Zentralverband des
Deutschen Handwerks
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30.06.2021

Frankreich: Wie weit ist der Wiederaufbau von Notre-Dame?

Die Sicherung der Kirchengewölbe ist noch in vollem Gange, der eigentliche Wiederaufbau beginnt erst noch.
Handwerker bei der Restauration einer Kirchetür der Notre Dame.

Die Kirche Notre Dame in Paris wäre vor über zwei Jahren von einem Brand beina-he vernichtet worden. Nach dem Feuer begann das große Aufräumen. Es herrschte akute Einsturzgefahr. Bis heute sind noch nicht einmal zehn von rund sechzig Gewölben gesichert. Die über 40.000 geschmolzenen Gerüstteile sind hingegen vollständig abgebaut. Sie drohten, bei einem Absturz die Kathedrale zu zertrümmern. Von den über 800 Millionen Euro eingegangenen Spendengeldern hat allein die Sicherung 165 Millionen verschlungen. Zwei Jahre wurde gesichert, der eigentliche Wiederaufbau beginnt erst in einigen Monaten. Für diese nächste Phase erwartet der französische Branchenverband Groupement des Entreprises de Restauration de Monuments Historiques (GMH) die Ausschreibungen. Etwa 500 Leute sollen dann permanent auf der Baustelle arbeiten. Es gibt genügend Handwerker im Land, aber es braucht eine gewisse Vorbereitungszeit, um die nötigen Arbeiter für Notre-Dame abzubestellen, die sich in vielen Fällen gerade um andere Baustellen kümmern. Eine oder mehrere deutsche Glasereien werden vier der 28 großen Kirchenfenster in Deutschland restaurieren. Eine Konvention dazu wurde kürzlich unterzeichnet. Auch wenn die Zeit knapp ist - am ehrgeizigen Öffnungstermin für die Kathedrale zu den Olympischen Spielen 2024 soll festgehalten werden. Bereits jetzt ist aber klar, dass die Bauarbeiten auch danach noch weitergehen werden.

Material für den Neuaufbau von Notre Dame stammt zum einen aus Steinbrüchen um Paris. Für das Holz fällten Forstleute in ganz Frankreich 2.000 alte Eichen, die derzeit trocknen. Von Korsika bis an den Ärmelkanal, vom Elsass bis in die Bretagne wird jede französische Region, jeder passende Großwald vertreten sein. Die Kirche soll originalgetreu nach Überlieferungen aus dem Mittelalter wiederaufgebaut werden. Da das Gebälk von Grund auf neu errichtet werden muss, wird es genau wie im 13. Jahrhundert aussehen; später erfolgte Reparaturen über dem Kirchenschiff und dem Chor werden weggelassen. Die Zimmerleute werden die Holzarbeiten teils wie im Mittelalter ausführen. Die Baumstämme werden zwar mechanisch zersägt - im Giebel aber mit Äxten und Handsägen eingepasst, wie auch die Kathedralenbauer vor 800 Jahren arbeiteten. Ob die heutigen Handwerker dabei so gut sind wie ihre Vorgänger, wird sich erst in vielen Jahren zeigen.

Kontakt:
Deutsch-Französische Industrie- und Handelskammer (AHK Frankreich)

Quellen: www.tageschau.de, Pressemitteilung vom 15. April 2021;
                  www.rnd.de, Pressemitteilungen vom 14. April und 9. Mai 2021

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