Zentralverband des
Deutschen Handwerks
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Deutschen Handwerks
28.10.2021

Der internationale Warenverkehr ist aus dem Takt

Im weltweiten Warenverkehr ist derzeit keine Entspannung in Sicht. Die Containerschiffe stecken im Stau.
Verkehr auf der Autobahn mit Lager und LKW für den Versand

Seit Monaten bilden sich Schiffsschlangen vor den Container-Häfen Europas und Amerikas. Mit Entspannung ist so bald nicht zu rechnen. Die Welthandelsorganisation WTO meldete kürzlich einen neuen Rekordwert im globalen Warenhandel. Die Verwerfungen im Schiffsverkehr dürften deswegen noch bis weit ins kommende Jahr reichen und die Marktlage wird sich frühestens im ersten Quartal 2022 entspannen.

Ein Grund für die bisherigen Lieferengpässe war das im Frühjahr im Suezkanal festgefahrene Containerschiff Evergiven. Das prominenteste Beispiel für die Staus vor Häfen ist die zweiwöchige Schließung eines Terminals im chinesischen Hafen Ningbo im August. Aufgrund eines einzigen positiven Corona-Falles wurden etwa 1000 Mitarbeiter am drittgrößten Hafen der Welt in Quarantäne geschickt, der Betrieb stand still. Die steigenden Covid-19-Fälle in südostasiatischen Ländern führen zudem zu Fabrikschließungen. In der Folge werden derzeit im Roten Meer – der wichtigsten See-Handelsroute zwischen China und Europa – 20 % weniger Güter transportiert, als zu erwarten wäre.

Das verknappte Angebot, die erhöhte Nachfrage und längere Transportwege bringen Branchen, die "just in time" produzieren, unter großen Druck. Fast alle Branchen sind betroffen. Neben Computerchips kommt es auch bei Wäschetrocknern, Kühlschränken oder Rasenmähern zu Verzögerungen. In den Haushaltsgeräten stecken Elektronik, Metalle und Kunststoffe, alles Vorprodukte, bei denen derzeit Lieferschwierigkeiten bestehen. Die für Deutschland so wichtige Autoindustrie wartet verzweifelt auf Halbleiter, an denen weltweit großer Mangel herrscht.

Neben Staus, Kapazitätsengpässen und Verspätungen klagen Logistikunternehmen auch über einen Mangel an Containern. In europäischen und amerikanischen Häfen lagern mittlerweile abertausende leere Stahlboxen, die aufgrund der überlasteten Schiffsrouten nicht rechtzeitig zurück nach China und Asien gelangen. Deutsche Häfen sind zwar nicht betroffen, da die Frachter in der Regel zuvor andere europäische Häfen anlaufen. Unzuverlässige Ankunftszeiten und Änderungen bei den Schiffsankünften führen jedoch auch im Hinterlandverkehr auf Elbe, Ruhr und Rhein zu Staus.

Die übers gesamte Jahr angestauten Frachten laufen nun alle auf einmal in die Häfen ein. Folge: Die Container stapeln sich und Lkw-Spediteure und Güterbahnen sind zusehend überlastet. Parallel stauen sich vor den Häfen auch die Lkws, deren Fahrer auf die Verladung ihrer Fracht warten. Verschärft wird die Lage durch den Mangel an Lkw-Fahrern, nicht nur in Großbritannien, der in den kommenden Jahren zu stärkeren Versorgungsengpässen führen könnte.

Quellen: www.nzz.ch; Pressemitteilung vom 13. September 2021;
                  www.finanzen100.de, Pressemitteilung vom 8. Oktober 2021

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