haben. Darüber hinaus erweitert man seine beruflichen Kenntnisse und Fähigkeiten. Die Walz ist somit eine optimale Vorbereitung auf das weitere Berufsleben, auf die Meisterprüfung und auf die Gründung eines eigenen Betriebs.

Übrigens: Auch die Walz hat sich emanzipiert. Natürlich können auch Gesellinnen auf Wanderschaft gehn.