Zentralverband des
Deutschen Handwerks
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29.06.2020

US-Strafzölle treffen unbeteiligte Familienunternehmen in Europa

Die von den USA verhängten Strafzölle führen bei Familienunternehmen zu erheblichen Wettbewerbsnachteilen. Sie treffen auch Branchen, die mit dem ursprünglichen Handelskonflikt nichts zu tun haben.

Laut einer Studie im Auftrag der Stiftung Familienunternehmen führen die von den USA verhängten Straf- und Ausgleichszölle bei Familienunternehmen zu erheblichen Wettbewerbsnachteilen. Demnach greift der Handelsstreit auf Branchen über, die mit dem ursprünglichen Handelskonflikt nichts zu tun haben. In der Zukunft ist sogar häufiger damit zu rechnen, dass handelspolitische Streitigkeiten Kollateralschäden in unbeteiligten Sektoren hervorrufen. Deshalb ruft das Kieler Institut für Weltwirtschaft die EU-Kommission dazu auf, dringend Abwehrmaßnahmen einzuleiten. Ein Kompensationsmechanismus müsse aus beihilferechtlichen Gründen auf EU-Ebene angesiedelt sein. Auf diese Weise könnten die europäischen Unternehmen gegen Handelsrisiken abgesichert werden. Die USA und China verfügten bereits über entsprechende Instrumente.

Die Stiftung Familienunternehmen führt in ihrer Studie aus, dass Sonderzölle zu erheblicher Unsicherheit bei den Unternehmen führen. Die Höhe der Zölle liegt nicht fest, sondern kann einseitig von den USA erhöht werden. Die Unsicherheit über das Zollregime schränkt den Handel oft stärker ein als die Zölle selbst.

Maschinenbauer sind nach dem Flugzeughersteller Airbus sowie Likör- und Branntweinherstellern am stärksten von den Sonderzöllen betroffen. Besonders in Deutschland sind die volkswirtschaftlichen Effekte bereits sichtbar: Nach Angaben der Studie sind wegen der Airbus-Sonderzölle die deutschen Güterexporte um jährlich rund 650 Mio. EUR zurückgegangen. Weltweit betreffen die US-Strafzölle ein Handelsvolumen von 8,4 Mrd. EUR. Davon entfallen mehr als ein Fünftel auf deutsche Unternehmen.

Quellen: Nachrichten für Außenhandel Nr. 100 vom 26. Mai 2020;
                 www.handelsblatt.com, Pressemitteilung vom 25. Mai 2020