Zentralverband des
Deutschen Handwerks
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Deutschen Handwerks
30.06.2021

Deutschland geht das Holz aus

Sägewerke und Holzhändler profitieren vom aktuellen Bauboom. Deutschen Handwerkern macht die Holzknappheit schwer zu schaffen.
Sägewerk mit vielen gestapelten Holzstämmen.

Deutsche Handwerker haben es aktuell schwer, ihre Aufträge abzuarbeiten. Ihnen fehlt der Rohstoff, denn Holz wird knapper in Deutschland. Das treibt den Preis in die Höhe. Dazu kommen lange Lieferzeiten.

Das Zimmererhandwerk schlägt bereits Alarm: Viele Betriebe fürchten wegen der Materialknappheit, dass sie trotz voller Auftragsbücher im Sommer Kurzarbeit anmelden müssen - ausgerechnet, wenn es richtig boomt. Schnittholz kostet heute das Dreifache wie noch vor wenigen Monaten. Ein Festmeter Fichte kostete vor kurzem noch etwa 30 Euro, jetzt sind es fast 90 Euro. Der Preis muss auf die Kunden umgewälzt werden.

Ein Grund für die Holzknappheit und den Preisanstieg ist der Bauboom in Corona-Zeiten. Besonders aus dem Ausland steigt die Nachfrage. Im Jahr 2020 wurde über 80 Prozent mehr Rund- und Schnittholz als 2019 exportiert. Viele große Sägewerke liefern derzeit vor allem in die USA und nach China. Dort wird mehr gezahlt als in Deutschland - selbst für minderwertiges Fichtenholz, das wegen Trockenheit, Sturmschäden oder Borkenkäferbefall in Deutschland massenhaft notgefällt wurde. Aber selbst dieses Holz geht langsam zur Neige.

Während die Sägewerke und Holzhändler vom aktuellen Boom stark profitieren, wächst bei einigen Waldbesitzern der Frust. Sie profitieren kaum von den Preissteigerungen, mussten in den vergangenen Monaten aber höheren Aufwand leisten, um Schadholz aus dem Wald zu räumen. Erschwerend hinzu kommt, dass viele Forstbetriebe einen Einschlagstopp für frisches Nadelholz verhängt hatten, damit nicht noch mehr Holz auf den zuvor eigentlich gesättigten Markt überschwemmt. Nun hat sich die Lage gewendet: Vor allem hochwertiges Holz wird immer knapper.

Als Reaktion haben zwar einige Forstbetriebe den Einschlagstopp wieder aufgehoben und Frischholz wird wieder gefällt. Doch die Forderungen an die Politik, regulierend einzugreifen, werden lauter. Die Politik ist aufgefordert, alle ihr zur Verfügung stehenden Instrumente so rasch wie möglich einzusetzen, um den Verwerfungen auf dem Markt für Baumaterialien entgegenzuwirken und diese in den Griff zu bekommen - vor allem mit Blick auf die aktuell fragile Konjunktur.

Denn nicht nur beim Holz ist die Lage katastrophal. Knappheit herrscht mittlerweile auch bei anderen Baustoffen wie Dämmstoffen, Kunststoffrohren für den Hochbau oder Spanplatten. Aber auch Lacke sind betroffen, weil die notwendige Grundsubstanz auf dem Weltmarkt nicht lieferbar ist. Die Folge ist Kurzarbeit in einigen Lackfabriken.
 
Quellen: www.tagesschau.de vom 24. April 2021;
                  www.bkz.de, Pressemitteilung vom 12. Mai 2021;
                  www.wallstreet-online.de, Pressemitteilung vom 21. Mai 2021