BerufsAbitur

Hintergrund

Die demografische Entwicklung und die hohe Studierneigung junger Menschen führen zu rückläufigen Auszubildendenzahlen in der dualen beruflichen Ausbildung. Zunehmend wählen auch Schüler/innen mit mittlerer Reife den Weg über das Abitur in ein akademisches Studium. Insgesamt haben 2014 knapp 435.000 Absolventen/innen die allgemeinbildenden und beruflichen Schulen mit einer Hochschulzugangsberechtigung verlassen. Das sind rund 53 Prozent des entsprechenden Altersjahrgangs. Binnen 10 Jahren, von 2005 bis 2014,  hat sich der Anteil der Studienanfänger an der altersspezifischen Bevölkerung sehr stark auf nunmehr 56,4 Prozent erhöht. Das Handwerk entwickelt vor diesem Hintergrund langfristige Karrierewege und zeigt individuelle berufliche Entwicklungsmöglichkeiten auf. 

Sachstand

Der Zentralverband des Deutschen Handwerks hat im Jahr 2015 die bildungspolitische Initiative "Höhere Berufsbildung" ins Leben gerufen, um chancenreiche, berufliche Bildungs- und Karrierewege im Handwerk aufzuzeigen und weiterzuentwickeln. Das Konzept der "Höheren Berufsbildung" orientiert sich an den Leitlinien:

  • Stärkung der Attraktivität der Berufsbildung und
  • Erhöhung der Durchlässigkeit zwischen beruflicher und akademischer Bildung.

Eine erste bundesweite Bildungsmarke zur weiteren Stärkung der Attraktivität der Berufsbildung soll der doppelqualifizierende Abschluss "BerufsAbitur" werden. Mit der Verknüpfung von Gesellenabschluss und allgemeiner Hochschulzugangsberechtigung können leistungsstarke Jugendliche für das Handwerk gewonnen werden. Die Jugendlichen erwerben sehr gute Voraussetzungen, zukünftig im Handwerksbetrieb anspruchsvolle Aufgaben zu übernehmen. Aus Sicht der Jugendlichen ergibt sich aus dem doppelqualifizierenden Bildungsgang der Mehrwert: 

  • Keine vorzeitige und wenig fundierte Festlegung auf einen Bildungsweg,
  • Erwerb von Studierfähigkeit und Arbeitsmarktfähigkeit,
  • Grundlage für weiterführende Karrierewege in der beruflichen Fortbildung (z. B. Meister) und
  • zeitliche Verkürzung im Vergleich zu bestehenden doppelqualifizierenden Angeboten.

Für die beteiligten Betriebe ergeben sich unter anderem die Vorzüge:

  • Motivierte Nachwuchskräfte mit begründeter Perspektive im Handwerk,
  • hohe Berufsfähigkeit und betriebliche Passung zum Ende des doppelqualifizierenden Bildungsgangs, geringere Kosten der Personalakquise und
  • zeitliche Verkürzung im Vergleich zu bestehenden doppelqualifizierenden Angeboten.

Ziele

Bei der Realisierung der Bildungsmarke "BerufsAbitur" müssen folgende Eckpunkte berücksichtigt werden: 

  • Etablierung eines Bildungsgangs, der mit zwei gleichberechtigten Abschlüssen endet (Gesellenabschluss und allgemeine Hochschulzugangsberechtigung),
  • Gestaltung eines bundesweiten Regelangebots mit verbindlichen Standards, die in den Bundesländern Anwendung finden,
  • Orientierung am Bedarf der Wirtschaft und den Karriereplanungen der Jugendlichen, Berücksichtigung bestehender Lernorte (Betrieb und Berufsschule),
  • Abschluss eines Lehrvertrags mit einem Ausbildungsbetrieb,
  • keine Etablierung von doppelqualifizierenden Bildungsgängen zur Vorbereitung auf die Externenprüfung (§ 37, Abs. 2 HWO) und Umsetzung an allgemeinbildenden Gymnasien.

Zur Umsetzung der Eckpunkte sind folgende bildungspolitische Schritte erforderlich:

  • Bundesweiter Konsens im Einvernehmen mit den Bundesländern auf Grundlage bundesweit einheitlicher KMK-Rahmenvereinbarungen,
  • Konzeption, Erprobung und Umsetzung eines bundesweit gültigen Modells unter Beteiligung aller bildungspolitisch relevanten Akteure (Wirtschaftsorganisationen, Sozialpartner, KMK, WMK, Bundesministerien),
  • Bewerbung des Modells durch alle bildungspolitisch relevanten Akteure und Integration in die Berufsorientierungsprogramme Bund/Länder,
  • Ausbau der Kooperation zwischen Betrieben, Handwerkskammern und Innungen mit allgemeinbildenden Schulen, speziell mit Gymnasien.