Für diesen Moment geben wir alles

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    Foto: Zimmerei Stockmann

Anlässlich des Tags des Handwerks haben Handwerker erzählt, worauf sie in ihrem Beruf besonders stolz sind. Heraus kam eine Sammlung unterschiedlichster Geschichten aus dem Handwerk, die Deutschland zeigen, wie vielfältig und erfüllend Handwerksberufe sind.


Bloggerin Jessica Jörges: „Es kommt auf dich an, wie bunt dein Leben ist!“

Bei Jessica Jörges, Malerin bei Maler Schmidt GmbH, gibt es nicht den einen Stolzmoment. Sie ist stolz auf alles, was sie täglich in ihrem Job macht. Genau das macht sie in ihrem eigenen kleinen „Stolz Projekt“ publik: „Mit Beginn der Ausbildung im August 2016 startete ich meinen Blog ‚Bunte Zukunft‘, auf dem ich über mein Leben als Auszubildende im Maler- und Lackiererhandwerk berichte. Mein Ziel ist es, Jugendliche zu animieren, dem Handwerk eine Chance zu geben.” Für Jessica muss nicht jeder studieren, auch im Handwerk kann man ihr zufolge erfolgreich werden. Sie möchte Jugendlichen mit gutem Schulabschluss so für das Handwerk begeistern. Wichtig ist es ihr zu zeigen, wieviel Spaß man bei der Arbeit haben kann. Dabei stellt sie nicht nur die Sonnenseite des Berufs dar. Auch bei anstrengenden Arbeiten kann man lachen. „Ich liebe meinen Beruf und bin stolz darauf, nach dem Abitur eine handwerkliche Lehre angefangen und in diesem Jahr abgeschlossen zu haben.“ Ihr Motto: Es kommt auf dich an, wie bunt dein Leben ist!


Der kühne Plan: ein Elektro-Motorrad aus Aluminium

Die Motorradwerkstatt „Wannabe Choppers“ im mittelhessischen Hüttenberg könnte auch an der Route 66 liegen: an der Wand die Flagge der Vereinigten Staaten und Harley Davidson-Embleme, darunter eine Sitzecke im Vintage-Stil. Hier fertigen der 29-jährige Zweiradmechanikermeister Enrico de Haas und seine vier Mitarbeiter nicht nur spezielle Bauteile für den Motorradgroßhandel und die -industrie. Sie tüfteln auch an einem Elektro-Motorrad aus Aluminium. Planung und Fertigung nahmen gut zwei Jahre und ganze 1.400 Arbeitsstunden in Anspruch. „Das E-Bike ist im Grunde eine Bestandsaufnahme unseres Könnens. So kann aber durchaus die Mobilität der Zukunft aussehen. Wir haben damit jedenfalls unter Beweis gestellt, dass alte handwerkliche Techniken auch noch in 50 Jahren up-to-date sei können“, erläutert er.

 

Mit einem modernen Nischenprodukt traditionell durchgestartet

Mit der Vision von dem perfekten Nischenprodukt „Made in Germany“ ging er ins Ausland. Mit dem „Erfolgsrezept“ für individuell gestaltbare Kekse kam er zurück. Bei Gregor Johannes Stapper aus Brilon können sich User im Internet Kekse mit selbst gestalteten Logo konfigurieren. Eine Idee, mit der der Bäckermeister aus dem Sauerland innerhalb von drei Jahren durchstartete. Aber nicht nur wegen des Logos bestellen seine Kunden, auch wegen des guten Geschmacks der Kekse: Mittlerweile formt er in seiner kleinen Backstube bis zu 10.000 Kekse am Tag. Einen davon hat sogar schon Bundeskanzlerin Angela Merkel probiert – und dabei gleich eine weitere Bestellung angekündigt. „Die Arbeit mit den Händen ist einfach das Größte“, schwärmt der Bäcker. „Man steht am Morgen mit drei Säcken Mehl in der Backstube, fügt moderne Technik hinzu und erhält am Ende des Tages ein piekfeines Produkt. Das ist der geniale Moment, wenn aus zwei Welten eine wird“, so Stapper.

 

Gute Aussichten: Im Urwald Perus bekommen Menschen endlich Brillen

Eine individuelle, präzise und moderne Brille – und das im Urwald Perus: 2017 entwickelte Reinhard Müller von Optik Müller ein sehr vereinfachtes System, mit dem man auch in wirklich abgelegenen Gebieten Brillen herstellen kann. Um das System zu testen und zugleich zu beweisen, dass es funktioniert, reiste Reinhard Müller in das Amazonas-Tiefland in Perú. Dort konnte er an nur einem Tag 60 Brillen für bedürftige Menschen anfertigen. Eine für ihn zutiefst erfüllende Tätigkeit. Außerdem ist er mit dem ‚Entwicklungsdienst Deutscher Augenoptiker‘ weltweit aktiv: “Wir schulen einheimische Menschen und statten sie mit einer funktionierenden Werkstatt aus. So können sie ihren Landsleuten eine gute Sicht zu sehr günstigen Preisen verschaffen. Ganz nach dem Motto: Gib einem Mann einen Fisch und du ernährst ihn für einen Tag. Lehre einen Mann zu fischen und du ernährst ihn für sein Leben”.

 

Als Schornsteinfegerin Menschen den Staub von der Seele nehmen

Es ist diese kurze Berührung beim Abholen des Glücks, das Streichen über die schwarze Jacke, das kurze Anfassen des Arms. „In diesen kleinen Momenten liebe ich es ganz besonders, Schornsteinfegerin zu sein.“ Ramona Brehm hat einen festen Platz in dem männerdominierten Schornsteinfegerhandwerk und ist für ihre Kunden eine kompetente Ansprechpartnerin rund um Feuerstätten oder Dunstanlagen, Glücksbringern und Seelsorgerin zugleich. Für die 28-Jährige, die in diesem Jahr auch zur Miss Handwerk 2018 gewählt wurde, ist die Reinigung der Heizungs- und Lüftungsanlagen beinahe ein symbolischer Akt. „Wir Schornsteinfeger machen nicht nur die Kamine sauber, sondern nehmen den Menschen oft auch ein Stück Staub von der Seele.“

 

Ein Zimmerermeister auf Polarforschung

Michael Stockmann verbindet drei Leidenschaften miteinander: Holz, Meer und Musik. Der Zimmerermeister und Einzelunternehmer half über mehrere Wochen auf einer dänischen Werft, ein Expeditionsschiff von 1931 für die nächste Reise des Polarforschers Arved Fuchs zu rüsten. Zehn Crewmitglieder finden darauf Platz – er war einer von ihnen. Ein Privileg: „Man bereist Regionen, die man so nie zu Gesicht bekommen hätte“, sagt er. Weitere Expeditionen folgten. In Norwegen wartet schon eine neue Liebhaberin auf ihn: „Frilla“ (dän. Mätresse) hat er sein eigenes Boot für die nächsten Abenteuer getauft, das er zuvor aufwendig restauriert hat. Aber auch durch seine dritte Leidenschaft, die Musik lässt er sich gern einmal aus der Werkstatt ziehen: Seit zwölf Jahren ist er Teil des Organisationsteams für das Festival „Rocken am Brocken“ im Harz.


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