Ausbildungsprüfungen im Handwerk

Die handwerkliche Ausbildung schließt mit einer Gesellenprüfung ab, in der die berufliche Handlungsfähigkeit der Lehrlinge und damit der Erfolg der Ausbildung durch eine unabhängige Prüfungskommission festgestellt wird. Die Gesellenprüfungen werden von den Handwerkskammern oder von beauftragten Innungen durchgeführt. Im Jahr 2010 wurden über 149.500 Gesellenprüfungen im Handwerk abgelegt.

 

Prüfungsausschuss

In der Prüfungskommission sind mindestens drei Personen, je eine Vertreterin oder ein Vertreter der Arbeitgeber-, der Arbeitnehmer- und der Berufsschulseite, tätig. Sie bewerten die Prüfungsleistungen gemeinsam.

 

Prüfungsinhalte und -anforderungen

Die Prüfungen erfolgen in unterschiedlichen Bereichen und werden in der Regel sowohl schriftlich (z. B. mit Fachaufgaben) als auch praktisch (z. B. mit Arbeitsaufgaben, durch Anfertigung eines Prüfungsstücks) durchgeführt. Oftmals wird ergänzend ein Prüfungsgespräch durchgeführt. Die Prüfungsanforderungen sind für jeden Beruf in der jeweiligen Ausbildungsordnung festgelegt:

 

Gesellenprüfungsordnung

Das Prüfungsverfahren ist in der Gesellenprüfungsordnung der Handwerkskammer geregelt. Dort finden sich z. B. Vorschriften über die Zusammensetzung des Prüfungsausschusses, das Zulassungsverfahren, die Durchführung der Prüfung, das Bewertungsverfahren und die Wiederholungsprüfung.

Der Hauptausschuss des Bundesinstituts für Berufsbildung (BiBB) hat eine Musterprüfungsordnung für die Durchführung von Gesellen- und Umschulungsprüfungen empfohlen:
www.bibb.de/dokumente/pdf/12pr_pressemitteilung_16_2007_anlage_mpo_121.pdf

 

Gesellenprüfungszeugnis

Sind die Prüfungsanforderungen erfüllt und ist die Prüfung bestanden, erhalten die Teilnehmer ein Prüfungszeugnis als formalen Nachweis ihrer Berufsqualifikation. Für das Zeugnis kann auch eine englische oder französische Übersetzung beantragt werden.

 

Sonstige Prüfungen im Handwerk

Neben den Gesellenprüfungen werden im Handwerk auch

  • Abschlussprüfungen auf Grundlage des BBiG (in Berufen, die nicht auf Grundlage der HwO beruhen, aber dennoch im Handwerk ausgebildet werden),
  • Zwischenprüfungen (zur Ermittlung des Ausbildungsstandes während der Ausbildung,
  • Umschulungsprüfungen (für Umschüler) und
  • so genannte Externenprüfungen (für Menschen, die einen Berufsabschluss ohne vorhergehende Ausbildung erwerben wollen) durchgeführt.
    Weitere Informationen: http://www.zdh.de/themen/bildung/ausbildung/pruefungen/die-externenpruefung-im-handwerk.html

Darüber hinaus werden auch für die berufliche Weiterbildung Fortbildungsprüfungen durchgeführt: www.zdh.de/themen/bildung/weiterbildung/pruefungen.html 

Insgesamt stellt das Handwerk eine umfangreiche Prüfungsinfrastruktur zur Verfügung, die einen hohen Personaleinsatz im organisatorischen und noch höheren persönlichen Einsatz der ehrenamtlichen Prüferinnen und Prüfer im operativen Bereich erfordert.

Rehabilitationspädagogische Zusatzqualifikation für Ausbilder

Mit der Verabschiedung der Rahmenregelung für die Ausbildung von Menschen mit Behinderung gemäß § 66 BBiG/§ 42m HwO des Bundesinstitutes für Berufsbildung im Jahr 2009 wurde die Anforderung einer rehabilitationspädagogischen Zusatzqualifikation der Ausbilderinnen und Ausbilder empfohlen.

Die Erstellung eines Rahmencurriculums erfolgte im Rahmen eines Projektes von BMBF und der Bundesarbeitsgemeinschaft der Bildungswerke. Das Rahmencurriculum wurde vom Hauptausschuss des BIBB als Empfehlung Nr. 154 am 21.06. 2012 verabschiedet und ist am 26.07.2012 im Bundesanzeiger veröffentlicht worden.

Die Zusatzqualifikation soll in insgesamt acht Kompetenzfeldern erfolgen.

  • Reflexion betrieblicher Ausbildungspraxis
  • Pädagogische und didaktische Aspekte
  • Medizinische und diagnostische Aspekte
  • Psychologische Aspekte
  • System der beruflichen Rehabilitation
  • Recht
  • Arbeitswissenschaftliche und arbeitspädagogische Aspekte
  • Interdisziplinäre Projektarbeit/Praxistransfer in der Ausbildung junger Menschen mit Behinderung.

Die ReZA Weiterbildung hat einen Umfang von 320 Stunden. Am Ende erhalten die Teilnehmer ein Zertifikat des Weiterbildungsanbieters. Für die Weiterbildung können steuerliche Vorteile, eine Förderung durch die Agentur für Arbeit, eine Bildungsprämie oder weitere landesspezifische Förderungen gewährt werden. Das Faltblatt enthält u. a. auch Informationen, wo Interessierte entsprechende Weiterbildungsangebote finden können.

Rahmencurriculum

Flyer ReZA

Stellungnahme der Bundesarbeitsgemeinschaft der Berufsbildungswerke

Handlungsempfehlung des DIHK zu ReZA