Zentralverband des
Deutschen Handwerks
24.06.2021

„Es geht um mehr als Krisenbewältigung“

Im Namensbeitrag für das Mitgliedermagazin STARK betont ZDH-Präsident Wollseifer, dass es bei der Bundestagswahl um mehr als Krisenbewältigung gehen muss.
Portraitfoto von Hans Peter Wollseifer vor dem Haus des Deutschen Handwerks in Berlin

Foto: ZDH/Boris Trenkel

In seinem Namensbeitrag für das Mitgliedermagazin STARK der Kreishandwerkerschaft Dortmund und Lünen betont ZDH-Präsident Hans Peter Wollseifer, dass es bei der Bundestagswahl um mehr als reine Krisenbewältigung gehen muss. Deutschland braucht einen positiven Zukunftsentwurf.

„Bei der Bundestagswahl im September entscheidet sich, wer unser Land in den kommenden Jahren steuert - und wohin. Doch wer im Vorfeld dieser Wahl auf eine echte Zukunftsdebatte zwischen den Parteien gehofft hat, ist bislang eher enttäuscht worden. Politische Konzepte jenseits von Corona spielen im Moment eine untergeordnete Rolle. Doch genau darüber müssen wir reden. Es geht bei der Bundestagswahl um mehr als Krisenbewältigung. Es geht um einen positiven Zukunftsentwurf – auch für unsere eine Million Betriebe und 5,6 Millionen Beschäftigten im Handwerk.

Die Handwerksorganisation hat sich in den vergangenen Monaten intensiv damit auseinandergesetzt, wie diese Zukunft aussehen kann. Unter dem Titel „Wissen, was zu tun ist“ haben Arbeitnehmer- und Arbeitgebervertreter konkrete Erwartungen an die Politik formuliert. Wohlwissend, dass auch unsere Betriebe und Beschäftigten stark mit den Folgen der Corona-Pandemie beschäftigt sind. Rechnungen bezahlen, Arbeit sichern, offene Ausbildungsplätze besetzen, die Auswirkungen der dramatisch gestiegenen Materialpreise bewältigen – das alles sind existenzielle Fragen, die momentan viel Kraft kosten. Dabei unterstützen wir unsere Betriebe und Beschäftigten, wo es nur geht.

In den kommenden Jahren braucht es eine Politik, die unsere Betriebe entlastet und stärkt. Die nächste Bundesregierung muss sicherstellen, dass Steuern zu verkraften sind, Sozialbeiträge nicht weiter ansteigen und Bürokratie unsere Handwerkerinnen und Handwerker nicht erdrückt. Nur so sichern wir die Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe, ermöglichen Arbeitnehmern ein auskömmliches Nettoeinkommen und setzen Impulse für mehr Beschäftigung und Ausbildung.

Ausbildung ist für mich ohnehin eines der wichtigsten Themen überhaupt. Das wird das Handwerk auch während des „Sommers der Berufsbildung“ zeigen, den wir gemeinsam mit den Partnern der Allianz für Aus- und Weiterbildung auf die Beine stellen und mit dem bei jungen Menschen Lust auf eine berufliche Ausbildung gemacht werden soll. Denn wir brauchen junge Menschen, die den Wohlstand und die Wirtschaftskraft in unserem Land langfristig sichern. Diese Fachkräfte müssen ausgebildet werden, und genau das tun unsere Betriebe im Handwerk. Damit sie das auch in Zukunft erfolgreich fortsetzen, muss Ausbildung attraktiv bleiben. Wir brauchen leistungsfähige Bildungsstätten, mehr digitale Bildungsangebote und mehr Wertschätzung der Politik für das, was unsere Betriebe jeden Tag leisten. Und vor allem: Eine echte Gleichwertigkeit zwischen beruflicher und akademischer Bildung.

Klare Erwartungen hat das Handwerk auch bei den Zukunftsthemen Digitalisierung und Nachhaltigkeit. In beiden Bereichen sind unsere Betriebe und Beschäftigten auf gute Rahmenbedingungen angewiesen. Da funktioniert in Deutschland Vieles noch nicht so, wie wir uns das vorstellen. Diese Versäumnisse müssen wir zügig aufholen, um international wettbewerbsfähig zu bleiben, etwa bei der Versorgung mit schnellem Internet. Zur nachhaltigen Entwicklung gehören für das Handwerk vor allem attraktive Regionen. Lebendige Innenstädte, starke Ballungszentren und ländliche Räume sowie eine leistungsstarke Infrastruktur sind für das Handwerk wichtige Voraussetzungen für ein wirtschaftlich erfolgreiches und lebenswertes Deutschland. Das gemeinsam zu gestalten und zu schaffen – dafür steht das deutsche Handwerk gerne bereit.“

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