Zentralverband des
Deutschen Handwerks
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29.06.2020

Vietnam: EVFTA-Freihandelsabkommen - Chancen für dt. Unternehmen

Das Freihandelsabkommen EVFTA wird voraussichtlich am 1. August 2020 in Kraft treten. Das Abkommen wird im Laufe des Jahrzehnts praktisch alle Zölle auf Ausfuhren nach und aus Vietnam beseitigen.

Nach der Ratifizierung durch EU-Parlament und Rat Anfang Februar hat am 8. Juni auch die vietnamesische Nationalversammlung das Freihandels-abkommen mit der EU (EVFTA) ratifiziert.  Es wird voraussichtlich am 1. August 2020 in Kraft treten. Das Abkommen wird im Laufe des Jahrzehnts praktisch alle Zölle auf Ausfuhren nach und aus Vietnam beseitigen, wobei 65 Prozent der ausgeführten EU-Produkte und 71 Prozent der Ausfuhren aus Vietnam vom ersten Tag an komplett zollfrei sein werden. Weitere Zölle werden schrittweise gesenkt. Für die Vietnamesen wird das Abkommen insbesondere in den Exportsektoren Textilien, Schuhe, Smartphone- und Computerteile vorteilhaft sein, während Europa be-sonders von der Zoll-Eliminierung bei Milchprodukten, Fahrzeugen, Arzneimitteln, Wein und Schokolade profitieren wird. Sämtliche Informationen zum Abkommen gibt es unter: https://ec.europa.eu/trade/policy/in-focus/eu-vietnam-agreement/.

Die Ratifizierung des Abkommens geschieht in einer Zeit, in der sich die vietnamesische Wirtschaft prächtig entwickelt: Mit BIP-Wachstumsraten von über 7 Prozent in den letzten beiden Jahren zählt das Land zu den stärksten Wachstumsmotoren in Südostasien und ist laut PwC die am schnellsten wachsende und vielversprechendste Volkswirtschaft der Welt. Das ist besonders beeindruckend vor dem Hintergrund eines anhaltenden Handelsstreits zwischen den USA und China, der die globalen Lieferketten tangiert und viele Nationen zu einer Korrektur ihrer erwarteten Wirtschaftsentwicklung gezwungen hat. Allerdings hat die Corona-Krise die positiven Aussichten auch für Vietnam erst einmal gedämpft.

Mit einem Außenhandelsvolumen von rund 14 Mrd. EUR im Jahr 2019 ist Deutschland derzeit der größte EU-Handelspartner Vietnams. Vietnam lieferte 2019 Waren im Wert von 9,7 Mrd. EUR nach Deutschland. Gleichzeitig gingen deutsche Exporte im Wert von 4,3 Mrd. EUR nach Vietnam.

Durch das EVFTA wird auch der Zugang zu öffentlichen Ausschreibungen in Vietnam vereinfacht. Und dank des zeitgleich ratifizierten Investitionsabkommens EVIPA, in dem sich die EU und Vietnam beidseitig zu einer Erleichterung des Investitionsumfelds für Unternehmen entschlossen haben, dürfte es deutschen Unternehmen leichter fallen, in zuvor stark eingeschränkten Branchen zu investieren. Des Weiteren soll das Freihandelsabkommen westliche, demokratische Wertevorstellungen fördern und so die Attraktivität Vietnams für deutsche und europäische Investoren erhöhen.

Das EVFTA-Abkommen ist nicht nur ein Handelsvertrag, sondern auch eine Antwort im „Kampf der Systeme“, der sich derzeit in den internationalen Handelsstreitigkeiten zwischen den Vereinigten Staaten und China zeigt. Statt protektionistischer Machtkämpfe und stummer Duldung staatsfinanzierter Großunternehmen setzt die EU weiter auf das Rezept „Wandel durch Handel“ – angereichert mit sozialen und ökologischen Anforderungen, um langfristige und wertschöpfende Partnerschaften zu fördern.

Quellen: www.bga.de, Pressemitteilung vom 8. Juni 2020;
                Märkte der Welt Nr. 19 vom 14. Mai 2020

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