Zentralverband des
Deutschen Handwerks
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31.10.2021

Echte Fortschritte für Afrikas Ökonomien nur mit neuem Ansatz

"Afrika First!" Ein dringend überfälliger neuer Blick auf deutsche und europäische Wirtschaftsstrategien.

Um Afrika aus der Unterentwicklung zu befreien, wird seit den 60er Jahren stark auf externe Akteure gesetzt – auf Entwicklungshilfegelder, ausländische Direktinvestitionen und Geldtransfers von Afrikanern, die im Ausland leben. Doch zeigen China, Taiwan, Südkorea und alle entwicklungsökonomischen Erfolgsgeschichten, dass ein Durchbruch an die Entwicklung heimischer Potenziale gekoppelt ist. Einen anderen Blick auf deutsche und europäische Wirtschaftsstrategien haben die Autoren des Buches „Afrika first! Die Agenda für unsere gemeinsame Zukunft“ . Sie sagen: Für echten Fortschritt der afrikanischen Ökonomien braucht es einen neuen Ansatz. Afrika muss sehr viel stärker ins Zentrum der deutschen und europäischen Politik rücken. Flucht und Migration nach Europa werden sonst erheblich zunehmen. Zudem wird sich der Kampf ums Klima in Afrika entscheiden: Wenn hunderte Millionen Afrikaner, die nicht ans Stromnetz angeschlossen sind, künftig Kohlestrom erhalten, sind Europas Klimaschutz-Anstrengungen umsonst. Gleichzeitig birgt ein afrikanisch-europäischer Schulterschluss große Chancen für einen florierenden Wirtschaftsraum – auf Basis einer sozial-ökologischen Marktwirtschaft und gemeinsamer Werte.

Welche Chancen bietet Afrika den ausländischen Investoren? Die Autoren sehen im Infrastruktur-Aufbau den stärksten Hebel, um Investitionen und unternehmerisches Engagement zu fördern. Sie schlagen eine Infrastruktur-Initiative vor, um gemeinsam mit afrikanischen Reformländern faire Finanzierungsmodelle zu entwickeln. Länder wie Ghana, Elfenbeinküste oder Togo sind bereits auf einem guten Weg. Unternehmern bietet sich damit die Chance, früh auf den Wachstumsmärkten der Zukunft präsent zu sein. Noch immer unterschätzen viele Entscheider die Fortschritte in Reformländern und stufen den Kontinent pauschal als „nicht investierbar“ ein. Allerdings setzt derzeit ein Umdenken ein. Es gibt ein großes Interesse am Afrika-First-Network, das afrikanische Unternehmer mit hiesigen Geldgebern zusammenbringen will. Gerade Impact-Investoren, die nachhaltig investieren, können optimale Brückenbauer zwischen dem europäischen Kapitalmarkt und der afrikanischen Wirtschaft sein.

Besonders für die exportorientierte deutsche Wirtschaft ist Chinas Strategie auf dem afrikanischen Kontinent eine große Gefahr. Sie schafft dort Abhängigkeiten, um chinesische Interessen durchzusetzen. Neben dem Zugang zu Rohstoffen geht es der Volksrepublik auch darum, Standards für Handel und Digitalisierung zu prägen. Entwicklungsländer aber brauchen zweierlei: Starkes Wachstum und soziale Standards, die dafür sorgen, dass auch die Armen profitieren. Letzteres kommt bei den meisten traditionellen Wirtschafts- und Entwicklungskonzepten zu kurz, viele bauen immer noch auf den sogenannten trickle-down-Effekt, dem Durchsickern des Einkommenswachstums von oben nach unten. Das Afrika-First-Konzept sieht deshalb vor, soziale – und auch ökologische – Standards zum zentralen Baustein für sämtliche Handels-, Investitions- und Kooperationsabkommen zwischen beiden Kontinenten zu machen.

Nicht zuletzt ist für den Wohlstand in Afrika vor allem auch ein wachsender Mittelstand entscheidend. In den afrikanischen Ökonomien hat er bislang noch nicht die Größe und Bedeutung, die er auf anderen Kontinenten besitzt. Man spricht von der „missing middle“. Der afrikanische Mittelstand ist eingeklemmt zwischen den Großunternehmen, die vom Klientelsystem profitieren und ihre Markt- und Lobbymacht nutzen, und auf der anderen Seite den Mikro- und Kleinunternehmen, die in den meisten Ländern Afrikas bis zu 90 Prozent aller Unternehmen ausmachen.

Quellen: www.stern.de, Pressemitteilung vom 1. Juni 2021;
                  www.internationalepolitik.de; Pressemitteilung vom 1. September 2021
                  Nachrichten für Außenhandel Nr. 189 vom 1. Oktober 2021

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